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Bischof Franz Kamphaus nimmt im Jahr 1999 mit einem Arbeiter des Beschäftigungsprojekts am Stand auf dem Neumarkt Platz.

Hilfe seit 30 Jahren

Das ist das Heim für Obdachlose in Limburg

Im Limburger Walter-Adlhoch-Haus bekommen Wohnungslose Boden unter die Füße. Die schwierige Arbeit begann vor 30 Jahren und war in der Stadt zunächst sehr umstritten.

Mitte der 1980er-Jahre schlugen die Wogen in der Stadtverordnetenversammlung hoch. Soll die Stadt eine Anlaufstelle mit Herberge für Menschen schaffen, die auf der Straße leben? Wird Limburg dann zentraler Treffpunkt für „Penner“ aus der ganzen Region? Vorbehalte und Vorurteile beherrschten die Diskussion. Inzwischen gibt es das Walter-Adlhoch-Haus in der Eisenbahnstraße schon 30 Jahre. Das ist Anlass für einen Festakt am Freitag, 7. Dezember.

Heute stellt sich die Frage, wo die obdachlosen Menschen geblieben wären, wenn es diese wichtige, vom Caritas-Bezirksverband Limburg geführte Herberge nicht gäbe. Zwar standen damals und stehen heute die Kommunen in der gesetzlichen Pflicht, alleinstehenden Wohnungslosen Beratung und Unterkunft anzubieten; Limburg gehörte aber zu den wenigen in Hessen, die diese Verpflichtung umgesetzt haben. Zu diesem Zweck kaufte die Stadt damals das Haus Eisenbahnstraße 3 für „Nichtsesshafte“.

Lob für Stadt und Caritas

464 000 Mark kostete das Gebäude einschließlich Umbau, woran sich das Land mit 200 000 Mark und der Landeswohlfahrtsverband (LWV) mit 25 000 Mark beteiligten. Der damalige Erste Beigeordnete des LWV, Dr. Georg Maraun, lobte die Domstadt und die Caritas für ihre große beispielhafte Leistung.

Unter einem Dach waren die Fachberatungsstelle und 21 Plätze im Übernachtungswohnheim untergebracht. Deren erster Leiter, Sozialarbeiter Jürgen Malyssek, sah darin einen Anfang und meinte: „Wir müssen einen langen Atem für Menschen haben, die nur über einen kurzen Atem verfügen. Wir werden nicht alle Probleme lösen können.“

Benannt ist das Haus nach Monsignore Walter Adlhoch, dem früheren Direktor des Diözesan-Caritasverbandes.

1992 wurde das angebaute Nachbarhaus hinzugekauft und umgebaut. Es enthält heute die Tagesstätte mit dem Treffpunkt „Oase“, die auch ein Ort für Beschäftigung und Qualifizierung ist. Ebenso gibt es dort eine ambulante Fachberatungsstelle.

Unzählige Männer, Frauen, junge sowie alte Menschen haben in drei Jahrzehnten die Dienste der Einrichtung für Wohnungslose im Limburger Caritasverband in Anspruch genommen. Im Walter-Adlhoch-Haus geht es nicht allein darum, dass hilflosen Menschen die Hand gereicht wird, vielmehr macht die Caritas dort ein breitgefächertes Angebot.

Hilfe durch Förderkreis

Heute bestehen vier Plätze zur Notübernachtung, 14 Plätze im Übergangswohnheim. Daneben gibt es die Außenstelle im ehemaligen Schwesternhaus in Niederbrechen. Es können dort sechs Männer in Einzelzimmern aufgenommen werden, wenn sie die Auflage zu einer abstinenten Lebensführung erfüllen. Im betreuten Wohnen werden vom Adlhoch-Haus bis zu 25 Personen dabei unterstützt, ein eigenständiges Leben zu führen, ihre Existenzgrundlage zu sichern und Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Es gibt Arbeits- und Beschäftigungsprojekte wie die Holzwerkstatt in der Rudolf-Schuy-Straße. Hilfsangebote werden individuell geplant, mit den zuständigen Stellen (Job-Center, Agentur für Arbeit, Landkreis Limburg-Weilburg) vereinbart. Angebote des Arbeits- und Beschäftigungsprojekts sind ein wesentlicher Meilenstein auf dem Weg zur persönlichen Entwicklung und gesellschaftlichen Eingliederung. Ferner gibt es das Übergangsmanagement, das ehemalige Strafgefangene dabei unterstützt, wieder Tritt in der Gesellschaft zu fassen.

Eine starke Stütze findet das Walter-Adlhoch-Haus seit 20 Jahren in dem eigens gegründeten Förderkreis Obdachlosenhilfe Limburg. Mit Aktionen wie „Warm durch den Winter“, Grillfesten und Weihnachtsessen für Obdachlose, mit der Finanzierung einer Wohnung für obdachlose Frauen und vor allem mit dem 2002 ins Leben gerufenen Großprojekt „Unser Lädchen“, eine „Tafel“ für Bedürftige, wird ohne Ansehen der Nationalität und Religion Menschen geholfen, die meist aus nicht bekannten Gründen in Not geraten sind.

Info: Festakt in der Pallottinerkirche

Der Caritasverband für den Bezirk Limburg lädt zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Einrichtung für Wohnungslose für Freitag, 7. Dezember, in die Limburger Pallottinerkirche St. Marien, Wiesbadener Straße, ein. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr mit einem Dankgottesdienst, der von Bezirksdekan Andreas Fuchs sowie Diakon Bernd Hannappel zelebriert wird. Die musikalische Begleitung haben Matthias Frey, Christopher Herrmann und Büdi Siebert übernommen. Im Anschluss treffen sich die Gäste bei einem Stehempfang im Pater-Richard-Henkes-Saal (Unterkirche der Pallottiner). Den Festvortrag mit dem Titel „Street Blues . . . 30 Jahre auf der Straße“ hält der erste Einrichtungsleiter Jürgen Malyssek. Jessica Born und Band sowie die Projektband „Nix Druff?“ des Walter-Adlhoch-Hauses spielen zur Unterhaltung auf. dfl

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