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Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD, links) trägt sich am 8. September 1978 ins Goldene Buch der Stadt Limburg ein. Rechts Bürgermeister Josef Kohlmaier.

Vor 40 Jahren

Als Helmut Schmidt ins Goldene Buch der Stadt Limburg schrieb

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Es ist etwas ganz Besonderes, sich ins Goldene Buch der Stadt Limburg eintragen zu dürfen. Erst 23 Personen ist dies seit 1960 gestattet worden. Der bislang letzte Eintrag stammt aus dem Jahr 2010. Wer durfte sich bislang in dieses Buch eintragen, das im Schrank des Bürgermeisters liegt?

In der Regel sind es Vertreter aus Politik, Kirche und Wirtschaft, die sich ins Goldene Buch der Stadt Limburg eintragen durften. Männer sind dabei mit 20 Eintragungen eindeutig in der Überzahl; nur drei Frauen hatten bislang diese Ehre.

  Wer darf sich eintragen? Das ist in Paragraf 2 der Ehrenordnung der Stadt Limburg geregelt. Eintragen dürfen sich nur „verdiente Persönlichkeiten“, sofern der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig zugestimmt hat; andernfalls müssen die Stadtverordneten ihr Votum abgeben. Prominente müssen tatsächlich die Stadt selbst besuchen, ein Wahlkampfauftritt in der Stadthalle rechtfertigt diese Ehre nicht. Das galt auch für Altkanzler Helmut Kohl (CDU), der 2002 in Limburg weilte und gegen die Fortsetzung von Rot-Grün in Berlin kämpfte.

  Gibt es ein Ranking bei den Ehrungen durch die Stadt? Ja, sagt Hauptamtsleiter Walter Gläser und verweist auf die Ehrenordnung. Die höchste Würde, die die Stadt verleiht, ist das Ehrenbürgerrecht (für alle, die sich um Limburg verdient gemacht haben). Auf Platz 2 kommt der Eintrag ins Goldene Buch (allgemein für verdiente Persönlichkeiten). Platz 3 gebührt der Ehrenbezeichnung „Stadtälteste/r“ (mindestens 20-jähriges Mandat oder Amt, nach dem jeweiligen Ausscheiden). Dahinter folgen weitere Ehrungs-Varianten wie zum Beispiel die Limburg-Medaille.

  Wer ist der prominenteste Name im Goldenen Buch Limburgs? Eindeutig der von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), der mit dem Hubschrauber nach Limburg geflogen kam. Er durfte sich am 8. September 1978 eintragen, nachdem er sich über die Altstadtsanierung informiert hatte. „Ich beneide Sie um diese Stadt“, sagte der Kanzler Bürgermeister Josef Kohlmaier bei einem Spaziergang über die Plötze, den Fischmarkt und den Kornmarkt. Im Dom fragte ihn ein Junge, was ein Kanzler abends noch zu arbeiten habe. Schmidt antwortete, er lese dann noch Zeitungen. Bäckermeister Friedel Hensler schenkte dem Kanzler ein in Brot gebackenes Mädchen und erhielt vom Bürgermeister als Gastgeschenk einen alten Domstich und eine Altstadtzeichnung des Hobbymalers Rudolf Hilb. Eine Zigarettenpause führte den Kanzler auch ins Haus von Dr. Ernst Schirmacher, der für die Alstadtsanierung maßgeblich verantwortlich war.

  Wer durfte sich als Erstes eintragen? Das war Ehrenbürger Josef Schneider (1890 –1974) am 17. September 1960. Das ist ungewöhnlich, weil der ehemalige Limburger Bürgermeister zu dem Zeitpunkt /im Juni) schon die höchste Würde der Stadt erhalten hatte. 1945 hatte ihn die amerikanische Militärregierung zum Bürgermeister ernannt. 1946, 1948 und 1954 wurde er von den Stadtverordneten einstimmig im Amt bestätigt. „Zu den besonderen Leistungen in Schneiders Amtszeit als Bürgermeister gehört die Beseitigung der schlimmsten Kriegsschäden, der Wiederaufbau der Infrastruktur, die Ansiedlung neuer Industrie und die Schaffung von Wohnraum“, heißt es auf der Homepage der Stadt.

  Welche Frauen stehen im Goldenen Buch? Die erste Frau, der diese Ehre zuteil kam, war im Oktober 1984 Maria Wagner, die zusammen mit ihrem Mann, dem früheren Bürgermeister Rudi Wagner, unterschrieb; übrigens das bislang einzige Mal, das sich zwei Personen am gleichen Tag eintragen durften. Auch die folgenden beiden Einträge entfallen auf Frauen: Nur gut zwei Monate später trug sich Anna Ohl ein, die zwei Jahre später zur Ehrenbürgerin ernannt wurde. 1981 hatte sie ihr umfangreiches Privatvermögen in eine Stiftung eingebracht. 1992 folgte ein Eintrag von Schwester Engelhardis von den Armen Dienstmägden Jesu Christi, die mit ihrem Eintrag für ihre caritative Arbeit geehrt wurde.

  Gibt es nur Unterschriften im Goldenen Buch? Nein, gerade die ersten Einträge umfassen eine halbe bis zwei Seiten mit persönlichen Worten. Friedrich Wilhelm Hammerschlag (1888–1972) zum Beispiel schrieb 1963: „Seit 1922 habe ich mit Unterbrechung während der Hitlerjahre der Stadtverordnetenversammlung angehört. [. . .] Als Demokrat aus Erziehung und Überzeugung habe ich allzeit gern mitgearbeitet zum Wohl meiner Vaterstadt“, schrieb Hammerschlag am Tag seines 75. Geburtstags. Fünf Jahre später wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Er war Stadtverordneter von 1922 bis 1933 und erneut von 1946 bis 1965. Außerdem war er Präsident der Industrie- und Handelskammer.

Eine Übersicht über alle Personen, die sich ins Goldene Buch der Stadt Limburg eingetragen haben, gibt es unter

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