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Der aktuelle Zustand „seiner“ Kirche schmerzt den ehemaligen Limburger Bischof Franz Kamphaus, hier vor dem Dom. Er selbst fühlt sich mit seinen 87 Jahren zum diamantenen Priesterjubiläum „auf der Zielgeraden“.

Reformwunsch

Der ehemalige Bischof Franz Kamphaus sieht die Kirche am Boden

Am Donnerstag vor 60 Jahren wurde Franz Kamphaus zum Priester geweiht. Mit Aussagen zur aktuellen Lage der Kirche hält sich der ehemalige Limburger Bischof zurück – wird aber bei Andeutungen recht deutlich.

Limburg - „Ich werde Pastor“: Als der 13-jährige Franz Kamphaus im Februar 1945 mit diesem Satz selbstbewusst auf die Frage nach seinem Berufswunsch antwortete, überraschte er damit nicht nur sein damaliges Gegenüber und später auch seine Eltern, sondern ein wenig sogar sich selbst. „Ich weiß nicht, wo das herkam“, beschreibt der ehemalige Limburger Bischof diesen „ganz verrückten“ Moment. 

Man könne es Eingebung oder Fügung nennen, „aber es war in mir und ist in mir geblieben. Ich wusste: Das bin ich. Das will ich werden.“ Wie ernst ihm dies war, dafür hat er sich mit seinem Leben verbürgt: Am morgigen Donnerstag begeht der Geistliche, der seit seiner Emeritierung 2007 im Sankt Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen lebt, sein diamantenes Priesterjubiläum.

Bischof Franz Kamphaus: Der Zustand seiner Kirche "schmerzt"

„Wenn ich an den Anfang zurückdenke, hätte ich mir das nie träumen lassen“, sagt der 87-Jährige. Am 2. Februar 1932 in Lüdinghausen geboren und als eines von fünf Kindern auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen, war ihm, wenn auch religiös erzogen, dieser Weg nicht vorgezeichnet. „Hast Du Dir das gut überlegt?“ Einzig das fragte ihn der Vater kurz vor dem Abitur, wahrscheinlich wohl wissend, dass sein Sohn einem einmal gefassten Entschluss folgen würde; mit genau der Standfestigkeit, mit der er später an seinen Überzeugungen festhielt: Vom sprichwörtlichen „westfälischen Dickschädel“ sollte in den kommenden Jahren nicht selten die Rede sein.

Bistum Limburg: Kirche in der Krise

Also studierte er Theologie und Philosophie in Münster und München, wurde 1959 im Dom zu Münster von Bischof Michael Keller zum Priester geweiht und stellte seinen Dienst unter das programmatische Schriftwort: „Wir wollen nicht Herren über Euren Glauben, sondern Diener Eurer Freude sein.“ Einen Monat zuvor hatte Papst Johannes XXIII. das II. Vatikanische Konzil ausgerufen. Heute könne man sich die dadurch ausgelöste Gefühlslage nicht mehr recht vorstellen, meint er. Für ihn sei es schlichtweg ein Geschenk gewesen, „ausgerechnet in dieser spannenden Zeit Priester sein zu dürfen“. Dass er es die ganzen 60 Jahre gerne war und geblieben ist, dazu habe die Aufbruchsstimmung rund um das Konzil wesentlich mit beigetragen.

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Nach fünf Kaplansjahren holte ihn der damalige Bischof von Münster, Josef Höffner, zum Aufbaustudium zurück, wo er mit einer Arbeit über das Thema promovierte, das ihm Herzensanliegen ist: „Von der Exegese zur Predigt.“ Neben seiner Lehrtätigkeit in Münster wurde er 1972 zum Regens des dortigen Priesterseminars berufen und 1982 von Kardinal Höffner zum Bischof geweiht. „Den Armen das Evangelium verkünden“ lautete sein Leitspruch, den er in 25 Jahren als Bischof von Limburg mit Leben erfüllte. Dazu gehörte die bewusste Entscheidung für einen einfachen Lebensstil mit seiner Wohnung im Priesterseminar, während im Bischofshaus zeitweise eine Flüchtlingsfamilie unterkam. Den grünen Golf steuerte er viele Jahre am liebsten selbst.

Limburg: „Unsere Kirche ist nur katholisch, wenn sie Weltkirche ist“

Missionar war er, wie als Kind ursprünglich gedacht, dann doch nicht geworden, dafür war der Münsterländer Bauernsohn zu heimatverbunden. Aber den Impuls, „über den Tellerrand“ zu schauen, griff er als Bischof wieder auf und öffnete mit zahlreichen Partnerschaften, angefangen bei Sambia bis hin zu den Philippinen die Perspektive des Bistums Limburg. „Unsere Kirche ist nur katholisch, wenn sie Weltkirche ist“, lautete sein Credo, das sich auch in seinem Engagement in der Bischofskonferenz niederschlug. Hier war er viele Jahre für das Hilfswerk Misereor verantwortlich und ab 1999 bis zu seiner Emeritierung Vorsitzender der Kommission Weltkirche.

Die Entscheidung, danach in das Sankt Vincenzstift, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, zu ziehen, „habe ich keinen Tag bereut“, sagt Kamphaus. An der Konzeption der Neugestaltung der Marienkirche durch Künstler mit Behinderung hat er entscheidend mitgewirkt und noch im März vergangenen Jahres ein neues Buch mit Gedanken zur Bergpredigt publiziert. Wenn er auch das aktuelle Geschehen in Gesellschaft und Kirche aufmerksam verfolgt, hält er sich mit Kommentaren aus Prinzip zurück: Auf keinen Fall will er als Emeritus zum Schulmeister derjenigen werden, die jetzt das Sagen haben.

Missbrauchskandal

Dass ihn allerdings der Zustand „seiner“ Kirche schmerzt, räumt er ein: „Sie liegt am Boden und nicht wenige sind dabei, sie auszuzählen.“ Nach dem Missbrauchsskandal gelte es, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, Transparenz herzustellen, aufzuklären und den Opfern Vorrang einzuräumen, sagt Kamphaus und lobt Bischof Georg Bätzing für seinen „besonnenen und weitblickenden Umgang“ mit dem Thema. Darüber hinaus ist er davon überzeugt, dass es „ein Segen ist, dass wir gerade jetzt Papst Franziskus haben“ und dass die Kirche einen neuen Aufbruch wagen müsse: „Es fehlt das III. Vatikanum.“

Die Jahre zwischen 80 und 90 sind nichts für Feiglinge: Dieser Satz sei wahr, sagt Kamphaus, der sich mit seinen 87 Jahren „auf der Zielgeraden“ fühlt. Die Beschwernisse des Alters forderten ihm täglich viel Geduld mit sich selbst ab, gesteht er. Dass er noch regelmäßig die Messe feiert, gehört zu seinem Leben ebenso wie das Stundengebet und die tägliche Meditation, „ein schweigendes Da-Sein vor Gott.“ Jeden Mittag isst er zusammen mit den Bewohnern in der Caféteria der Einrichtung, „als einer von ihnen“, wie er sagt. Mit ihnen und an diesem Ort wird er auch sein besonderes Jubiläum begehen: „Ich feiere mit den Menschen, mit denen ich lebe.“

(red)

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