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Temperamentvoll: So kennen alle den impulsiven Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl aus seiner aktiven Amtszeit.

Geburtstag

Ein Mann der klaren Worte: Der Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl wird 85 Jahre alt

Er ist beliebt, humorvoll, er eckte aber auch mal an: Der Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Heute feiert er seinen 85 Geburtstag.

Der Lebensweg von manchen Priestern passt auf ein DIN-A4-Blatt. Die Biografie des Limburger Weihbischofs Gerhard Pieschl lückenlos darstellen zu wollen, würde ein Buch füllen. Keines mit sieben Siegeln; denn Pieschl ist ein kommunikativer Mensch, der auf vielen Ebenen Verantwortung übernommen hat und sich inmitten der Gesellschaft positioniert. Heute, am 23. Januar, feiert der rüstige Unruheständler seinen 85. Geburtstag.

Als Gerhard Pieschl am 9. September 1977 von Papst Paul VI. zum Weihbischof im Bistum Limburg bestellt wurde und sechs Wochen später im Frankfurter Kaiserdom die Weihe empfing, lautete sein Wahlspruch „Non recuso laborem. Ich scheue die Mühen nicht“, oder – wie von Pieschl frei übersetzt: „Ich drücke mich nicht“. Diesem beim Heiligen Martin von Tours entliehenen Spruch ist er bis ins hohe Alter treu geblieben. Denn auch heute nimmt der Jubilar im Auftrag von Bischof Georg Bätzing wichtige Aufgaben wahr.

Die Nachricht, dass Gerhard Pieschl mal Weihbischof werden würde, kam für ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel

„Dass ich einmal Weihbischof werden würde, diese Nachricht kam für mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagt Gerhard Pieschl und erinnert sich, wie ihn Werner Böckenförde, der persönliche Referent von Bischof Kempf, auf einem Abendspaziergang 1977 am Deutschen Eck in Koblenz danach fragte. Der damals 44-jährige Militärdekan Pieschl, der sieben Jahre nach seiner Priesterweihe im Limburger Dom mit den Aufgaben eines Leitenden Militärpfarrers der 5. Panzerdivision in Diez betraut wurde und später als Militärdekan an der Schule für Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz unterrichtete, willigte schweren Herzens ein.

Als Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, an der Lahn seinen Antrittsbesuch machte, wurde er vor der Dompforte von Pieschl (links) und Diözesanbischof Franz Kamphaus (rechts) empfangen.

Jahrzehntelang war der umtriebige Weihbischof oft auf seinen Wegen im Bistum anzutreffen. Samstags gehörte er – ausgerüstet mit schwarzer Lederjacke und Einkaufstasche – zur Stammkundschaft auf dem Limburger Wochenmarkt. Pieschl suchte stets den Kontakt zu den Menschen und sagte einmal mit einem Lächeln: „Ich habe kaum tiefere religiöse Gespräche gehabt wie bei solchen Anlässen. Zum Beispiel auf dem Wochenmarkt: Da wird zwischen Kraut und Rüben verhandelt.“

Beauftragte für die katholische Polizeiseelsorge: Polizei verleiht ihm die Goldenen Handschellen

Pieschl ist leutselig, sein Humor spontan. Mit seiner ansteckenden Leichtigkeit vermag der Plauderkünstler Menschen zusammenzuführen. „Ich bin halt der geblieben, der ich war“, sagt er. Daran vermochten auch seine Ernennungen zum Domdekan, Kapitular- und Bischofsvikar nichts ändern.

Als Weihbischof übernahm er schnell auch Verantwortung in der Deutschen Bischofskonferenz. Von 1979 bis 2000 war er der Beauftragte für die katholische Polizeiseelsorge, wofür ihm der Berufsstand mit der Verleihung der goldenen Handschellen dankte. Als Vertriebenenseelsorger kämpfte er dafür, Vorurteile und Misstrauen zwischen den Völkern abzubauen. Dabei hat er dank seiner zugewandten Art vielfältige Sympathien in Ost und West erworben. Er war und ist dafür bekannt, dass er seine Überzeugungen mit klaren Worten vertritt.

Mitte der 80er Jahre erkundigt sich Weihbischof Pieschl (rechts) in einer Drehpause im Limburger Bischöflichen Ordinariat bei Günter Strack, der einen Pfarrer und Hans Korte (von links), der einen Bischof spielte.

Pieschl hatte auch so manchen Konflikt auszutragen. Zum 1. Januar 1978 ernannte ihn Bischof Kempf zum Bischofsvikar für den synodalen Bereich und zum Leiter des Diözesansynodalamtes. Keine leichte Aufgabe, denn ab 1973 gab es um die Synodalordnung einen lebhaften Konflikt zwischen Bischof Kempf und dem damaligen Apostolischen Nuntius in Deutschland, Corrado Kardinal Bafile. Pieschl vermittelte, moderierte und trug wesentlich zur Lösung der Spannungen bei. Dagegen sollte dem Weihbischof 2003 eine versöhnliche Vermittlung nicht gelingen. Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten der Diözesanversammlung, Dr. Hans-Peter Röther, über den synodalen Weg legte Pieschl sein Amt als Bischofsvikar nieder.

Diskret, unaufgeregt und klar wirkte Pieschl beim Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung. Nach der Weigerung durch den Diözesanbischof Franz Kamphaus übertrug Papst Johannes Paul II. dem Weihbischof 2002 die Aufgabe, die Ausstellung der Scheine im Bistum Limburg zu beenden.

Weihbischof Gerhard Pieschl erhält Ehrendoktortitel der Philosophie der Universität Pecs in Ungarn 

Pieschl wurde am 23. Januar 1934 als tschechoslowakischer Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit geboren. Obwohl er im Alter von elf Jahren gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus der Heimat fliehen musste und sein Vater 1944 als Offizier bei den Kämpfen um Budapest getötet wurde, war er als Weihbischof stets um Aussöhnung bemüht. Dafür wurde er unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und dem Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet.

Auch das frühere Heimaterzbistum Pieschls, Olmütz in Mähren, zeichnete den Weihbischof für seine Arbeit aus und ernannte ihn im Jahr 2000 zum „Domkapitular ehrenhalber“. Die Universität Pecs in Ungarn verlieh ihm 2010 den Ehrendoktortitel der Philosophie. Die Stadt Limburg dankte ihrem verdienstvollen Mitbürger 2009 mit der seltenen Auszeichnung eines Eintrages ins Goldene Buch.

Der Wunsch, Priester zu werden, war bei Gerhard Pieschl schon während seiner Schulzeit im Internat in Königstein (Hochtaunuskreis) gewachsen. Nach dem Abitur studierte er dort an der Philosophisch-Theologischen Hochschule sowie an den Universitäten in Freiburg und Mainz Philosophie und Theologie. Nach seiner Priesterweihe am 8. Dezember 1961 im Limburger Dom wirkte er zunächst als Subregens im Bischöflichen Konvikt in Hadamar. Seine Kaplanszeit verbrachte er in Bad Ems, Bad Schwalbach und Frankfurt.

Mit Vollendung des 75. Lebensjahres nahm Papst Benedikt XVI. das pflichtgemäße Rücktrittgesuch Pieschls an. Am 21. Oktober 2009 verabschiedete sich der Limburger nach 32 Jahren aus der Deutschen Bischofskonferenz.

VON DIETER FLUCK

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