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Gähnende Leere herrschte gestern Nachmittag auch auf der Baustelle für das neue Postverteilerzentrum am Kreisel auf der Offheimer Höhe.

Sibirische Kälte

„Schlecht Wetter“ am Bau: Die meisten Baustellen in Limburg-Weilburg ruhen

Die Gewerkschaft hat gestern angesichts der sibirischen Kälte an 3130 Bauarbeiter im Landkreis appelliert, sich warm anzuziehen. Dabei können es sich die meisten derzeit in der warmen Stube gemütlich machen: Die Firmen haben die Arbeiten fast überall eingestellt.

Limburg-Weilburg - „Schlecht Wetter“ war früher im Winter am Bau die Regel, in den vergangenen Jahren die Ausnahme. Bei zweistelligen Minustemperaturen wie in diesen Tagen geht im Freien trotz voller Auftragsbücher kaum was.

„Die meisten Baustellen im Kreis Limburg-Weilburg ruhen“, berichtete gestern Stefan Hopmann, Vorstandsmitglied der Limburger Albert Weil AG, auf Anfrage dieser Zeitung. Die Ausnahme beim mit über 400 Mitarbeitern größten heimischen Bauunternehmen bilden Einsätze im schweren Erdbau und bei der Abraumbeseitigung. Dort arbeiten Fahrer in beheizten Lkw und Baggern.

Bauarbeiter haben bei der aktuellen Wetterlage einen frostigen Job

Wenn es nicht mehr ganz so eisig ist, müssen die meisten der insgesamt 3130 Bauarbeiter im Landkreis Limburg-Weilburg freilich wieder raus. Dann haben sie einen frostigen Job, wie die Industriegewerkschaft (IG) Bau gestern mitteilte. Sie rät Maurern, Dachdeckern & Co., sich „warm anzuziehen“ und den Arbeitsschutz im Winter ernst zu nehmen.

„Dunkelheit auf der Baustelle, rutschiger Gerüstbelag, Schneetreiben auf dem Dach – in der kalten Jahreszeit steigt die Unfallgefahr“, sagt Karl-Heinz Michel. Der Bezirksvorsitzende der IG Bau Wiesbaden-Limburg geht wegen der aktuell hohen Auftragslage auf dem Bau von einem erhöhten Risiko aus. „Wer unter Termindruck arbeitet, bei dem kommt der Arbeitsschutz oft zu kurz. Aber das kann fatale Folgen haben“, warnt Michel. Viele Firmen bauten im Winter durch, um ihre Projekte zu stemmen. Der Mangel an Fachkräften verschärfe das Problem.

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Für Gewerkschafter Michel steht fest: „Wer bei niedrigen Temperaturen auf Gerüste klettert und dabei auch noch Stahlträger schleppt, muss gut gegen Kälte, Schnee und Eis geschützt werden. Arbeitsschutz ist kein Geschenk der Arbeitgeber. Jeder Bauarbeiter hat ein Recht darauf, dass seine Gesundheit nicht aufs Spiel gesetzt wird.“

Die richtige Kleidung für Arbeiten auf dem Bau bei dem aktuellen Wetter

Die IG Bau Wiesbaden-Limburg rät insbesondere zu warmer und wasserabweisender Kleidung. Jacke und Hose sollten aus atmungsaktiver Mikrofaser sein, empfiehlt Michel. Für ausreichend Wärme sorge Wäsche aus Fleece-Material.

„Ein Muss sind auch Sicherheitsschuhe mit gutem Profil, Thermo-Handschuhe und eine Wintermütze unterm Helm“, so der Gewerkschafter. Besonders wichtig sei zudem eine „warme Bau-Bude“. Die Beschäftigten müssten geschützte Räume haben, in denen sie sich zwischendurch mit heißem Kaffee, Tee oder Brühe aufwärmen könnten.

Für Stefan Hopmann alles Selbstverständlichkeiten. „Das Wohl unserer Mitarbeiter steht für uns an oberster Stelle. Im Rahmen von internen Veranstaltungen und Berichterstattungen gehen wir regelmäßig auf das Thema Arbeitssicherheit ein. Wir möchten unsere Mitarbeiter dazu bestmöglich schulen beziehungsweise auf die verschiedenen Arbeitssituationen vorbereiten.“

Der Arbeitskatalog beinhalte bei Weil unter anderem Jacken und Hosen aus atmungsaktiver Mikrofaser, Winterhandschuhe, Fleece-Jacken sowie -Pullover und Winterarbeitsschuhe. Bau-Buden stünden natürlich zur Verfügung.

Detaillierte Infos für den richtigen Arbeitsschutz im Winter finden Beschäftigte und Arbeitgeber bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) im Internet. 

Bau-Boom in Hessen hält auch 2019 weiter an

Die IG Bau geht davon aus, dass der Bau-Boom in Hessen auch in diesem Jahr anhält. 2018 verzeichnete der Wohnungsbau erneut kräftige Umsätze und setzte damit den Trend aus den Vorjahren fort. 2017 wurden in Hessen insgesamt rund 23 000 Wohnungen fertiggestellt, so das Statistische Bundesamt. Das sind 46 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

(hei,pm)

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