Viel los war beim Hessentag vor 16 Jahren in Weilburg.
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Viel los war beim Hessentag vor 16 Jahren in Weilburg.

Magistrat von Stadtverordneten beauftragt

Hessentag: Stadt Limburg muss nun prüfen

Diskussion im Stadtparlament. FDP wollte noch weitreichendere Entscheidung. SPD und Grüne bleiben skeptisch.

Limburg -Mit großer Mehrheit hat das Limburger Stadtparlament Montagabend im Eschhöfer Bürgerhaus einem Prüfantrag der CDU bei nur zwei Gegenstimmen der fraktionslosen Sigrid Schmüser und Heiko Gapp zugestimmt, den Magistrat prüfen zu lassen, ob die Durchführung eines Hessentags in der Domstadt möglich ist. Das heißt aber trotz der Unterstützungszusage einer Limburger Bewerbung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor der Bürgermeisterwahl gegenüber CDU-Kandidat Stefan Laux noch lange nicht, dass der Hessentag auch in Limburg durchgeführt wird.

Paul-Josef Hagen (SPD) wie Grünen-Fraktionschef Dr. Sebastian Schaub zeigten sich in ihren Reden nämlich eher skeptisch. Die drei FDP-Vertreter enthielten sich der Stimme. Die Liberalen sind nicht gegen den Hessentag, sondern wollten jetzt schon einen Schritt weiter gehen. Die FDP hatte vorher vergeblich den Ersetzungsantrag gestellt, die Stadtverordnetenversammlung möge sich grundsätzlich dafür aussprechen, dass sich die Stadt Limburg für den Hessentag bewirbt.

Im von den Stadtverordneten gefassten Beschluss steht nun aber nur, dass der Magistrat in der zweiten Jahreshälfte 2021 im Haupt- und Finanzausschuss erste Vorüberlegungen aufzeigen und Vertreter des Landes zu einem ersten Austausch einladen soll. Dabei sollen zunächst die grundsätzlich notwendigen infrastrukturellen und logistischen Voraussetzungen in einem Kriterienkatalog betrachtet werden. Es soll zudem eine Gegenüberstellung von möglichem finanziellen Zuschuss des Landes mit dem notwendigen eigenen finanziellen Engagement der Stadt Limburg vorgelegt werden. Die Ortsbeiräte sollen in die Planungen miteinbezogen werden.

Christopher Dietz schrieb in seiner Antragsbegründung: "Der seit 1961 ausgetragene Hessentag gilt als eines der traditionsreichsten, schönsten und größten Landesfeste in Deutschland." In den Frühsommern kämen üblicherweise Hunderttausende Menschen in den Gastgeberstädten zusammen, um dort die vielfältigen Programmpunkte wie Ausstellungen, Ausführungen, Konzerte und Umzüge anzusehen. Der bislang letzte reguläre Hessentag in Bad Hersfeld vor der Pandemie habe im Juni 2019 nahezu 900 000 Menschen angelockt.

Ein "starkes und

optimistisches Signal"

Wie der CDU-Fraktionsvorsitzende berichtet, habe die Stadt im Nachgang festgehalten, dass ein "fröhliches und überaus friedliches Fest" gefeiert worden sei. Dabei hätten die Gäste nicht nur die Stadt und umgebende Region kennengelernt, der Kur- und Festspielstadt einen großen Imagegewinn beschwert, sondern auch für erhebliche Einnahmen in zahlreichen Branchen gesorgt. Dietz abschließend: "Wiewohl zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch keine konkreten Aussagen über den Termin, den Umfang oder gar die Inhalte eines ,Hessentag Limburg' getroffen werden können, soll von der Annahme dieses Beschlusses schon jetzt ein starkes und optimistisches Signal ausgehen; dass wir den Startschuss geben wollen, ein solches Großereignis erstmals in unsere Heimat, nach Limburg, zu holen."

Warum die CDU den weitergehenden FDP-Antrag ablehnte? Dietz sagte: "Bevor sich das Stadtparlament für den Hessentag ausspricht, sind noch einige Hausaufgaben zu erledigen." Er fügte hinzu, dass Limburger Vereine und Initiativen stark vom Hessentag profitieren sollten. Die Stadt dürfe sich nicht mit Megakonzepten finanziell überfordern lassen.

SPD-Mann Hagen erinnerte daran, dass die Idee, einen Hessentag nach Limburg zu holen, nicht neu sei. In den 1980er-Jahren sei die Initiative zwei Mal von der SPD gekommen, 2009 dann von der FDP. Jedes Mal seien entsprechende Anträge mehrheitlich abgelehnt worden. Hagen verwies darauf, dass hohe Verluste drohten. Teilweise hätten Veranstalterstädte über fünf Millionen Euro draufgelegt. Er kritisierte auch den beim Hessentag immer weiterwachsenden Gigantismus, bei dem große Künstler wie Bon Jovi oder Helene Fischer die Hand aufgehalten hätten.

Hagen warnte auch vor dem Verkehrsaufkommen. Im Schnitt würden während der zehn Tage des Hessentags täglich 100 000 Menschen nach Limburg kommen. Was der SPD-Vertreter auch ansprach, ist der hohe Aufwand zur Erstellung von Sicherheitskonzepten. Hagen würde es schade finden, wenn Limburg vom Weg der Schuldenreduzierung unter den Bürgermeistern Martin Richard (CDU) und Dr. Marius Hahn (SPD) abkommen würde. Er erklärte, nur wenn die Gegenleistung für den Hessentag die Südumgehung sei, könne er sich damit anfreunden.

FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer meinte, man könne fast denken, Paul-Josef Hagen habe Angst davor, dass wieder Menschen die Limburger Innenstadt belebten. Ob man sich für den Hessentag bewerbe, sei eine politische Entscheidung und die FDP sehe mehr Chancen als Risiken. Schardt-Sauer hat die Befürchtung, dass der CDU-Antrag dazu führe, dass wieder Jahre über den Hessentag geredet werde, ohne dass man weiterkomme.

Sigrid Schmüser (Linke) ist gegen den Hessentag und meinte: "Der bringt nur Schulden." Die Altstadt und der Dom würden jede Woche genug Menschen anziehen, so dass man diese Eigenwerbung nicht brauche. Grünen-Sprecher Schaub sieht die Diskussion "mit großer Skepsis". Limburg habe die nächsten Jahre viele wichtige Themen zu lösen. Da helfe ein weiteres Projekt nicht weiter.

Weilburg: Mehr Besucher und

iele Investitionen in die Infrastruktur

Der parteilose Hans-Peter Schick war im Jahr 2000 Bürgermeister, als die Stadt Weilburg die Zusage für den Hessentag bekam, und 2005, als er dort ausgerichtet wurde. Der Ex-Verwaltungschef erklärt auf Nachfrage: "Ich würde es immer wieder tun. Für uns war das eine sehr lohnende Geschichte." Dies gelte auch, obwohl die Stadt am Ende bei der Sache rund 2,1 Millionen Euro aus eigener Tasche draufgelegt habe, berichtet Schick. Auf der anderen Seite habe die Stadt aber auch 20 Millionen Euro an Zuschüssen erhalten, mit denen viele wichtige Infrastrukturprojekte wie die Neugestaltung des Marktplatzes und der Hainallee hätten umgesetzt werden können. Die damalige Hessentagshalle werde heute noch von Weilburger Schülern und Vereinen rege genutzt.

Vieles an Infrastrukturprojekten wäre nach Aussagen Schicks ohne den Hessentag in Weilburg nie umsetzbar gewesen. Und von daher ist er heute noch der Meinung, dass es damals die einzig richtige Entscheidung gewesen sei, sich für den Hessentag zu entscheiden. Der ehemalige Bürgermeister führt auch an, dass die städtische Geschäftswelt und Gastronomie über zehn Jahre erheblich profitiert habe. Die Besucherzahlen in Weilburg seien nicht erst im Hessentagsjahr 2005 gestiegen, sondern schon nach der Zusage fünf Jahre vorher. Auch die Jahre danach d seien noch deutlich mehr Gäste nach Weilburg als in durchschnittlichen Jahren vorher gekommen. Schick ist aber auch so ehrlich zu sagen, dass dieser Effekt fünf Jahre nach dem Landesfest langsam wieder nachgelassen habe.

Und war es für eine deutlich kleinere Stadt als Limburg wirklich Gigantismus, bekannte Künstler zu holen? Schick findet es heute noch bereichernd, dass damals Peter Maffay, Die Toten Hosen, Die Söhne Mannheims, Duran Duran. Silbermond und viele mehr in die Region kamen. Es dürften ja nicht nur die Kosten der Veranstaltungen gesehen werden. "Auf der anderen Seite haben wir ja auch eine Menge Tickets dafür verkauft", erklärt der ehemalige Weilburger Bürgermeister.

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