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Der Kiosk am Dom und die öffentliche Toilette hinter dem Kiosk sollen saniert werden. Umstritten ist, ob an dieser Stelle ein kleines Zentrum für Dom-Besucher eingebunden werden soll.

Besucherzentrum umstritten

Hickhack um Limburger Domplateau

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Das Domplateau soll schöner werden. Über den vorderen Bereich am Dom - Friedhof, Grünfläche, Parkplatz - herrscht inzwischen Einmütigkeit, über den hinteren Teil - Kiosk, öffentliche Toiletten - noch nicht. Umstritten ist die Einbindung eines Besucherzentrums für Touristen, die den Dom besichtigen wollen.

Eigentlich sollte der Platz vor dem Dom ein friedlicher Ort sein. Doch es ist ein Ort, der immer wieder für Konflikte in der Stadt sorgt. Nicht nur im Großen, wie beim umstrittenen Bau des Bischofshauses, das so unfassbar teuer wurde, dass ein Bischof darüber stürzte. Nein, auch im Kleinen hakt es, wie die geplante Aufwertung des Domplateaus zeigt. Die ist für sich genommen nicht umstritten, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Derzeit wird darüber diskutiert, den Kiosk zu sanieren und die öffentlichen Toiletten neu zu bauen; das ist so weit unstrittig. Umstritten ist dagegen, ob in diesem Bereich auch ein Besucherzentrum geschaffen werden soll für Touristen, die dort auf eine Domführung eingestimmt werden. An den Kosten für Kiosk, Toiletten und Besucherzentrum in Höhe von 250 000 Euro will sich nach Angaben des Magistrats das Bistum Limburg in Höhe von 40 bis 50 Prozent beteiligen. Dazu kommen Planungskosten in Höhe von rund 45 000 Euro; ob sich das Bistum auch daran beteiligt, steht noch nicht fest.

Der Ortsbeirat Innenstadt ist dagegen, am Kiosk ein Besucherzentrum anzubinden. Der Magistrat solle das Bistum bitten, solch ein Besucherzentrum im Haus der Bischöfe oder im Diözesanmuseum unterzubringen, lautet ein Beschluss, der mit sechs Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung sehr deutlich ausfiel.

Toiletten im Schloss?

Interessant: Ausgerechnet die beiden Vertreter an der Spitze, Ortsvorsteherin Sigi Wolf (CDU) und ihr Stellvertreter Jochem Holzhäuser (SPD), stimmten gegen diesen Beschluss und damit für ein Besucherzentrum am Kiosk.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Domplateau, der SPD-Stadtverordnete Paul-Josef Hagen, zeigte sich gestern auf Anfrage dieser Zeitung überrascht von der ablehnenden Haltung des Ortsbeirats. Denn in diesem Arbeitskreis sind alle Fraktionen vertreten, auch der Ortsbeirat. Und laut Hagen ist im Arbeitskreis einmütig ein gemeinsames Ensemble mit Besucherzentrum, Kiosk und neuen Toiletten für gut befunden worden.

Die Begeisterung für diese Empfehlung hält sich im Ausschuss allerdings in argen Grenzen: Die Mitglieder beschlossen in ihrer Sitzung am Mittwochabend, das Thema weiter zu beraten. Angesichts der kritischen Fragen und teils neuen Vorschläge stellt sich jedoch unweigerlich die Frage: Welche Rolle spielt ein Arbeitskreis unter Beteiligung aller Fraktionen und des Ortsbeirats, wenn am Ende die Diskussion offenbar wieder bei null anfängt? Und was ist dann der Unterschied zu einer Vorlage des Magistrats, den die Verwaltung erarbeitet hat? Die Antwort lautet: Offenbar gibt es keinen Unterschied.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christopher Dietz stimmte der ablehnenden Haltung des Ortsbeirats zu und beantragte einen weiteren Beratungsgang. Die FDP-Fraktionschefin Marion Schardt-Sauer schlug vor, die städtische Fläche mit dem Kiosk und den öffentlichen Toiletten, die schon seit Jahren in einem stark verbesserungswürdigen Zustand sind, in Erbpacht zu vergeben. Und der Stadtverordnete Dr. Sebastian Schaub (Grüne) brachte die Idee auf, die öffentlichen Toiletten im Schloss unterzubringen, weil der Weg dorthin viel kürzer sei als zum Kiosk.

Bistum beteiligt sich

Vor dem Jahr 2020 werde ohnehin nichts passieren, machte Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) deutlich, weil die von der Verwaltung ermittelte Investition erst in den Haushalt eingestellt werden müsse, was frühestens Ende 2019 passiere.

Der Vorschlag der FDP, über eine Erbpacht nachzudenken, stieß allerdings auf große Skepsis. Der Bürgermeister warnte davor, neben der Stadt und dem Bistum einen dritten „Player“ ins Boot zu holen. Auch der CDU-Stadtverordnete Dominique Huth hält dort Erbpacht für keine gute Lösung.

SPD-Fraktionschef Peter Rompf zeigte sich überrascht von der ablehnenden Haltung des Ortsbeirats und betonte, die Einbindung eines Besucherzentrums, das gerade einmal 37 Quadratmeter groß werden soll, sei doch auf Wunsch der Stadt entstanden. Die Stadt sei auf das Bistum zugegangen und habe gefragt, ob das vorstellbar sei.

Im Übrigen wolle sich das Bistum doch an den Kosten beteiligen. Rompf wollte vom städtischen Denkmalpfleger Markus Saal deshalb wissen, um wie viel günstiger ein saniertes Kiosk und neue Toiletten ohne Besucherzentrum wären. Er gehe von um 40 Prozent geringeren Kosten aus, antwortete Saal.

Schon der erste Abschnitt der Verschönerung des Domplateaus, der in der ersten Jahreshälfte 2019 umgesetzt wird, lief alles andere als reibungslos: Zunächst waren sich alle politischen Gremien sehr einig. Dann gab es eine Bürgerversammlung, in der sich ganze drei Bürger beklagten, es würden zu viele Bäume weggenommen. Also tagte der Ortsbeirat, der eigentlich schon zugestimmt hatte, erneut. Der Teufel steckt im Detail. Und das Domplateau steckt voller Details.

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