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Historische Hinweise auf die Heimat

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Von: Stefan Dickmann

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Das historische Hinweisschild an der Wendelinus-Kapelle ist gerade angebracht worden. Darüber freuen sich (von links) Bernd Rompel, Bernhard Rompel, Winfried Breser, Jürgen Fachinger, Michael Jung, Günther Friedrich und Seppel Friedrich.
Das historische Hinweisschild an der Wendelinus-Kapelle ist gerade angebracht worden. Darüber freuen sich (von links) Bernd Rompel, Bernhard Rompel, Winfried Breser, Jürgen Fachinger, Michael Jung, Günther Friedrich und Seppel Friedrich. © Stefan Dickmann

Eine Serie zum 1250-jährigen Bestehen von Limburgs größtem Stadtteil

Lindenholzhausen -Hängt es gerade? Prüfende Männerblicke. Einige Herren machen eine leichte Linkslastigkeit aus. Die einen finden das nicht so schlimm, den anderen lässt es einfach keine Ruhe. Am Ende setzt sich die deutsche Gründlichkeit durch.

Seit vergangenem Freitag hängt auch an der Wendelinus-Kapelle in Lindenholzhausen ein extra für das Jubiläum "1250 Jahre Lindenholzhausen" entworfenes Schild aus Glas und Edelstahl, das mit einem historischen Foto, dem Jubiläums-Logo und dem Hinweis "Heimat seit 772" darüber aufklärt, was diese Kapelle an der Frankfurter Straße so besonders macht, an der jeden Tag Tausende Autofahrer auf der B 8 in Richtung Limburg oder in Richtung Bad Camberg vorbeifahren.

Es gibt, so wie an der Kapelle, insgesamt 16 Hinweistafeln an historischen Gebäuden in Lindenholzhausen, erklärt Bernd Rompel. Die DIN A3 großen Tafeln hängen unter anderem an der Alten Pfarrkirche, am Bischofshaus, am Gasthaus Simonis "Zur Goldenen Krone", an der Lindenmühle und an der alten Friedhofkapelle (Rübsanger Kirche).

Schutz vor Seuchen und anderen Gefahren

1631 errichtet und dem heiligen Wendelinus geweiht, lag die Kapelle zunächst am Ortsrand und sollte die Bewohner und das Nutzvieh vor Seuchen und anderen Gefahren schützen. So steht es nun auf der Tafel. Kein Wunder, denn als die Kapelle errichtet wurde, wütete schon seit 13 Jahren einer der schlimmsten Kriege in Europa, den auch die Lindenholzhäuser erdulden mussten, der erst 1648 enden sollte und als Dreißigjähriger Krieg in die Geschichtsbücher einging. Der als Missionar bekannt gewordene Wendelinus gilt als Schutzheiliger der Bauern, Hirten und der Landbevölkerung.

Dass diese historischen Hinweisschilder aus Glas mit einer auf der Rückseite angebrachten und besonders geschützten Folie mit dem Text nun genau so aussehen, wie ursprünglich erhofft, war jedoch ein langer Prozess, berichtet Michael Jung an diesem regnerischen Freitag vor der Kapelle, vor der sich mehrere Männer versammelt haben, die zum Erfolg dieser Aktion mit beigetragen haben, besondere Gebäude und Personen ihres Heimatorts mit den Tafeln zu würdigen.

Um diese anzubringen, werden vier Löcher - dank einer Bohrschablone mit kleiner Wasserwaage - gleich mit den richtigen Abständen ins Mauerwerk gebohrt, aber da je nach Beschaffenheit des Gesteins Dübel nicht immer halten, werden die Löcher mit Leim gefüllt und die angebrachten Abstandshülsen aus Edelstahl in die Löcher geschoben.

Bernhard Rompel hat dafür die Bohrschablone entworfen. Er kümmert sich um den berühmten Brunnen, den Sauerborn, und weiß, dass es Außerirdische wirklich gibt - als von ihm aus Metall lebensgroß entworfene Figuren, die eindrucksvoll auf seinem Hof stehen und jedem Science-Fiction-Film zur Ehre gereichen würden.

Hollesser Mundartnamen

Die Aktion mit den historischen Tafeln planten und setzten um der Ortsgeschichte-Ausschuss unter der Leitung des Verschönerungsvereins Lindenholzhausen. Die Idee für diese Schilder stammt von Winfried Breser. Die Texte stimmte er zusammen mit Dr. Christopher Dietz, dem CDU-Fraktionschef in Limburg, und den übrigen Mitgliedern im Ausschuss ab. Für die grafische Umsetzung der Schilder sorgten Michael Jung und Bernd Rompel mit Hilfe einer Firma in Rennerod.

Neben den 16 historischen gibt es auch 108 kleinere Tafeln mit Hollesser Mundartnamen, wie Bernd Rompel weiter mitteilt, den Namen von Familien (in der Regel aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts), wie sie früher (und teils heute noch) im Dorf genannt wurden. So werden Passanten bis zur Jubiläumsfeier an diesen Häusern unter anderem über die "Rumpels" (Familie Johann Georg Rompel, 1909-1967), die "Schwoarze" (Familie Josef Schwarz, 1901-1990), nicht zu verwechseln mit die "Schworze" (Familie Willi Schwarz, 1898-1979) oder die "Heckisch" informiert. "Heckisch" ist der Mundartname der Familie Josef Hecker; deren Haus gehört inzwischen Michael Jung. "Mit diesen Tafeln sollen Brauchtum und Tradition für nachfolgende Generationen sichtbar bleiben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten", sagt er.

Für die Häuser im alten Ortskern - also in der Wendelinusstraße, der Kirchfelderstraße bis zur Kreuzung Antoniusstraße, der Kirchstraße, der Stiegelstraße bis zur Kreuzung Fahnenstraße, der Fallbornstraße bis zur Kreuzung Im Kleinfeld, der Engstraße, der Sackstraße und der Rupertstraße - waren die Schilder dank gesicherter Finanzierung kostenfrei, wenn die Eigentümer ein solches Schild haben wollten. Da es aber auch Anfragen von Bürgern außerhalb des Ortskerns gab, die an ihren Häusern Schilder mit Mundartnamen von Familien, die dort einst gewohnt haben, anbringen wollten, wurde zwar angeboten, diese zu besorgen, aber sie müssen selbst bezahlt werden.

Wie Bernd Rompel weiter erklärt, kosteten die historischen Schilder und die mit den Mundartnamen im Ortskern inklusive Befestigungsmaterial 6500 Euro. Diese Summe sei zum Großteil mit Fördergeldern des Hessischen Kulturministeriums (3000 Euro) und über zwei Spenden der Firmen Wolfram Uhe sowie Stillger & Stahl finanziert worden. Der Rest stamme aus der Spendenkasse für die 1250-Jahr-Feier unter Führung des Verschönerungsvereins. Die finanzielle Abwicklung lief über dessen Vorsitzenden Jürgen Fachinger. Stefan Dickmann

Weitere Informationen

Alle Neuigkeiten zum Jubiläum in Lindenholzhausen stehen auf https://lindenholzhausen1250.de

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