Limburger Tierheim

Hitze macht Tieren extrem zu schaffen - Kapazität am Limit

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Die Sommer- und Ferienzeit stellt Mensch und Tier vor besondere Herausforderungen. Das ist auch im Tierheim so: Die Vierbeiner leiden derzeit besonders stark unter der Hitze, und die Einrichtung „platzt aus allen Nähten“.

35 Grad im Schatten sind auch vielen Hunden und Katzen zu viel. Deshalb heißt es auch im Tierheim: Maßnahmen müssen her, welche die Hitze erträglicher machen. Dazu haben sich die Mitarbeiter samt Tierheim-Leitung Adelheid Noble einiges einfallen lassen. Für die Hunde in den Zwingern gibt es seit wenigen Tagen kleine Pools, in denen sie sich abkühlen können. Flauschige Decken als Unterlagen wurden gegen Kühlmatten ausgetauscht und eine der ersten Handlungen am Morgen ist es, die Sonnenschirme und Sonnensegel aufzuspannen.

Die Spaziergänge werden auf die frühen, noch kühlen Morgenstunden und den späten Abend verschoben, berichtet die ehrenamtliche Helferin Elfi Weisbrod. Dann ist auch der Asphalt nicht mehr so heiß für die armen Hundepfoten. Zudem sei es wichtig, den ganzen Tag über zu kontrollieren, dass die Tiere ausreichend Wasser haben und trinken. Früh morgens schon durchlüften, ergänzt die Katzenhaus-Leitung Jennifer Reitz die Liste an Tätigkeiten, die im Sommer neben dem Tagesgeschäft wichtig sind. Sie warnt davor, die Katzen mit einem Ventilator kühlen zu wollen. Das könne die Tiere krank machen.

Unter der Hitze leiden beinahe alle Tiere: Hunde, Katzen, Meerschweinchen und Co. Auch Kimba, eine Herdenschutzhündin, die erst seit kurzem im Tierheim ist und auf ein neues Zuhause wartet. Träge und müde liegt sie im Zwinger, mag nicht richtig fressen und hofft, dass die Hitze bald vorbei ist. So geht es auch Herdenschutzhund Tuman, der schon seit März den ersten Zwinger am Eingang des Tierheims bewohnt. Zu den Strapazen der Hitze gesellt sich bei den Tieren auch emotionaler Stress und tiefe Trauer. Auch wenn die Mitarbeiter alles dafür tun, dass sich die Tiere wohlfühlen, so haben sie doch meist eine Vergangenheit, die schmerzt.

„Sie können nicht verstehen warum sie hier sind“, sagt Jennifer Reitz vom Katzenhaus. Sie seien verwirrt, fragen sich, was sie falsch gemacht haben und trauern, schildert sie die traurigen Schicksale. Sie pflege gerade eine Siamkatze, die zu Hause früher als „Prinzessin“ immer im Mittelpunkt stand, als Einzelkatze verwöhnt und ausgiebig gestreichelt wurde. Nun ist sie zusammen mit zig anderen Katzen in der Quarantänestation auf kleinstem Raum. Das muss das arme Tier erst mal verarbeiten. Auch im Nachbarzimmer ist die Trauer groß: Die beiden roten Kater verstehen die Welt nicht mehr. Sie sind im Tierheim gelandet, da ihr Frauchen ins Pflegeheim und diese schweren Herzens abgeben musste. Jahrelang wurden sie verwöhnt, und von einem Tag auf den anderen ist alles anders. Für solche Fälle wünscht sich Reitz Pflegefamilien für die Tiere, die sich intensiv um die Vierbeiner kümmern bis sie vermittelt sind.

Gründe, warum die Tiere im Tierheim landen, gibt es viele: Krankheit, familiäre Veränderungen, finanzielle Nöte oder auch Überforderung oder Verantwortungslosigkeit. Immer aber gibt es ein gebrochenes Tierherz. Davon gibt es im Sommer ganz besonders viele: „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Leiterin Adelheid Noble. Auch die externen Pflegestellen sind ausgelastet. „Das Katzenhaus ist randvoll“, weiß auch Reitz. Bei den Katzen sei es oft so, dass die Neuankömmlinge tragend seien und so nicht ein Tier, sondern gleich mehrere auf einen Schlag hinzukommen. Weitere Abgaben sind bereits angekündigt, so dürfte sich die Lage zunächst nicht entspannen.

Dass Tiere in den Sommerferien in der Box direkt vor die Tür des Tierheims gestellt werden, sei keine Seltenheit, aber in diesem Jahr zum Glück noch nicht vorgekommen, sagt die Katzenhaus-Leiterin. An anderen Stellen ausgesetzte Tiere seien aber auch unter den aktuellen Katzen im Tierheim. Glücklicherweise seien in diesem Jahr bislang weniger Tiere ausgesetzt worden als in den Vorjahren, berichtet Noble. Das könne sich aber noch ändern. Zum Beispiel, wenn die Tiere erst mit einer zeitlichen Verzögerung im Heim untergebracht werden, da sie zunächst frei umherirrten.

Wer das Tierheim unterstützen will, kann dies neben Geldspenden oder mit einem Pflegeplatz für Tiere auch mit Sachspenden tun. Aktuell werden Sonnenschirme und Sonnensegel gesucht. Dank der Bevölkerung, den ehrenamtlichen Helfern und den Spendern gehe es dem Tierheim aktuell gut, bilanziert Adelheid Noble. Neben dem Wohl der Tiere im Heim liegen ihr und ihrem Team auch die Tiere außerhalb der Einrichtung am Herzen. Wildtiere und Insekten etwa litten sehr unter der Hitze.

Eine große Hilfe sei es, den Tieren im Garten Wasser zur Verfügung zu stellen. Am besten an einem schattigen Ort und versehen mit einem Stock, damit kleinere Tiere nicht darin ertrinken können. Ganz wichtig, das könne nicht oft genug gesagt werden, sei es, Tiere bei sommerlichen Temperaturen niemals, auch nicht mit geöffneten Fenster, im Auto zurückzulassen. Die Temperaturen dort werden schon nach wenigen Minuten lebensbedrohlich für die Tiere.

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