Der über die Ufer getretene Elbbach lässt es so erscheinen, als schwimme das Hadamarer Schloss. Diesem ist durch das Hochwasser aber nichts passiert, einzig der Keller des Krippenmuseums stand unter Wasser.
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Der über die Ufer getretene Elbbach lässt es so erscheinen, als schwimme das Hadamarer Schloss im Kreis Limburg-Weilburg. Diesem ist durch das Hochwasser aber nichts passiert, einzig der Keller des Krippenmuseums stand unter Wasser.

Überschwemmungen

Hochwasser: Land unter an den Bächen nördlich von Limburg

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  • Anken Bohnhorst-Vollmer
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Schneeschmelze und Regen sorgen für Überschwemmungen. Die Feuerwehren im Kreis Limburg-Weilburg fahren mehr als 100 Einsätze. Der Pegel der Lahn steigt noch.

Limburg – Die mit den hohen Temperaturen verbundene Schneeschmelze und anhaltender Regen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben im Nassauer Land für Hochwasser gesorgt. "Das Hauptaugenmerk liegt bei den Gemeinden am Elbbach", so Kreisbrandinspektor Georg Hauch. Gegen Freitagabend (29.01.2021) hatte er insgesamt 104 Einsätze im Landkreis Limburg-Weilburg gezählt - die meisten in Waldbrunn (30), Dornburg (16) und Hadamar (15). Es folgten Mengerskirchen (9) und Elbtal (7). 71 davon waren vollgelaufene Keller.

Hochwasser im Kreis Limburg-Weilburg: Feuerwehren sind im Dauereinsatz

Schlimm hat es die Ortsteile von Waldbrunn am Kerkerbach und Lasterbach erwischt. Los ging es mit einem ersten Anruf bei der Feuerwehr um 23.30 Uhr. Ein Keller in Hausen war vollgelaufen. Ab 3 Uhr waren die Feuerwehrleute dann permanent gefordert. Die Einsätze sollten bis in die späten Nachmittagsstunden dauern - und ganz ist die Hochwassergefahr in der Region auch noch nicht gebannt. An der Lahn werden die Höchststände erst für das Wochenende erwartet.

Schon nachts mussten die Einsatzkräfte im Neubaugebiet in Lahr mit einem Bagger einen Notgraben ziehen, damit die Wassermassen abfließen konnten. Da weitere Alarmierungen dazu kamen, wurde eine Technische Einsatzleitung gegründet, die zum Teil 20 Einsätze zeitgleich koordinierte. Eingebunden wurden die Mitarbeiter des Bauhofs, die in ihrer Halle 2000 Sandsäcke füllten und nach einem Aufruf von Bürgermeister Peter Blum (parteilos) von freiwilligen Helferinnen und Helfer unterstützt wurden.

Am schlimmsten traf es zunächst Lahr, wo nicht nur der Kindergarten und die Unterkirche unter Wasser standen. Nach Informationen von Schorsch Schäfer soll es auch einen Kurzschluss in einer Trafostation in der Nähe der Kirche gegeben haben. Dieser hatte einen stundenlangen Stromausfall zur Folge, der später durch die Syna-Mitarbeiter behoben wurde. In Lahr brachte sich ein Bauunternehmer mit einem Bagger ein, der den Kerkerbach frei baggerte.

Hochwasser im Kreis Limburg-Weilburg: Mehrzweckhalle in Gefahr

Am frühen Morgen spitzte sich dann die Situation an der Mehrzweckhalle in Hausen zu. In der Ortsmitte floss der Lasterbach als wilder Strom. Das Ufer wurde labil, so dass auch die Mehrzweckhalle gefährdet war. Daher musste, wie auch bei einer Straßenüberquerung in Lahr, die drohte unterspült zu werden, ein Sachverständiger angefordert werden.

Voll gelaufene Keller hatten auch die Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Dornburg und Elbtal den ganzen Morgen abzuarbeiten. Die Mitarbeiter des Elbtaler Bauhof mussten am Mühlbach in Elbgrund die Schutzroste von Ästen und Laub befreien, da sich dort das Wasser staute und so auf die Straßen und Keller gelang.

Immense Probleme durch Hochwasser in Elz

Elbbachabwärts in Elz sorgte das Hochwasser Freitagfrüh ebenfalls für immense Probleme. Schon vor Tagesanbruch war der Elbbachsteg teilweise überflutet, mit einem enormen Tempo liefen anschließend die Wiesen am Fleckenberg zu. Baumstämme, Zweige und Abfall trieben im Eiltempo den Bach hinab. Das Wasser stieg erstmals seit Jahren nicht nur in die Halle der Neumühle, sondern in alle Wohnbereiche.

Bei prasselndem Regen und Dunkelheit wurden morgens um 4 Uhr mit den Räumarbeiten begonnen, Elektrozäune abgebaut und alles an Möbeln und Maschinen hochgestellt, was möglich war. Leider half das nicht viel: Selbst die Schafe, die mitten in der Nacht reingetrieben wurden, bekamen im Stall patschnasse Füße. So schlimm war es dort seit Jahren nicht mehr.

Hadamarer sind Hochwasser gewohnt

"Hochwasser sind wir in Hadamar gewohnt", sagt Hans-Georg Kaiser, Leiter des Städtischen Bauamts. Die Feuerwehren und Mitarbeiter des Bauhofs leisteten "hervorragende Arbeit", betont er. Bereits seit Donnerstagabend seien die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft gewesen. Der Schaden durch Regenwasser und Schneeschmelze war somit begrenzt: Dem Schloss, das am Freitagmorgen im Elbbach zu schwimmen schien, sei nichts passiert. Allerdings lief der Keller des Krippenmuseums voll und musste leergepumpt werden. Für ein wenig Aufregung sorgte auch der Weyersbach am geplanten Penny-Neubau. Dort hätten Kinder einen Staudamm an der Bachanlage gebaut, der für eine kurzzeitige Überschwemmung sorgte. Die Konstruktion sei daraufhin weggebaggert und die Kanalgitter gereinigt worden, so dass das Wasser ungehindert ablaufen konnte, berichtet Kaiser.

Wie Georg Hauch berichtete, war auch die Oberlahn-Region betroffen. Auf der B 456 musste die Feuerwehr umgestürzte Bäume beseitigen und in Weilmünster drangen Wassermassen in ein Lebensmittelgeschäft ein, wo Laub den Abfluss auf dem Dach verstopft hatte. Auch an der Weil in Weilmünster stieg das Wasser und trat im Ortskern über die Ufer. Der Höchststand dort wurde für Freitag gegen 18 Uhr erwartet.

Entspannter sah es an der Aar aus. Dort hätten die Feuerwehren der Verbandsgemeinde (VG) Aar-Einrich die Pegelstände stetig im Auge, sagt Johannes Mack, stellvertretender Wehrleiter der Feuerwehren der VG Aar-Einrich. "Unterstützt werden sie durch ein Hochwassermeldedienst des Landes Rheinland-Pfalz", fügt er hinzu. Am Freitag um 14 Uhr betrug der aktuelle Pegelstand 1,43 Meter an der Messstation in Zollhaus. Zum Vergleich: Im Januar 2003 lag er dort deutlich höher bei 2,20 Meter.

Pegel an der Lahn steigen bis Sonntag: Meldestufe II soll nicht erreicht werden

Der Pegel an der Lahn in Limburg und Diez ist bis zum Freitag deutlich gestiegen und steigt auch weiter - aber nach den Prognosen für Diez wird die Meldestufe II und damit ein "größeres Hochwasser" an diesem Wochenende noch nicht erreicht, weil der Pegel im Laufe des Sonntags wieder fallen soll - selbst dann, wenn es weitere Niederschläge geben sollte.

Meldestufe II bedeutet "flächenhafte Überflutung ufernaher Grundstücke", "leichte Verkehrsbehinderungen auf Gemeinde- und Hauptverkehrsstraßen", "Gefährdung einzelner Gebäude" und "Überflutung von Kellern".

Ist Meldestufe I erreicht, bedeutet das "stellenweise kleine Ausuferungen". Von Meldestufe III an kann es dramatisch werden, denn das bedeutet "außergewöhnliches Hochwasser": Dann sind "bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet", und es kommt zur "Sperrung von überörtlichen Verkehrsverbindungen", das heißt, Autofahrer müssen mitunter größere Umwege in Kauf nehmen.

Bauhof Limburg trifft Vorkehrungen gegen Hochwasser

An der Messstelle in Diez fängt Meldestufe I bei einem Pegel von 4,50 Meter an. Meldestufe II wird bei einem Pegel von 5,50 Meter erreicht; laut Prognose für dieses Wochenende soll bei etwas mehr als fünf Meter Schluss sein. Meldestufe III beginnt erst bei 5,75 Meter.

Der Wasserstand in der Limburger Schleuse erreichte am Freitag um 10 Uhr einen Pegel von 3,25 Meter, das ist nach Angaben der Stadt zwei Meter mehr als noch am Vortag, als der Pegelstand bei 1,25 Meter lag.

Der Bauhof der Stadt Limburg hat bereits Vorkehrungen gegen das Hochwasser getroffen. Die Spundwände in der Löhrgasse und in der Erbach wurden geschlossen, die Altstadt ist damit nach Angaben der Stadt gegen Hochwasser gesichert. Der Abteilungsleiter des Bauhofs, Michael Menier, erklärte, tiefliegende Wege für Fußgänger und Radfahrer an der Lahn seien gesperrt worden, zum Beispiel die Unterführung unter der Kreisstraße zwischen Aull und Staffel. Auch Lahnuferwege in Dietkirchen und zwischen Limburg und Eschhofen seien von der Sperrung betroffen.

Limburger Bauhof in Hochwasser-Bereitschaft – Straßensperrungen möglich

Die Mitarbeiter des Limburger Bauhofs sind an diesem Wochenende in Bereitschaft, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen gegen das Hochwasser zu treffen, allerdings ist bis zur nächsten Stufe, dazu ist ein Pegelstand in der Schleuse von rund fünf Metern notwendig, noch etwas Luft. Tritt dieser Fall an, müssen die ersten Straßen gesperrt werden. Davon betroffen wären dann die Verbindung zwischen Staffel und Limburg sowie die Straße von Dehrn nach Eschhofen. (Anken Bohnhorst-Vollmer, Stefan Dickmann, Klaus-Dieter-Häring)

Das Hochwasser in Hessen sorgt vielerorts für vollgelaufene Keller, die Feuerwehren waren über Stunden im Einsatz. An manchen Orten öffnen die Baumärkte für Reparaturarbeiten. 

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