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Traditionsgemäß ist die Replik des Walsdorfer Kreuzes im Limburger Dom derzeit verhüllt.

Ostern

Der Höhepunkt im Kirchenjahr

Die Heilige Woche hat mit dem Palmsonntag längst begonnen, ab heute folgt ihr Höhepunkt: Das sogenannte Triduum Sacrum – die heiligen drei Tage. Die katholischen Liturgiefeiern an Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag sind nicht nur für den Limburger Domküster die außergewöhnlichsten im ganzen Kirchenjahr.

„Schauen Sie mal: Sie haben vergessen, das Weihwasserbecken aufzufüllen“ – schon mehrmals wurde Bruder Elmar Moosbrugger in den vergangenen Jahren von Besuchern angesprochen, die an Karfreitag oder Karsamstag in den Limburger Dom kamen und sich mit gesegnetem Wasser bekreuzigen wollten. Seit vier Jahren ist Moosbrugger hier Küster und wäre für den scheinbaren Missstand der richtige Ansprechpartner.

Doch an diesen Tagen bleibt im Dom wie in allen katholischen Kirchen ganz bewusst nicht nur das Weihwasserbecken leer: Der gesamte Kirchenraum ist schmucklos und schlicht. Keine Altartücher, keine Blumen, keine Kerzen. Die Orgel schweigt genauso wie sämtliche Kirchenglocken, die der Legende nach während dieser Zeit in Rom weilen und noch nicht einmal zur vollen Stunde schlagen. Selbst das Ewige Licht ist erloschen. Das alles ist Ausdruck der Trauer und des Gedenkens an den Kreuzestod Jesu Christi.

Zuvor findet am Gründonnerstag die Messe vom letzten Abendmahl statt. Bis zum Gloria darf die Orgel noch einmal alles geben, anschließend müssen die Gläubigen alleine ihren Gesang anstimmen. Für den Domküster ist neben dem Ritual der Fußwaschung an diesem Abend eine Besonderheit, dass allen Gläubigen die Kommunion in beiden Gestalten gereicht wird: Deshalb muss er nicht nur einen guten Schluck, sondern bis zu anderthalb Liter Wein in mehreren Kelchen bereithalten. Wichtig ist, dass Moosbrugger bei der Anzahl der Gründonnerstags-Hostien bereits den nächsten Tag berücksichtigt, da in der Karfreitagsliturgie keine Eucharistiefeier, sondern lediglich eine Kommunionausteilung mit den sogenannten „vorgeheiligten“ Gaben stattfindet. „Wenn im Dom am Ende des Gottesdienstes in einer schlichten Prozession das Allerheiligste zur Sakramentskapelle gebracht wird, ist der Stimmungswechsel deutlich spürbar: Jetzt erwarten wir das Leiden und den Tod unseres Herrn“, sagt Bruder Elmar Moosbrugger, der anschließend den Dom noch mindestens bis Mitternacht zur stillen Anbetung geöffnet lässt.

Zu Beginn der Liturgiefeier am Karfreitag werfen sich um 15 Uhr – der Todesstunde Jesu – alle zelebrierenden Priester im Altarraum vollständig auf den Boden, während die Gläubigen knien. Moosbrugger: „Bei diesem

Zeichen äußerster Demut

und Hingabe ist es im ganzen Dom immer mucksmäuschenstill.“

Nach dem Vortragen der Passionsgeschichte können alle Gläubigen nach vorne treten und das Kreuz verehren. Im Dom wird hierfür die kostbare Kreuzreliquie verwendet, die sich regulär im Diözesanmuseum befindet.

Am Karsamstag ist der Domküster auch für das Osterfeuer zuständig, das auf dem Domplatz entfacht wird. Hier wird um 21 Uhr die neue Osterkerze entzündet, deren Licht in den stockdunklen Dom getragen wird – eine Herausforderung, wenn es windig ist. Deshalb hat Moosbrugger zur Sicherheit eine kleine Laterne zur Hand, an der er die Osterkerze neu entzünden kann. „Ich bin jedes Jahr erneut beeindruckt, wie eine einzige Flamme Helligkeit in unseren großen Dom bringen kann“, ist Moosbrugger fasziniert. „Wenn dann das Licht an die Gläubigen weitergegeben wird und das Gotteshaus zur herrlichen Melodie des Exsultets (Osterlob) von hunderten Kerzen hell erleuchtet ist, läuft es mir gleichzeitig warm und kalt den Rücken herunter.“

Nach mehreren Lesungen aus dem Alten Testament lässt der Domküster die Glocken läuten. Die Orgel setzt brausend ein und stimmt das Gloria an. Spätestens jetzt ist die Freude der Osterbotschaft bei allen angekommen: Christus ist auferstanden! Bei der folgenden Tauferneuerungsfeier werden die Gläubigen mit Taufwasser besprengt. Und dann muss Bruder Elmar Moosbrugger tatsächlich auch die Weihwasserbecken wieder auffüllen.

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