Thomas Langer, Firmenchef Nicolas Begeré und Matthias Wolf (von links) vom Holzzentrum Birlenbach in Limburg beklagen die rasante Preisentwicklung auf dem Holzmarkt.
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Thomas Langer, Firmenchef Nicolas Begeré und Matthias Wolf (von links) vom Holzzentrum Birlenbach in Limburg beklagen die rasante Preisentwicklung auf dem Holzmarkt.

Katastrophale Lage

Betriebe und Forstwirtschaft besorgt - Holzpreise steigen unaufhaltsam

  • VonBernd Lormann
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Betriebe in Limburg und Umgebung sowie die kommunale Forstwirtschaft sind in großer Sorge. Der Rohstoff Holz wird knapp. Der Markt ist leergefegt. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Limburg - Die Lage auf dem Holzmarkt ist katastrophal. Das gilt nicht nur für den deutschen und europäischen Markt. Auch in der Region wird die aktuelle Situation von Sägewerken und Zimmerern, dem Holzhandel sowie der kommunalen Holzvermarktung gleich oder ähnlich eingeschätzt.

Das Holzzentrum Birlenbach in der Industriestraße in Limburg berichtet, für einige Bereiche liegen die Preise schon über 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Peter Reichwein vom Sägewerk Reichwein in Elz sagt: „Allein in den letzten fünf Wochen stiegen die Preise um 50 Prozent.“ Karl Rübsam, der Geschäftsführer der kommunalen Holzvermarktung Taunus-Westerwald GmbH in Weilmünster beklagt: „Der heimische Markt für Schnittholz ist leer gefegt.“

Limburg: Auf dem Holzmarkt herrscht Panik

Die Preisrallye um den Rohstoff Holz begann schon im Vorjahr und erreichte im Frühjahr 2021 ihren bisherigen Höhepunkt. Der Kubikmeter Holz verteuerte sich im Wochentakt um rund 100 Euro, berichten Fachleute. Die FAZ schrieb am 10. April: „Auf dem Holzmarkt herrscht Panik.“ Was auch die heimischen Holzverarbeiter oder Vermarkter bestätigen; chinesische und amerikanische Käufer seien auf dem deutschen Markt unterwegs und bezahlten Spitzenpreise.

Das Wort Panik sei schon für gewisse Bereiche zutreffend, vor allem für die Sägewerke, meint Karl Rübsam, zuständig für den Holzmarkt Westerwald-Taunus GmbH. Diese Gesellschaft verkauft das Holz der kommunalen Waldbesitzer wie Hünfelden, Weilmünster, Weilburg, Bad Camberg, Villmar, Runkel, Waldbrunn, Beselich, Elz, Limburg, Elbtal und Leun.

In den heimischen Wäldern sei Fichtenholz kaum noch vorhanden. Rund 80 Prozent der Fichten seien infolge der Trockenheit der beiden vergangenen Jahre anfällig für Schädlingsbefall gewesen. In der Forstwirtschaft im Landkreis Limburg-Weilburg gehe es aktuell vor allem um Schadensbeseitigung und um neue Aufforstung. Hier sei keine Monokultur gefragt, sondern es gehe ums Splitten. Bei neuen Anpflanzungen stünden Douglasien, Libanon-Zeder oder Buche aus Südeuropa im Vordergrund.

Wälder in der Region Limburg: Großer Schaden durch Borkenkäfer

Peter Reichwein aus Elz sieht ebenfalls im Schädlingsbefall, vor allem durch Borkenkäfer, den größten Schaden im Fichtenholz. Für die Sägewerke sei der Preis schon in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr kostendeckend gewesen. Peter Reichwein meint, von rund 21 Millionen Kubikmetern im Jahr in Deutschland produziertem Schnittholz gingen neun Millionen Kubikmeter ins Ausland. Selbst die Paletten-Industrie liege am Boden, ist der Zimmermeister besorgt. Was das heimische Unternehmen in Elz betreffe, so habe er in seinem Großlager noch Reserven, weil ausreichend vorbestellt wurde. Aber die Preisentwicklung sei besorgniserregend. Rund 50 Prozent Steigerung innerhalb von fünf Wochen, so Reichwein.

Nicolas Begeré, in der vierten Generation der Geschäftsführer der 1909 in Diez von Karl Birlenbach gegründeten und seit 1972 in der Industriestraße in Limburg ansässigen Holzgroßhandlung Birlenbach, ist der Meinung, die USA und auch China, wo die Wirtschaft boome, kauften so gut wie alles auf. Hinzu komme seit einigen Wochen eine Container-Knappheit, nicht zuletzt durch die vier- bis sechswöchige Verzögerung nach der Blockade im Suez-Kanal in Folge eines havarierten Frachtschiffes. Nicola Begeré spricht von zehnfach höheren Container-Mieten.

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In unmittelbarer Nachbarschaft der Firma Birlenbach, am Limburger Güterbahnhof, lagern tonnenweise Stämme von Fichtenholz. Nicolas Begeré meint, dieses Holz sei für das europäische Ausland bestimmt. Karl Rübsam von der Holzvermarktungsgesellschaft in Weilmünster nennt konkretere Ziele. Diese Bahnverladungen gehen zumeist nach Österreich.

Limburger Händler berichten von Lieferproblemen

Matthias Wolf und Thomas Langer, leitende Mitarbeiter in der Holzhandlung Birlenbach, sprechen auch andere Knappheiten an. Lieferprobleme gäbe es selbst für Kleinteile wie Leime, Silikon-Kartuschen oder Zusätze zum Mischen von Farben. Was das Holz für den Bau betreffe, so bestünden Lieferzeiten bis zu drei Monaten. Die Kostenentwicklung sei weiterhin unklar, wobei die aktuell zu zahlenden Preise schon rund 100 Prozent über denen des Vorjahrs lägen. Dies sei alles existenzgefährdend für die Handwerksbetriebe und auch für Bauherren, die schon oft den Holzrohbau nicht mehr bezahlen könnten. Das alles habe Auswirkungen auf die langfristige Finanzierung. Der Traum vom Eigenheim sei nicht mehr kalkulierbar.

Die Firma Birlenbach mit rund 45 Beschäftigten hat relativ gut gefüllte Auftragsbücher, musste noch keine Kurzarbeit anmelden, kann aber aufgrund der Corona-Beschränkungen und der miserablen Lage auf dem Holzmarkt nicht expandieren. Als Großhandelsbetrieb sind derzeit nur Handwerksfirmen oder Händler und keine Privatkunden zugelassen, es sei denn, es handele sich in dieser Corona-Zeit um Bedarf aus dem Gartencenter.

Holzzentren in Limburg: Click & Meet ist möglich

Telefonische Voranmeldung, Online-Geschäfte und Click&Meet sind im Holzzentrum Birlenbach möglich. Die Nachfrage sei in der Corona-Krise stetig gewachsen, sagen Matthias Wolf und Thomas Langer. Die Kunden hätten mehr Geld zur Verfügung, auch mehr Zeit für Eigenarbeit, aber die Lieferzeiten seien das Problem. Das stoße bei den meisten Kunden auf Unverständnis.

Marco Eufinger, Bauleiter bei Weton-Hausbau in Limburg-Staffel, kann die negativen Kommentare zur Lage auf dem Holzmarkt nur bestätigen. Der Markt sei wie leergefegt, Holz gebe es nur zu überhöhten Preisen, selbst Dachlatten seien so gut wie nicht verfügbar. Auch für andere Materialien bestünde ein überhitzter Markt.

Der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU), dessen Gemeindewald auch von Holzmarkt-Westerwald-Taunus GmbH vermarktet wird, erwartet für den Elzer Wald finanziell vorläufig keine positiven Ergebnisse. Elz habe mehr Mischwald und weniger Fichte und sei deshalb noch mit einem "blauen Auge" davongekommen. Es habe aber mehr Schadstellen gegeben, so dass eine höhere Fällung erforderlich war. Künftig müsse der Wald zunehmend den Wert als Erholungsgebiet gewinnen und es dürfe nicht mehr an Bäumen gefällt werden, als nachwachse. (Bernd Lormann)

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