Der 51-jährige Leiter der Friedrich-Dessauer-Schule, Stefan Laux, will am kommenden Sonntag zum Bürgermeister von Limburg gewählt werden.
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Der 51-jährige Leiter der Friedrich-Dessauer-Schule, Stefan Laux, will am kommenden Sonntag zum Bürgermeister von Limburg gewählt werden.

Bürgermeister-Stichwahl in Limburg

"Ich habe eine grüne Linie, über die ich nicht gehe"

  • Stefan Dickmann
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Kandidat Stefan Laux (CDU) spricht über seine politische Agenda, Kommunikation und eine Entschuldigung.

Limburg -Endspurt im Bürgermeisterwahlkampf in Limburg: Am Mittwoch bekam der von der CDU unterstützte Kandidat Stefan Laux Schützenhilfe vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), der Limburg besuchte und mit Laux und weiteren Parteifreunden sprach. Wofür Laux als Bürgermeister stehen will, sollte er sich am kommenden Sonntag gegen Amtsinhaber Dr. Marius Hahn (SPD) durchsetzen, wie er den Wahlkampf wahrgenommen hat und für was er sich entschuldigt hat, darüber sprach er mit NNP-Redakteur Stefan Dickmann.

Sie haben während Ihres Wahlkampfs immer wieder betont, wie nah Ihnen in manchen Fragen die Grünen politisch sind. Sind Sie enttäuscht, dass ausgerechnet die Grünen keine Wahlempfehlung für Sie ausgesprochen haben?

Natürlich hätte ich mir ein anderes Votum gewünscht, aber ich bin nicht enttäuscht. Ich hatte mit Vertretern der CDU ein konstruktives Gespräch mit den Grünen und sehe uns erst am Anfang eines guten Weges.

Trotzdem: Das Misstrauen bei den Grünen ist seit dem von der CDU herbeigeführten Ende der schwarz-grünen Kooperation in der zurückliegenden Wahlperiode groß . . .

Ich weiß, dass auf beiden Seiten ein Vertrauensverlust entstanden ist. Aber ich sehe die große Bereitschaft von beiden Seiten, aufeinander zuzugehen. Es geht jetzt darum, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Differenzen zu beseitigen. Seit dem ersten Tag meiner Kandidatur vor rund einem Jahr habe ich mich auch zu grünen Themen positioniert. Ich habe eine grüne Linie, über die ich nicht gehe.

Was für eine "grüne Linie" ist das?

Das ist mein klares Bekenntnis zu Grünflächen in der Stadt, zur Natur und zu Ökologie. Dazu zählt beispielsweise auch der Erhalt der Platanen auf dem Neumarkt. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir schnellstmöglich eine Verkehrswende brauchen; es geht um die konkrete Umsetzung mit vielen kleinen Schritten. Denn es wird keine Umgehungsstraße in naher Zukunft geben, der Schwerlastverkehr auf der Schiede wird bleiben. Wir müssen also den ÖPNV sehr viel attraktiver gestalten und die Radwege-Infrastruktur in Limburg deutlich verbessern - da reichen ein paar aufgepinselte Striche auf dem Asphalt nicht aus. Ich befürworte die grüne Idee eines Bodenkatasters, das auch Auskunft über die Bodenqualität gibt, damit solche wertvollen Flächen nicht bebaut werden. Ein Leerstandskataster ist zudem wichtig, um potenzielle Flächen für die Schaffung neuen Wohnraums, aber auch neuen Gewerbes zu erkennen. Es geht um einen transparenten Kriterienkatalog, um ein gutes Verhältnis zwischen Bodenerhalt und Gewerbesteuereinnahmen.

Eigene Ideen haben, ist das eine, sie umzusetzen mit einer Verwaltung, die manches anders sieht, das andere. Haben Sie keine Angst vor einem "Realitätsschock"?

Ich war in meiner Funktion als Schulleiter während der Pandemie Teil einer Taskforce im Innenministerium in Wiesbaden und habe dort sehr starre Verwaltungsstrukturen erlebt. Insofern habe ich Lehrgeld bezahlt. Aber das ist ein besonderes Beispiel, in einer Stadt wie Limburg reden wir über andere Verwaltungseinheiten. Als Schulleiter weiß ich, wie wichtig Kommunikation ist. Es geht darum, seine Mitarbeiter mitzunehmen und für neue Ideen zu begeistern, damit alle für die gleiche Sache brennen. Ich stehe für eine klare Ansage, die sehr verbindlich gilt.

Der Amtsinhaber wirbt vor der Stichwahl mit dem Slogan "Keine Experimente". Wären Sie ein "Experiment" als Bürgermeister?

Nein, ich bin kein "Experiment". Es geht darum, Mut zu haben. Der Bürgermeister steht für "keine Entscheidung" und die Fortsetzung der großen Koalition. Ich habe meine Zweifel, ob dieser Weg der richtige ist für die Zeit nach der Pandemie. Der Bürgermeister hat in sechs Jahren viele Probleme nicht gelöst. Nehmen Sie den Neumarkt: Die Vorschläge, die er jetzt macht, hätten wir doch schon längst haben können! Und wenn es um den Platanenschnitt auf dem Neumarkt geht, sage ich ganz klar: Der Turnus wird auf jeden Fall verlängert. Ich weiß zwar noch nicht, in welchen Abständen, aber im Sommer sollten die Platanen schon Schatten spenden dürfen.

Was würden Sie in Ihren ersten 100 Tagen als Bürgermeister machen?

Ich werde als Bürgermeister alles dafür tun, um die Innenstadt wiederzubeleben und mich sofort mit allen Entscheidern aus Handel, Gastronomie und der Hotelbranche, die besonders unter der Pandemie leiden, an einen Tisch setzen, um sofort umsetzbare Lösungen zu finden. Warum handhaben wir zum Beispiel die Außenbewirtschaftung nicht etwas lockerer, statt mit dem Zollstock Zentimeter auszumessen? Wir müssen die Plätze öffnen für kleine Musikgruppen oder Feuerspucker. Und ich werde Gespräche führen mit Menschen, denen ich viel verzeihen muss.

Was müssen Sie verzeihen?

Wahlkampf in allen Ehren, aber was ich mir in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil anhören musste, war schon heftig. Da wurde ich als "Rechtspopulist" beschimpft, als "Schaumschläger" oder "Plagiator" bezeichnet. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass es gar nicht um einzelne Themen, um die Sache ging, sondern nur darum, "den Laux zu verhindern". Da wurden Flugblätter verteilt, in denen mir Aussagen unterstellt wurden, wie Armut würde mich "ankotzen". Das ist natürlich totaler Unfug, und das ging entschieden zu weit.

Müssen Sie auch jemand um Verzeihung bitten?

Das habe ich bereits getan. Ich habe in der ersten Ausgabe der "Limburger Perspektiven" - eine Zeitung, in der ich meine Ideen vorstelle -, bei einem Thema einen falschen Eindruck vermittelt. Das tut mir sehr leid und dafür habe ich mich entschuldigt. Es ging um eine Überschrift über einem Foto, auf dem ich breitbeinig in der Unterführung im Tal Josaphat stehe und auf einen Obdachlosen in einem Schlafsack schaue. Über dem Foto steht, dass ich mich für "Sicherheit und Sauberkeit" einsetze. Ich bin nun mal groß und stehe immer so breitbeinig. In dieser Situation ist leider der falsche Eindruck entstanden, Obdachlosigkeit sei für mich das Gegenteil von "Sauberkeit". Aber darum ging es mir überhaupt nicht. Ich habe drei Tage später das Gespräch mit der Caritas gesucht und aufrichtig um Entschuldigung gebeten. Wenn der betroffene Obdachlose empört gewesen wäre, hätte ich dafür vollstes Verständnis, aber die harschen Reaktionen im Internet waren für mich zum Teil geheuchelte Betroffenheit.

Sie hätten das mit dem Foto doch ändern können . . .

Ich habe das erst gesehen, nachdem die Ausgabe gedruckt war. So war es mit dem verantwortlichen Journalisten vereinbart, der von mir für diese Zeitung beauftragt worden war. Ein Check der Fakten vorher, ja, den hat es gegeben, aber kein Einfluss auf die Gestaltung der Zeitung. Auch da musste ich dazu lernen.

Wahlkampf im Internet über die sozialen Medien ist heute schon Standard. Macht Ihnen diese Entwicklung Sorgen?

Ein zivilisierter Umgang im Internet ist schon längst ein wichtiges Thema in der Schule. Was in den sozialen Medien passiert, ist eine Geißel der Menschheit. Das ist grauenhaft. Früher hat man eine Nacht darüber geschlafen, wenn man sich geärgert hat, und hat dann einen Brief oder Mail geschrieben. Heute erfolgt im Internet eine unmittelbare Reaktion, mit der man nicht immer einverstanden sein darf, wenn man eine Nacht drüber geschlafen hat. In der Politik sollte der Grundsatz gelten, dass man bei allem Streit in der Sache, am Ende noch ein Bier zusammen trinken kann. Ich ignoriere "Hater" im Internet komplett. Alles andere kostet nur Lebenszeit und Energie.

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