Andreas Hoffmann (links) und Matthias Heinz von Omni Cult erklären die Abläufe im Versuchsfeld in Heringen.
+
Andreas Hoffmann (links) und Matthias Heinz von Omni Cult erklären die Abläufe im Versuchsfeld in Heringen.

Als Start-up begonnen

Aus Limburg in die Welt: Wie ein Agrarunternehmen „Hard Rock“ unter Kanadas Landwirte bringt

  • VonPetra Hackert
    schließen

Das Unternehmen Omni Cult aus Limburg ist als Start-up gestartet. Mittlerweile werden ihre Produkte auch außerhalb Deutschlands nachgefragt. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Limburg-Weilburg - Matthias Heinz führt gerade sehr viele Ackerrandgespräche. Immer dann, wenn er an seinem Feld in Hünfelden-Heringen zugange ist. Das sieht etwas anders aus als die anderen. Dort wächst Weizen. Mancher ist zurzeit dunkelgrün, anderer etwas heller, an einigen Stellen wächst Unkraut durch. 2,5 Hektar Fläche sind unterteilt. Quaderförmige Parzellen bieten dem Weizen Nahrung, der auf jeweils unterschiedliche Weise bearbeitet wird.

Es ist ein Versuchsfeld. Der Weizen ist immer der gleiche, doch das, was man damit tut, nicht. Ganz vorne am Wegesrand steht ein Schild und erläutert die Arbeitsweise von Omni Cult. Das ist die Firma, für die Matthias Heinz tätig ist. Sein Feld in Heringen hat der Burgschwalbacher auch deshalb gerne für die Tests zur Verfügung gestellt, weil es ihn interessiert und er schon Landwirt war, bevor der damit begonnen hatte, als Versuchsleiter für das Limburger Unternehmen zu arbeiten.

Omni Cult aus Limburg: Mit „Hard Rock“ Pflanzen Kraft geben

Omni Cult Farm Concept ist aus einem Start-up hervorgegangen. Hartmut Schmidt und Marc Fischer haben es 2014 gegründet. Der Sitz ist Limburg. Der erfahrene Geschäftsmann aus Bochum und der Mensfeldener mit dem starken Interesse, in der Landwirtschaft etwas zu bewegen, hatten sich gesucht und gefunden. "Wir entwickeln Problemlösungen für Landwirte und sehen uns als Ackerbauberater, die speziell für die Betriebe Produkte anbieten können", sagt Matthias Heinz. Sein Marketing-Kollege Andreas Hoffmann ergänzt: Das Team, mit anfangs drei Leuten gestartet, arbeitet jetzt 20-köpfig. "Aber wir wollen nicht unbeschränkt wachsen." Das sei nicht das Ziel, selbst wenn ein Teil der Kundschaft mittlerweile in Kanada sitzt. Dort haben sich Landwirte für "Hard Rock" interessiert, ein Produkt, das die häufig genutzten Wachstumsregler auf natürliche Weise ersetzt.

Für Nicht-Landwirte erklärt Matthias Heinz: Getreide, wie zum Beispiel sein Weizen, soll nicht zu weit in die Höhe schießen. Hohe Halme bergen die Gefahr, dass sie "ins Lager gehen". Das heißt: vor der Ernte umfallen. Wachstumsregler werden üblicherweise eingesetzt, um das zu unterbinden. "Hard Rock" hingegen soll die Stabilität der Pflanze so erhöhen, dass der Einsatz der Wachstumsregler vermindert werden kann oder sogar ganz entfällt.

Der Vorteil: Es ist zulässig im EG-Bio-Anbau und verbessert die Vermarktungschancen des so bewirtschafteten Getreides. Die Idee stammt noch aus dem Gründungsjahr der Firma 2014. Dieses Jahr hat Omni Cult es zum Patent angemeldet.

Nachhaltiger Ansatz bei Omni Cult aus Limburg – Die Produkte selbst entwickelt

In Kanada sei "Hard Rock" sehr gefragt, aber auch in Deutschland und dem europäischen Ausland - wobei der Fokus ganz klar auf Deutschland liege. Das Besondere: Das Limburger Unternehmen hat dieses Produkt selbst entwickelt, ebenso wie die anderen, die es vertreibt und die heimische Landwirte ebenfalls nutzen. Ein weiteres Beispiel: Um möglichst wenig Chemie einzusetzen, arbeitet Omni Cult mit Mikroorganismen. "Ziel ist, dass möglichst wenig Nitrat ins Grundwasser kommt, also weniger gedüngt werden muss", sagt Matthias Heinz. Die sogenannten Drinterien sind in der Lage, Luftstickstoff umzuwandeln und so die Pflanze zu ernähren. "So ist es möglich, die Erträge zu steigern, ohne zusätzlichen Stickstoff zu düngen", sagt der Agraringenieur.

Auf seinen 2,5 Hektar in Heringen laufen gerade sechs Versuche. "Wir testen hier Produkte, die die Probleme von morgen lösen sollen", erklärt Heinz. Das Besondere ist die eigene Entwicklungstätigkeit des Unternehmens - auf Versuchsfeldern im heimischen Raum und darüber hinaus, dann auch in Kooperation mit weiteren Partnern. Doch die Ideen kommen aus Limburg - und der Region, denn Hinweise, Tipps und Fragen der hiesigen Landwirte werden aufgegriffen und fließen in die Neuentwicklungen mit ein. "Wir verkaufen kein Produkt, das wir nicht selbst getestet haben", sagt Matthias Heinz.

Aus Impulsen wachsen: Omni Cult aus Limburg entwickelt Produkte für die Landwirtschaft

Für den 32-Jährigen ist diese Arbeit im doppelten Sinne wichtig: Er möchte dazu beitragen, Landwirtschaft nachhaltiger zu betreiben. Und er sieht direkt auf seinen Feldern, wie das Ganze wirkt.

Viele, viele Feldrandgespräche hat er deshalb schon geführt – und eigentlich sollte es bald einen Tag der offenen Tür geben, um die Initiativen vorzustellen. Doch Corona hat dies bislang verhindert. Aber mit sinkenden Inzidenzen wird das vielleicht eines Tages wieder möglich sein. (Petra Hackert)

Das ist die Omni Cult Farm Concept GmbH:

Die Omni Cult Farm Concept GmbH wurde 2014 in Hünfelden gegründet mit Geschäftsführung und einer Mitarbeiterin. Geschäftsführung: Hartmut Schmidt (Anfang 60), Marc Fischer (Mitte 30). Der heutige Firmensitz ist Limburg, das Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 20 Mitarbeiter.

Geschäftsbereich: Eigene Produkt- und Patententwicklung mit firmeneigenen Versuchswesen, pflanzenbauliche Berater in ganz Deutschland, kleine Marketingabteilung, IHK-Ausbildungsbetrieb.

Ziel: Entwicklung nachhaltige Produkte für die landwirtschaftlichen Herausforderungen von heute und morgen. Primär: Klimaveränderung, Wegfall von chemischen Pflanzenschutzmitteln, immer strenger werdende gesetzliche Rahmenbedingungen im Bereich Düngung. "Die Gesundheit der Pflanzen und des Bodens stehen hierbei immer klar im Vordergrund", sagt Andreas Hoffmann.

Versuchspartner: Es gibt zahlreiche aus der Praxis (Landwirte), externe Partner (öffentliche und private Versuchsanstalten) sowie eigene Exaktversuche auf den Firmen-Versuchsfeldern.

Ausbildung: Oliver Geisler, ehemaliger Azubi, Abschlussjahr 2020, wurde IHK-Ausbildungs-Champion

Corona: Die Pandemie hat nach Auskunft der Firmenleitung die Art und Weise in der Kommunikation mit Kunden beschleunigend digitalisiert (viele vorab bestehende Ideen wurden zeitlich stark angetrieben).

Personaleinstellung für Spätsommer/Herbst 2021: zwei Fachberatungen im Außendienst (Bayern, Niedersachsen), eine Marketing-Mitarbeit in Sachen Agrar und eine Azubi-Stelle im Büromanagement.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare