1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Limburg

Imagina, eine Königin aus dem Limburger Schloss

Erstellt:

Kommentare

Heute kommt auch eine gräfliche Fremdenführerin wie Birgid Eisenbach nicht ohne moderne Medien aus. Sie hat ihre Informationen aus dem Mittelalter auf dem Tablet gespeichert. Im Schlosshof beginnt am Samstag die Führung der Imagina.
Heute kommt auch eine gräfliche Fremdenführerin wie Birgid Eisenbach nicht ohne moderne Medien aus. Sie hat ihre Informationen aus dem Mittelalter auf dem Tablet gespeichert. Im Schlosshof beginnt am Samstag die Führung der Imagina. © Dieter Fluck

Fremdenführerin Birgid Eisenbach lässt die Adelige aus ihrem Leben erzählen.

Limburg -Den wenigsten Menschen im Nassauer Land ist bekannt, dass aus Limburg eine Königin stammt. Ihr Name war Imagina. Sie war die Frau von König Adolf von Nassau und Mutter von acht Kindern, die am 29. September 1318 im Kloster Klarenthal bei Wiesbaden starb. 2022 ist es über 760 Jahre her, da Imagina im Schloss hinter dem Dom geboren wurde.

Die Limburger Fremdenführerin Birgid Eisenbach hat sich mit dem ereignisreichen Leben der Adeligen eingehend befasst, die als Tochter von Gerlach I. aus dem Hause Limburg und seiner Gemahlin Imagina von Blieskastel das Licht der Welt erblickte. Unser Mitarbeiter Dieter Fluck hat mit Imagina alias Birgid Eisenbach gesprochen und von ihr viele Interna erfahren.

„Jetzt, da ich alt bin und auf den Tod warte, steht mein vergangenes Leben vor mir. So viel hat sich in den vielen Jahren ereignet“, beginnt Birgid Eisenbach ihre biografische Erzählung und berichtet: „Für meinen Vater Gerlach war es wichtig, seine Stellung auszubauen und deshalb wurde meine Ehe schon früh angebahnt. Die Lage Limburgs an der Lahnfurt war für das Haus Nassau wichtig, pflegte die Familie doch auch weitere Besitzungen in Weilburg, Idstein und Wiesbaden und konnte dank meiner Ehe mit Adolf von Nassau ihren Einfluss deutlich erweitern.

Ich wuchs in der Burg zu Limburg auf. Mein Spielfeld war der Burghof, hinter der neuen Stifts- und Stadtkirche gelegen, die man 1235, also kurz zuvor, eingeweiht hatte. Als ich drei Jahre alt wurde, gab mich meine Mutter in die Obhut des Stiftsherren Herrod. Ich lernte schon früh das Lesen und Schreiben und Mutter zog mich zu hauswirtschaftlichen Hilfsdiensten heran. Als Vogt über das Stift Limburg sowie Brechen, Bergen, Netzbach und Niederzeuzheim hatte mein Vater mit Streitigkeiten zu tun, so dass er öfters zu Gericht saß.

Im Alter von fünf Jahren erzählte mir die Mutter von den Überlegungen, mich mit Adolf von Nassau zu verloben. Dessen Eltern Adelheid von Katzenelnbogen und Walram (II.) hatten dies gewollt. Im Rückblick kann ich sagen, es war gut so. Im Hinblick auf die angestrebte Verbindung wurde ich schon früh von den Eltern auf die Aufgaben der Ehefrau eines Grafen vorbereitet. Neben den hauswirtschaftlichen Dingen erlernte ich Reiten und durfte bei den Gesprächen und Gerichtssitzungen oft dabei sein.

Diese Kenntnisse kamen mir nach unserer Heirat um 1272 bei den vielen Reisen meines Mannes, den ich oft begleitete, sehr zustatten. Nur wenn ich schwanger war, blieb ich in unserer Burg Idstein oder auf der Burg Sonnenberg (bei Wiesbaden). Ich liebte meines Mannes Mut und Entschlossenheit, seine Kühnheit, die keine Furcht kannte. Er war von mittlerer Größe und sehr stark; denn er aß und trank sehr reichlich. Dabei war er aber von großer Behändigkeit und Gewandtheit. Dass er die Frauen gerne sah, trug ich ihm nicht nach. Ein fahrender Sänger vom Niederrhein sang sogar von ihm mit folgenden Worten: “...ein Ritter, der sein Schwert in Weibes Dienste oft zog.“

Ich liebte es, wenn er in Latein oder Französisch Freunde begrüßen konnte. Seine Eltern hatten ihm die besten Lehrer zur Unterweisung gegeben. Als 1291 König Rudolf von Habsburg verstarb, wählten die Kurfürsten 1292 mehrheitlich meinen Mann Adolf zum König. Unsere Krönung fand im Sommer 1292 in Aachen statt. Dafür ließ ich mir ein Majestätssiegel mit der Inschrift „Imagina regina Romanorum semper augusta“ fertigen.

Schutz fürs Klarissenkloster

Ich, Imagina, war dabei, als 1293 in der Burg zu Ortenberg im Kinzigtal mein Mann eine Urkunde ausstellte, die dem Kloster Gengenbach die Freiheit vor weltlichen Gerichten sicherte. Dies geschah auf meinen ausdrücklichen Wunsch. In Ortenberg verbrachten wir 1293 auch gemeinsam das Weihnachtsfest. Hier war ich sehr gerne und besiegelte am 5. Mai 1294 die einzige von mir ausgestellte Urkunde, die das Klarissenkloster in Pfullingen unter meinen persönlichen Schutz stellte.

Im September 1296 beurkundete mein Mann (der König) an zwei Tagen in Limburg. Ich war bei ihm. Wir lebten im Wohnturm. Um diese Zeit war es schon kühl in den dicken Mauern, aber das Feuer brannte im Kamin und brachte etwas Wärme in den Raum, den man als Schreibstube umgestaltet hatte. Ich nahm die Gelegenheit wahr, mich in der Stadt umzusehen. Es war immer noch ein schlimmer Anblick; denn sieben Jahre zuvor war die Stadt vollständig abgebrannt. Im gleichen Jahr war auch mein Vater verstorben. Er fiel in der Schlacht im Schwarzwald als Unterstützer des damaligen Königs Rudolf von Habsburg.

Da wurde mir die Vergänglichkeit der Welt sehr deutlich und mein Wunsch für mein Seelenheil etwas zu tun, sehr nachdrücklich. Aus diesem Grund war ich auch die treibende Kraft zur Gründung des Klosters Klarenthal bei Wiesbaden. Die Klarissen, deren Gemeinschaft als Barfüsser ich in Limburg schon kennen gelernt hatte, und die Klarissen in Pfullingen waren mir sehr ans Herz gewachsen. So gründeten mein Mann und ich 1298 das Kloster Klarenthal nur wenige Monate vor seinem Tod. König Adolf und ich selbst besiegelten diese Urkunde mit meinem Majestätssiegel in Wimpfen.

Bei den Kurfürsten des Reiches verlor Adolf immer mehr den Rückhalt und man wählte hinter seinem Rücken an seiner Stelle Albrecht von Habsburg. Daher kam es zum Kampf bei Göllheim, bei dem mein Mann am 2. Juli 1298 zu Tode kam. Er stürzte vom Pferd und - so erzählte man es mir später - nahm dabei seinen Helm ab, worauf die Grafen zu Zweibrücken, Leiningen und Veldenz auf ihn einschlugen. Albrecht von Habsburg, der Sieger diese Schlacht, ließ meinen Mann am 3. Juli 1298 im Zisterzienserkloster Rosenthal nach einer Messe beisetzen. Als Witwe blieb ich einige Zeit in den Burgen Weilburg und Idstein.

Einkünfte aus der Stadt Wetzlar

Als dann König Albrecht am 1. Mai 1308 ermordet wurde, hat mir sein Nachfolger König Heinrich von Luxemburg die jährliche Einkunft von 900 Pfund Heller aus den Abgaben der Reichsstadt Wetzlar zugestanden. Er veranlasste auch, dass der Leichnam meines Mannes von seinem Begräbnisort Rosenthal 1309 nach Speyer in den Dom überführt wurde. Ich selbst bevorzuge nun dauerhaft den Aufenthalt im Kloster. Klarenthal, in dem meine Tochter Adelheit Äbtissin ist. Erst Papst Benedikt XI. musste 1303 den Erzbischof von Mainz auffordern, endlich dieses Kloster zu weihen und 1313 hat mein Sohn Gerlach mit meiner Zustimmung dem Kloster etliche Einkünfte übertragen.

Acht Kinder, von den drei früh starben

Königin Imagina brachte acht Kinder zur Welt. Sohn Heinrich und Tochter Imagina waren die ersten und starben jung. Sohn Ruprecht VI. war Graf von Nassau, Tochter Mechthild mit Rudolf I., Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein, verheiratet. Gerlach I. war Graf von Nassau. Sohn Adolf starb im Alter von nur zwei Jahren, Tochter Adelheid übte das Amt einer Äbtissin von Klarenthal aus. Ihr Bruder Walram III. war Graf zu Nassau-Wiesbaden.

Imagina starb am 29. September 1318 im Kloster Klarenthal und wurde vermutlich vor dem Hochaltar beigesetzt. Vom Grabmal sind noch Zeichnungen erhalten, die eine Frau in Gebetshaltung zeigt, deren Haupt, ausgestattet mit einer Krone, auf einem Seidenkissen ruht. Ihre Grabplatte befand sich ab 1632 nicht mehr in der Klosterkirche, sondern im Kreuzgang des Klosters und wurde beim Brand der Kirche 1850 zerstört. Eine Gedenkplatte für Imagina befindet sich heute am Rand der ehemaligen Klosterkirche.

Dieter Fluck

Führung mit Birgid Eisenbach

Wer mehr über Königin Imagina erfahren möchte, kann sich für Samstag, 24. September, zu einer Führung mit Birgid Eisenbach anmelden. Treffpunkt und Beginn sind um 16 Uhr im Limburger Schlosshof. Dauer: 30 Minuten. Die Tour kostet sechs Euro, für Kinder drei Euro. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen nimmt der Verschönerungsverein unter (0 64 31)61 66, E-Mail: touristinfo@stadt.limburg.de entgegen.

Auch interessant

Kommentare