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Ein kleiner Pieks ? Kinder sollten nach den Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission) geimpft werden. Dazu rät Kinderärztin Dr. Doris Fischer. Foto: dpa

Forum Gesundheit

Impfen kann Leben retten

„Schutzimpfungen im Kindesalter“ war diesmal Thema beim „Forum Gesundheit“ in der Adolf-Reichwein-Schule. Dr. Doris Fischer, Chefärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg, gab einen Überblick über die wichtigsten Impfungen.

Dank der Entwicklung moderner Impfstoffe haben viele Krankheiten, insbesondere sogenannte Kinderkrankheiten, für uns heute ihren Schrecken verloren, allen voran Pocken, Tuberkulose (TBC), Tetanus, Diphterie Keuchhusten, Kinderlähmung, Mumps, Masern, Röteln… Die meisten dieser Erkrankungen kennen wir hierzulande nur aus Erzählungen von früher. Und doch warnt die WHO momentan vor der erneuten Ausbreitung, insbesondere von Masern.

Europaweit wurden im vergangenen Jahr 21000 Fälle von Masern registriert, 35 Menschen starben daran – obwohl es Impfstoff gibt. 927 Ansteckungen wurden in Deutschland erfasst. Der Grund: eine zurückgehende Impfquote. Da von einzelnen Erkrankten auch eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, wird immer mal wieder über die Wiedereinführung einer Impfpflicht diskutiert. Bis jetzt setzt man in Deutschland jedoch auf Aufklärung – und die Vernunft der Eltern. Über „Schutzimpfungen im Kindesalter“ sprach Dr. Doris Fischer, Chefärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg, beim „Forum Gesundheit“ in der Adolf-Reichwein-Schule. Annegret Bausch von der Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg begrüßte die Besucher und gab eine kurze Einführung. Das „Forum Gesundheit“ ist eine Vortragsreihe, die die Kreisvolkshochschule Limburg-Weilburg in Kooperation mit dem St. Vincenz Krankenhaus veranstaltet und die von der „Nassauischen Neuen Presse“ als Medienpartner begleitet wird. Zahlreiche Besucher nutzten wieder die Möglichkeit, direkt mit der Expertin ins Gespräch zu kommen.

In ihrem Vortrag gab Kinderärztin Dr. Doris Fischer einen Überblick über verschiedene Infektionskrankheiten wie Mumps, Röteln, Meningokokken, Masern, Humanes Papillomavirus und die Infektion mit Rotaviren. Eingehend erläuterte die Chefärztin Symptome, Diagnostik, eventuell zu befürchtende Komplikationen und Impfempfehlungen.

„Infektionen des Magen-Darm-Trakts sind weltweit die Hauptursache für kindliche Erkrankungen“, so die Kinder- und Jugendärztin. „Jedes Jahr sterben zwischen fünf und zehn Millionen Kinder daran. Haupterreger bei Kindern unter einem Jahr ist der Rotavirus, der infolge von Durchfall, Erbrechen und Fieber zu einer stationär behandlungsbedürftigen Störung des Wasser- und Elektrolythaushaltes führt. Von weltweit 111 Millionen Kindern unter fünf Jahren, die an einer durch Rotaviren verursachten Dehydration erkrankt sind, versterben jedes Jahr 500.000.“ Seit dem Jahr 2006 werde eine Impfung gegen Rotaviren in Deutschland empfohlen. Seitdem sei die Zahl der Erkrankungen hierzulande deutlich gesunken.

Ausführlich ging die Medizinerin auf die Infektion mit Masern ein – eine hochansteckende Erkrankung. Vor Einführung der Masernimpfung habe es in Deutschland 4 Millionen Erkrankte gegeben – und 400 bis 500 Tote! Jedes Jahr. Aufgrund von Komplikationen mussten jedes Jahr rund 48.000 Menschen stationär behandelt werden. Die bei Masern drohenden Komplikationen sind keineswegs harmlos, wie die Medizinerin versicherte.

Neben Lungenentzündung und Meningitis bestehe auch die Gefahr der Subakut Sklerosierenden Pancencephalitis (SSPE), eine schwere Entzündung von Gehirn und Rückenmark mit in der Regel tödlichem Verlauf. SSPE gilt als Langzeitfolge einer Masernerkrankung im Säuglingsalter, eine Heilung gibt es nicht. Durch die Einführung der Masernimpfung 1967 in der DDR und 1973 in der Bundesrepublik konnte die Zahl der Masernerkrankungen stark reduziert werden. Es gibt Länder, in denen sie als ausgerottet gelten, aber nicht in Deutschland. Dafür wäre eine Impfrate von über 95 Prozent nötig, die aber derzeit nicht erreicht wird. Die Medizinerin ging auch auf Impfkritik ein, insbesondere auf den Einwand, die Impfung könne Autismus auslösen – eine Kritik, die auf falschen Annahmen beruht und inzwischen mehrfach widerlegt wurde. „Es gibt aktuell keine nachweislichen Anhaltspunkte dafür“, so Fischer. Im Rahmen des Vortrags sprach die Kinderärztin auch das Thema der Mumps- und Masernpartys an. Dabei verwies sie auf den Fall eines Zweijährigen, über den die „FAZ“ im Juni 2013 berichtete. Das Kind war an den Folgen einer Maserninfektion verstorben, die es sich als Säugling beim Arztbesuch im Wartezimmer durch ein Kind zugezogen hatte, das bei einer solchen Masernparty infiziert worden war. (Bewusste Zusammenführung gesunder und erkrankter Kinder). Die Kinderärztin stellte klar: „Die ärztliche Empfehlung einer Masernparty ist grundsätzlich strafbar.“ Aufgrund der Impfstrategien der vergangenen Jahre konnten Pocken ausgerottet, Polio weit zurückgedrängt und Masern zumindest in Nord- und Südamerika eliminiert werden. Dort auftretende Einzelfälle seien zurückzuführen auf eingeschleppte Viren aus der EU. Ziel sei, Diphterie, Polio und Masern weltweit zu eliminieren. Überwacht werde die Infektionssituation in Deutschland vom Robert-Koch-Institut. Die dort ansässige Ständige Impfkommission gibt entsprechende Empfehlungen für Schutzimpfungen heraus. Die Überwachung der Impfstoffe obliegt dem Paul-Ehrlich-Institut Langen. Mit „Ausrottung“ der Pocken wurde die Impfpflicht 1983 in der Bundesrepublik abgeschafft. Seitdem entscheiden die Eltern selbst, ob und wogegen sie ihr Kind impfen lassen.

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