Die Elzer Allgemeinmedizinerin Ulrike Tondera ist zugleich Geschäftsführerin des heimischen Ärztenetzwerks Piano.
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Die Elzer Allgemeinmedizinerin Ulrike Tondera ist zugleich Geschäftsführerin des heimischen Ärztenetzwerks Piano.

Pandemie

Corona-Impfstart bei den Hausärzten: Noch viele Fragen sind offen

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  • Anken Bohnhorst-Vollmer
  • Tobias Ketter
  • Mariam Nasiripour

In den ersten Praxen rund um Limburg geht es am Mittwoch mit den Corona-Impfungen los. Doch längst sind nicht alle Fragen beantwortet.

Limburg – Nachdem bisher nur mobil oder in Impfzentren gegen das Coronavirus geimpft wurde, starten in dieser Woche auch in heimischen Hausarztpraxen die Impfungen. Allerdings machen längst nicht alle Ärztinnen und Ärzte mit. Wie viele es im Landkreis Limburg-Weilburg sind, konnten gestern weder das Land Hessen, noch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen oder der Landkreis sagen. „Jede Praxis entscheidet individuell, ob sie impft oder nicht. Es gibt daher nirgendwo eine Liste oder Aufstellung der impfenden Praxen“, sagt Alexander Kowalski, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV).

Ob es damit gelingt, weiterhin eine möglichst faire Verteilung des Impfstoffs nach der Einwohnerzahl der Kreise in Hessen zu gewährleisten, ist offen. Wie das Hessische Ministerium für Soziales und Integration mitteilt, seien die Großhändler, die die Lieferungen übernehmen, lediglich verpflichtet, „die wöchentlich zur Verfügung gestellten Dosen gleichmäßig auf die Apotheken der Bundesländer zu verteilen“.

Limburg: Corona-Impfung bei Hausärzten – Nur wenige Dosen stehen zur Verfügung

Wie viel Impfstoff die Praxen bekommen, konnte gestern ebenfalls niemand sagen. Das Ministerium verweist auf Aussagen des Bundes von durchschnittlich etwa 20 Dosen pro Woche und Arztpraxis. Auch die KV teilt mir, dass ihr die tatsächlich gelieferten Mengen nicht bekannt seien. Derzeit seien aber – außer dem immer noch zu knappen Impfstoff – keine Probleme der Ärztinnen und Ärzte bekannt.

Maximal 48 Impfdosen pro Woche (insgesamt acht Fläschchen) habe sie bei ihrem Apotheker bestellen dürfen, berichtet die Elzer Allgemeinmedizinerin Ulrike Tondera, die zugleich Geschäftsführerin des heimischen Ärztenetzwerks Piano ist. Doch ihr Apotheker habe ihr maximal bis zu 18 Impfdosen zusagen können. Gestern Nachmittag wartete sie allerdings noch immer auf die erste Lieferung, die eigentlich für den Morgen angekündigt war.

Corona-Impfung bei Hausärzten rund um Limburg – Schon 300 Personen auf der Liste in Elz

Immerhin rund 300 Patienten haben sich in der Elzer Hausarztpraxis auf eine Liste setzen lassen, weil sie sich impfen lassen wollen - mit einer klaren Präferenz: „Fast keiner dieser Patienten möchte Astrazeneca“, sagt Tondera. Zwar wisse sie, dass in den ersten zwei Wochen nur der Impfstoff von Biontech bereitstehe, aber grundsätzlich hätten die Hausärzte keinerlei Einfluss auf den zur Verfügung gestellten Impfstoff. Sollte Astrazeneca kommen, halte sie sich an die Vorgabe, diesen Impfstoff nur impfwilligen Menschen anzubieten, die älter als 60 Jahre seien.

Und wie läuft die Organisation? „Unsere Patienten, die sich impfen lassen wollen, müssen sich selbst bei uns melden“, sagt sie. Aufgrund des Alters und Vorerkrankungen werde eine Priorisierungsliste erstellt. Liege der Impfstoff vor, würden diese Patienten angerufen, mit der Bitte, zur Impfung in die Praxis zu kommen. Die Impfung geschehe außerhalb der Sprechzeiten – in der Regel abends und auch am Wochenende.

Corona-Impfung bei Hausärzten: Probelauf bis 14. April geplant

Auch das Zentrum für Allgemeinmedizin Dehrn beginne mit den Impfungen gegen das Coronavirus, teilt Praxisinhaber Dr. Johannes Löw mit. Zunächst sei ein Probelauf geplant, vom 14. April an seien dann regelmäßige Impfungen vorgesehen. „Aktuell ist noch nicht klar, wie viel Impfstoff wir bekommen werden. Das ändert sich Woche für Woche“, sagt Löw. In den ersten zwei Wochen erwarten er und seine Kollegen zwischen 20 und 60 Impfdosen. Danach werde die Menge zügig ansteigen.

Aufgrund der geringen Menge müsse und werde sich die Praxis an die gültige Priorsierung der Ständigen Impfkommission (Stiko) halten. Wer in der Dehrner Praxis geimpft werden möchte, meldet sich mittwochs ab 8 Uhr direkt per E-Mail an praxis@dr-loew-dehrn.de. Wer keinen Impftermin bekommt, muss sich in der Woche danach erneut per E-Mail anmelden. Antwort erhalten nur Personen, die tatsächlich geimpft werden. Impftermin, so Löw, ist jeweils freitags. An diesem Tag findet auch keine Sprechstunde statt. Weiter macht Löw darauf aufmerksam, dass sich nur Personen anmelden sollten, die auch tatsächlich geimpft werden wollen. „Wir werden am Impftag keine Zeit haben, irgendwelche Meinungen zu diskutieren. Wer das will, kann sich im Impfzentrum anmelden und dort auf einen Termin warten. Für uns ist absolut vorrangig, endlich bei den Impfzahlen nach vorne zu kommen, um damit den Lockdown und die Pandemie zu beenden und nicht über das Für und Wider der Impfung oder mögliche Spätfolgen zu raten, über die keiner etwas weiß.“

Die Liste für Impfanmeldungen in der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis von. Dr. Ulf Käsgen und Tobias Langer in Dorndorf ist inzwischen ebenfalls lang. Zwischen 150 und 200 Vormerkungen dürften sich seit vergangenem Mittwoch angesammelt haben, sagt Käsgen. Sein Sohn habe ihm ein Computerprogramm geschrieben, um die Daten und Termine der Erst- und Zweitimpfungen zu strukturieren und zu verwalten.

Corona in Limburg: Beratungsbedarf für Impfung wird steigen

Entscheidend für die Terminvergabe ist auch in der Praxis von Käsgen und seinem Kollegen die von der Stiko vorgegebene Priorisierung. Impfwillige unter 60 Jahren könnten daher vorerst nicht berücksichtigt werden, es sei denn, sie sind Bezugs- oder Begleitpersonen oder sollen wegen ihrer beruflichen Tätigkeit rasch geimpft werden. Diese Vorgehensweise stoße nicht immer auf Verständnis, räumt Käsgen ein. Ebenso wie die geringe Zahl der Impfdosen, die den Ärzten zur Verfügung steht. „Wir fangen mit 24 Dosen an“, sagt der Mediziner. Wie viel in der Gemeinschaftspraxis tatsächlich verimpft wird, ändere sich wöchentlich. Ende des Monats soll die Menge der Impfdosen gesteigert werden und auch Impfstoffe von Astrazeneca und Moderna dazukommen. Dann werde auch der Beratungsbedarf erneut ansteigen, ist sich Käsgen sicher.

In der Hausarztpraxis von Dr. Peter Gündling in Bad Camberg beginnen am Mittwoch die Impfungen gegen das Coronavirus. Zunächst sollen 18 Dosen des Vakzins von Biontech gespritzt werden. „Eigentlich war geplant, dass wir 50 Dosen von den Apotheken erhalten. Uns wurde dann aber mitgeteilt, dass sie doch deutlich weniger liefern können“, sagt Sabrina Clemens, Medizinische Fachangestellte der Praxis. Wie viele weitere Impfdosen man in den kommenden Wochen erhalte, sei noch unklar. „Es wird nicht immer der gleiche Menge sein, so dass wir von Woche zu Woche neu planen müssen“, sagt Clemens.

In der Bad Camberger Praxis gebe es mittlerweile eine fünf Seiten lange Warteliste, auf denen Menschen stehen, die sich dort gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. „Die Leute haben sich per Telefon und per E-Mail angemeldet oder bei einem Arztbesuch nach der Impfung gefragt“, sagt Clemens. Zunächst seien chronische Kranke und Senioren über 80 Jahren an der Reihe. Sie ist der Meinung, dass die Impfungen in den Arztpraxen eine gutes Hilfsmittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie seien. „Je mehr Ärzte mitmachen, desto besser ist es“, betont Clemens.

Limburg: Hausarztpraxen achten auf Priorisierung – Zunächst die nicht mobilen Patienten

Dr. Anja Bardel und ihr Praxisteam in Diez beginnen am Mittwoch mit den Corona-Impfungen. Eine Liste der priorisierten Patienten sei schon erstellt. Nach dieser wurden auch die Impftermine vergeben. Zuerst seien ältere Patienten und die mit Vorerkrankungen dran. Für diese Personengruppen hat Dr. Bardel pro Woche 18 Impfdosen zur Verfügung. Gestern gab es schon mal eine Einweisung durch einen Apotheker, wie das Vakzin aufgezogen und vorbereitet werden soll. Ob die Impfungen während der regulären Sprechstunde oder danach durchgeführt werden sollen, wisse sie noch nicht, sagt Bardel. Sie seien aktuell in der Planung und Organisation.

Die Ärzte des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Aar-Lahn in Hahnstätten starten ebenfalls am Mittwoch mit den Impfungen. Sie werden aber zu allererst die älteren, schwer kranken und nicht mobilen Patienten zu Hause impfen, sagt Dr. Mounzer Youssef. Dafür stehen dem MVZ 30 Impfungen zu, die die drei Ärzte bei ihren Hausbesuchen spritzen werden. (abv/tob/goe/dick/na/ses)

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