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50 Jahre Blumenrod

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Von: Bernd Lormann

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Vor 50 Jahren entstand im Süden von Limburg mit dem Neubaugebiet Blumenrod ein neuer Stadtteil. Heute wohnen dort nach Angaben der Stadtverwaltung 3685 Menschen. Die Einwohner östlich des Großbachtals und der Blumenröder Straße (darunter Heinrich-Heine-Straße, Hölderlinstraße oder Goethestraße bis zur Zeppelinstraße) sind darin nicht enthalten. Die Geschichte enthält auch eine Sensation.

. Blumenrod, das ist nicht nur eine ehemalige landwirtschaftliche Domäne, ein Feldflughafen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und die Erinnerung an die Notlandung eines Zeppelins im April 1910. Blumenrod, ohne die ehemalige Südstadt, ist heute ein Stadtteil mit reicher Infrastruktur. Werden zu den Einwohnern der vier neuen Bauabschnitte zwischen Marienbader Ring und „Breites Driesch“ die Bewohner aus der Südstadt westlich der oberen Blumenröder Straße hinzugerechnet, sind es mehr als 5000 Einwohner. Der Spatenstich zur heutigen Wohnstadt Blumenrod mit vier Bauabschnitten auf rund 45 Hektar erfolgte am 19. April 1967.

Mitte der 60er Jahre war Limburg als Wohnstandort immer mehr gefragt. Landreserven gab es nur in südlicher Richtung, rund um die hessische Staatsdomäne Blumenrod. Die Eingemeindung der angrenzenden Dörfer mit zusätzlichem Bauland erfolgte erst in den Jahren 1971 bis 1974. Im Juni 1965 kaufte die Stadt Limburg vom Bund 25 Hektar Land in Blumenrod zum Preis von 1,4 Millionen Mark. Der damals neu gewählte Bürgermeister Josef Kohlmaier stieß das größte Siedlungsprojekt der Nachkriegszeit an. Fünf Büros beteiligten sich an einem Architektenwettbewerb. Im April 1966 erhielt der vom Preisgericht empfohlene Entwurf des Frankfurter Architekten Claus Küchler die Zustimmung.

Ganz unumstritten war die damalige politische Entscheidung für den Architektenwettbewerb nicht. Heimische Architekten meinten, der Planer sei von Vorgaben des Bebauungsplanes abgewichen. Am Anfang dominierten mehrgeschossige Häuser und Reihenhausbebauung. Der Bebauungsplan wurde im Laufe der Jahre auch verändert, und im dritten Bauabschnitt ab 1974 wurden weniger Geschossbauten als ursprünglich geplant verwirklicht.

Das Konzept zeigte, eine vielfältige Bebauung war möglich. Neben mehrgeschossigen Wohnhäusern für Miet- und Eigentumswohnungen sowie Grenzbebauung mit Flachdachbungalows und Reihenhäusern wurden auch attraktive Ein- und Zweifamilienhäuser errichtet, ein- und zweigeschossig mit relativ großer Grundstücksfläche. Neben Grünflächen, Bolz- und Spielplätzen entstand auch ein Freizeitplatz mit Grillhütte. Alles in allem: eine aufgelockerte Bebauung.

Kleinere Grundstücke

Im vierten Bauabschnitt im „Breiten Driesch“ südlich der Zeppelinstraße, wo erst im Jahr 1999 der erste Spatenstich erfolgte, wurden die Zuschnitte der Grundstücke verkleinert. Die Einstiegspreise für die Grundstücke waren mittlerweile nach oben geschnellt. 1966 kaufte die Stadt für den vierten Bauabschnitt Land der Domäne Blumenrod für 17 Millionen Mark. Aber immer noch waren die Grundstückspreise im Verhältnis zu anderen Baugebieten im unteren Durchschnitt. Baulandpreise, wie rund 13 Mark für den Quadratmeter in den 70er Jahren, gab es längst nicht mehr.

Die Wohnstadt Blumenrod hat viele Qualitäten, was die wohnortnahe Versorgung betrifft. Dazu zählen Supermärkte, ein Kindergarten mit Hort, ein Schulzentrum mit mehr als 5300 Schülern, die große Kreissporthalle, ein städtisches Gemeinschaftshaus, das auch Einrichtungen und Kirchenraum für die katholische und evangelische Kirchengemeinde bereithält, ein Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde im ehemaligen Hofgut Blumenrod, Altenwohnanlagen, Senioren- und Pflegeheime, ein Wohnheim für Behinderte, Praxen für Allgemeinmediziner und Fachärzte, Therapeuten, eine Apotheke, eine Bäckerei, ein Geschäft für Schreibwaren und Zeitschriften mit Lotto und Toto, Gastronomie, drei Bankfilialen, eine Postfiliale, eine Fahrschule, ein Blumenhandel, ein Friseur, ein Computer-Shop, eine Änderungsschneiderei, ein Immobilienbüro, mehrere Haltestellen des Stadtlinienverkehrs und seit 1973 ein Wasserhochbehälter. Es fehlt nahezu nichts.

Altes Hofgut

Das Hofgut Blumenrod hat dem Stadtteil, der zur heutigen Kernstadt gehört, den Namen gegeben. Urkundlich erwähnt ist der „Alte Hof“ erstmals im Jahre 1365. Bernhard Heun, ehemaliger Schuldirektor, der heute auch in Blumenrod wohnt, hat im Jahrbuch 2017 des Kreises Limburg-Weilburg eine ausführliche Abhandlung über die Geschichte des Blumenröder Hofes veröffentlicht. Das heutige Anwesen, mittlerweile saniert, modernisiert und ausgebaut, war 1776 neu errichtet worden.

Nach Angaben von Bernhard Heun besteht der Blumenröder Hof aus den u-förmig gruppierten historischen Hauptgebäuden wie Pächterhaus, Stallungen und Scheunen sowie dem 1935/36 von der Wehrmacht entlang der Zeppelinstraße errichteten Mehrzweckbau mit Toreinfahrt. Mit der Getreideernte 1998 durch den letzten Pächter Jörn Schreiber endete die jahrhundertelange landwirtschaftliche Tradition des Blumenröder Hofes. Nach dreijähriger Vakanz übernahm die Freie evangelische Kirchengemeinde den Hof in Erbpacht. Mit viel Eigenarbeit haben Gemeindemitglieder ab 2002 die denkmalgeschützten Gebäude restauriert. Es entstanden unter anderem Kinderkippe, Gruppenräume, therapeutische Einrichtungen, ein Gemeindesaal für kirchliche und kulturelle Zwecke und ein Café.

Längst bevor im Bumenröder Feld 1938/39 ein Militärflughafen eingerichtet wurde, gab es eine Bekanntschaft mit der Luftschifffahrt. Am 24. April 1910 musste der Zeppelin Z II auf der Höhe zwischen Limburg und Linter notlanden. Eine Sensation. Die Bevölkerung strömte nach Blumenrod, um sich das Luftschiff anzusehen. Der Zeppelin mit 136 Meter Länge und 13 Meter Breite wurde verankert und am Boden befestigt.

Die Zeppelinallee

Einen Tag nach der Notlandung traf eine starke Windboe das Luftschiff. Die Verankerung löste sich, die Mannschaft konnte ihn nicht mehr halten. Der Zeppelin trieb steuerlos in Richtung Weilburg; wo er am Webersberg zerschellte. Im April 1985 wurde in Blumenrod in der Nähe der Grillhütte ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Landung des Zeppelins aufgestellt. Schon lange vorher war die Verbindungsstraße zwischen Holzheimer Straße und Wiesbadener Straße zur Zeppelinstraße benannt worden.

Zur Geschichte gehört auch ein Flugzeugabsturz. Am 24. Juni 1955 stürzte in unmittelbarer Nähe des Blumenröder Hofes ein zweimotoriges englisches Düsenflugzeug ab. Der Pilot kam ums Leben.

Im September 1945 war die Verwaltung des Flughafens auf die Domänenverwaltung des Landes Hessen übergegangen. Die Staatsdomäne Blumenrod entstand. Die Linterer Bauern erhielten zum Teil ihre Ländereien, aber nur pachtweise, zurück. Das führte damals auch zu Unstimmigkeiten.

Vorzugsmilch

Erster Pächter nach dem Krieg war Franz Bispinck, der den Hof zu einem mustergültigen Betrieb aufbaute. Nach 1949 versorgte Bispinck die Bevölkerung mit der beliebten „Blumenröder Vorzugsmilch“. Milch aus Blumenrod war zum Beispiel auch schon vor 100 Jahren gefragt. Die Stadt Frankfurt war im Kriegsjahr 1917 Pächter des Blumenröder Hofes, um seine Einwohner mit Milch zu versorgen.

Im April 1978 wurden Jörn und Monika Schreiber nach Bispinck neue Pächter des Hofes. Sie bauten die Getreideveredlung aus, gaben aber schon bald die Viehwirtschaft auf. Auf dem Blumenröder Hof entstanden sogar Ferienwohnungen. 1966 kaufte die Stadt Limburg den Blumenröder Hof. Das Ende des landwirtschaftlichen Betriebes im Jahre 1998 zeichnete sich ab.

Die Geschichte der Wohnstadt Blumenrod wäre unvollständig, ohne auf die Bürgergruppe einzugehen. 1973/74 hatte sich die Bürgergruppe gegründet, an deren Engagement der frühere ehrenamtliche Stadtrat Heinz Overbeck großen Anteil hatte. Die Gruppe wurde zu einer gestaltenden Kraft in dem Neubaugebiet. So wurde zum Beispiel ein damals in der Diskussion stehender Landeplatz für Segel- und Sportflugzeuge verhindert. Freizeitaktionen wurden ins Leben gerufen. Herausragend dabei die 1974 erstmals abgehaltene Blumenröder Kirmes, die sich sogar über Jahrzehnte zu einem beliebten Fest mit Kirmesplatz, Festzelt, Fahrgeschäften, Tanz, Frühschoppen, Fußballturnieren und Kinderbelustigungen entwickelte. Die Kirmes, 24 Jahre gefeiert, gibt es heute nicht mehr. Die Bürgergruppe besteht noch, hat ihre Aktivitäten aber etwas eingeschränkt.

Noch zwei Bauabschnitte

In den 50 Jahren Wohnstadt Blumenrod wurden vier Bauabschnitte verwirklicht. Die Abschnitte V und VI in südlicher Richtung zum Mensfelder Kopf stehen seit vielen Jahren in der Planung, wurden aber bisher nicht verwirklicht. Mögliche Varianten zur Südumgehung, zusätzliches Bauland durch Schließung von Baulücken in bestehenden Gebieten schaffen, die steigende Preisentwicklung für neu zu erschließendes Bauland, fehlende oder nicht mehr verfolgte Alternativen wie ein Friedhof oder zusätzliche Grünzonen sprachen gegen eine Beschleunigung für die Gebiete V und VI. Gestorben ist damit die weitere Ausweitung von Blumenrod nicht.

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