„Stolpersteine“

Jeder Stein steht für das Schicksal eines NS-Opfers

Der Künstler Gunter Demnig hat weitere zwölf Stolpersteine in Limburg verlegt. Damit steigt die Zahl der Stolpersteine in der Domstadt auf 97.

Die Stolpersteine, die Gunter Demnig neu verlegt hat, erinnern an acht Menschen, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens verfolgt und ermordet wurden, zwei Opfer waren geistig behindert und galten im NS-Staat als „lebensunwert“; zwei ließen sich von den Nationalsozialisten nicht vereinnahmen und vertraten weiter ihre Lebensgrundsätze und -auffassungen: Einer als Kommunist, der andere als katholischer Priester.

„Zehn von ihnen überlebten diese Zeit nicht, zwei mussten viele Jahre im Konzentrationslager verbringen und blieben bis an ihr Lebensende davon körperlich und seelisch gekennzeichnet“, machte Stadtrat Ulrich Muth deutlich. Er bezeichnete es als eine wichtige Aufgabe, das Gedenken an diese Menschen wachzuhalten. Das sei umso wichtiger angesicht der Hassparolen der rechten Verführer. Elena Kopirovskaja als Vorsitzende der jüdischen Gemeinde erinnerte an eine Aussage aus dem Talmud: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ In Limburg gehörten die Stolpersteine schon zum Stadtbild. Man begegne ihnen im alltäglichen Leben. Damit seien die zuvor namenlosen Opfer wieder in die Gemeinschaft aufgenommen.

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde bedankte sich bei allen, die dieses Erinnern ermöglichten. Erfreut zeigte sie sich darüber, dass Schülerinnen und Schüler der Leo-Sternberg-Schule und der Peter-Paul-Cahensly-Schule an der Verlegung teilnahmen. Von Beginn an ist die Leo-Sternberg-Schule als Pate mit dabei. Es sei für die Schule, die nach einem jüdischen Bürger Limburgs benannt ist, eine Selbstverständlichkeit, sich für die Stolpersteine und gegen das Vergessen zu engagieren, erklärte Schulleiter Attilio Forte.

Die Schüler der Klasse 8aR verlasen kurze Biographien der Opfer, deren Namen nun auf den neuen Tafeln stehen. Die Klasse wird in den kommenden zwei Jahren die Aktion begleiten und hat in diesem Jahr schon Spenden gesammelt und die bereits in der Stadt verlegten Stolpersteine gereinigt.

An der Verlegung des Stolpersteins im Rohrweg nahmen auch Angehörige des Opfers teil. Dort lebte Erich Josef Schardt mit seinen Eltern in einem Haus, das heute nicht mehr existiert. Erich Josef Schardt war seit seiner Geburt behindert und wurde 1931 in die Heilanstalt Aulhausen aufgenommen. Später kam er in die Heil- und Pflegeanstalt Hadamar, wo er am 28. Februar 1941 im Zuge der ersten Phase der Tötung Kranker und Behinderter ermordet wurde.

Nach dem jetzigen Stand werden es am Ende 115 Stolpersteine sein, die an 115 Opfer erinnern, so plant Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker. red

Spenden

können auf das städtische Konto bei der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg eingezahlt werden: IBAN: DE14 5709 2800 0000 7602 18, Kennwort Stolpersteine. Infos per E-Mail an christoph.waldecker@ stadt.limburg.de.

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