Landtagswahl 2018

Juso-Chef Kevin Kühnert: Mitmachen lohnt sich

Unter Größenwahn leidet die SPD im Kreis jedenfalls nicht. Der Saal, in den die Genossen zu einer Wahlkampfveranstaltung mit dem Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert eingeladen hatten, war ein kleiner Nebenraum in einem Limburger Hotel. Der reichte. Denn nur etwa 60 Gäste kamen.

Die Zukunft der SPD kommt, aber mit Verspätung. Jedenfalls am Freitagabend, als der Bundesvorsitzende der Nachwuchsorganisation Jungsozialisten, Kevin Kühnert, dem Wahlkampf der Sozialdemokraten in Limburg einen letzten Schliff verpassen soll. Sein Zug sei nicht pünktlich, teilt die Landtagskandidatin der Partei, Viktoria Spiegelberg-Kamens, mit.

Ein paar Minuten müssen die etwa 60 Zuhörer in einem Nebenraum des Hotels Vienna House noch warten. Zeit genug für die Bewerberin, um sich selbst vorzustellen und um zu betonen, wie schön es sei, dass „auch einige junge Leute“ unter den Gästen sind. Schließlich soll es an diesem Abend um die Zukunft gehen und um die Frage: „Wie begeistert man Menschen für die Demokratie?“

Aus Sicht der Sozialdemokraten scheint ein Lösungsbeitrag der Einsatz jenes SPD-Mannes zu sein, der bundesweit seine eigene, nicht immer parteivorstandskonforme Meinung vertritt und dabei mit größtmöglicher jugendlicher Lässigkeit auftritt. Rund 15 Minuten kommt er zu spät, entschuldigt sich artig und beginnt zu sprechen. Darüber, dass sich immer mehr Menschen auf Trennendes fokussieren als auf Verbindendes. Dass der Ton zwischen politischen Wettstreitern immer rauer, persönlich beleidigend und verunglimpfend wird. Und dass der Trend zum gesellschaftlichen Auseinanderdividieren an Fahrt gewinnt. Sehr eloquent spannt er den Bogen vom ehrenamtlichen Engagement, dass langfristig unterstützt und gefördert werden müsse, zu dem Appell, dass allein ein „Gefällt-mir-Klick“ im Internet nicht reicht, wenn man mitgestalten will.

„Politik ist keine Show-Veranstaltung“, sagt der 29-Jährige – und da kracht es. Mehrere Kanonenschläge zerschmettern seine Rede. Ein wenig irritiere ihn der Lärm jetzt schon. Spiegelberg-Kamens beruhigt: Zwischen dem Rumpeln draußen und dem Gesagten drinnen besteht kein Zusammenhang. Die Knallerei kommt vom Feuerwerk des Limburger Oktoberfests, das an diesem Abend einem Höhepunkt zutreibt. Der Juso-Bundesvorsitzende spricht weiter. Eine Stunde später wird ihn ein anderes Ereignis noch einmal irritieren.

Zunächst aber berichtet er von jenen Menschen, die meinen, ihre Lebenswirklichkeit werde in der Politik nicht abgebildet, die das Gefühl haben, abgehängt worden zu sein und sich ihrerseits abwenden. „Wir müssen zeigen, dass Politik auch ganz praktisch funktioniert“, fordert Kühnert. Es müsse vermittelt werden, „dass es sich lohnt, sich zu bewegen“.

Das gelte auch für ihn selbst, antwortet Kühnert auf die Frage eines Gastes nach mehr Verantwortung. Wenn der Parteivorstand neu aufgestellt wird, werde er sich nicht wegducken, stellt er klar und wendet sich einem weiteren Zuhörer zu. Wie es mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen weitergeht, will der ehemalige DGB-Mann Gerhard Blankenburg in breitem Berlinerisch wissen. Kevin Kühnert stutzt. Der Dialekt ist ihm vertraut. „Ick freu’ mir“, ruft er. Das eigene Wahlkampf-Wohlbefinden ist gesichert. Das der Gäste an diesem Abend auch.

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