BAP kann noch „zaubre“

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
    schließen

In der ausverkauften Stadthalle verzauberte BAP am Freitagabend so viele Zuhörer, dass sich bei diesem Konzertabend ein „BAPlic-Viewing“ gelohnt hätte.

. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken hat viel erlebt und viel zu erzählen. Über Gastfreundschaft und Toleranz, über Hoffnungen und Träume, über das Leben im Allgemeinen und über seinen Schutzengel im Besonderen singt er in seinen Liedern. Ein wenig leiser ist er geworden und weiser „Noh all dänne Johre“.

Unverändert geblieben sind seine Offenheit und Ehrlichkeit, mit der Niedecken etwa gleich zu Beginn des Konzerts dessen Titel als „Märchen“ entlarvt. Eine „Zieht-den-Stecker-Tour“ könne es natürlich nicht geben. Dann wäre „nix los“ auf der Bühne. An diesem Abend aber ist viel los auf der Bühne und im Saal, die zu einem gigantischen und gemütlichen Wohnzimmer verschmelzen.  

Drei Unabänderlichkeiten gibt es im Leben, die man einfach hinnehmen muss, sagt Niedecken: „Mutter, Vater und der Club, mit dem man leiden muss.“ Und auch wenn sich nicht alle Limburger BAP-Fans auf einen einzigen Club einigen können, die Frage, „Waröm dunn ich mir dat eijentlich ahn“, beschäftigt alle. Sanft summen die Zuhörer mit und lassen sich ein auf diese großartig arrangierte Musik-Philosophie.

Großartige Musiker

Deren Kern ist Wolfgang Niedecken, aber für deren gehaltvolle Ummantelung sorgen so sensationelle Musiker wie Helmut Krumminga (Gitarre), Werner Kopal (Bass), Michael Nass (Keyboard) und das BAP-Urgestein Jürgen Zöller (Schlagzeug). Mit dabei sind bei dieser Tour auch Anne de Wolff (Geige, Cello, Posaune) und Percussionist Rhani Krija.

Die Band ist bunt, und so ist auch deren Programm, in das häufig afrikanisch und orientalisch besinnliche Klänge eingewoben sind. Zum Beispiel bei „Magdalena“, einem Liebeslied für eine marokkanische Frau, das zart, aber nicht klebrig ist und das – wie bei allen BAP-Songs – immer auch ein Spur wohlwollender Ironie erhält. Denn der vollständige Titel heißt, „Magdalena, weil Maria hatt ich schon“. Eine weitere, anrührende Hommage an Nordafrika präsentierte die Band mit „Ich wünsch mir, do wöhrs he“.

Dennoch sind es die Lieder über Niedeckens Heimat Köln, über das „Millionendorf am Ring“, die in Limburg am besten ankommen. Es ist diese Mischung aus einfühlsamer Poesie und handfestem Rock, die die BAP-Fans berührt. Beispielsweise beim Song „Für ne Moment“, in dem es um das Kölner Lebensgefühl geht, dessen Chaos- und Kult-Dimension vielleicht tatsächlich nur dort zu erspüren sind. „Mer sooch Weltreiche zerplatze, nur beim Kölsch, do blew et bei“, heißen die Schlusszeilen, die in anderen Dialekten leicht nach Hybris, auf Kölsch aber irgendwie sympathisch anheimelnd klingen könnten.

Bei Wolfgang Niedecken und BAP jedenfalls ist das authentisch – jetzt und auch zu Zeiten, die „verdamp lang her“ sind. „Zaubre“ kann die Kölschrockband noch immer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare