Kein Handy am Steuer

Eine neue Studie hat viele aufgeschreckt: Demnach sind zehn Prozent aller Verkehrsunfälle auf den Gebrauch von Smartphones am Steuer zurückzuführen.

Smartphones sind Segen und Fluch zugleich. Manchmal ist es wichtig, überall erreichbar zu sein, häufig aber auch lästig – und hin und wieder sogar gefährlich. Vor allem im Straßenverkehr. Der Gebrauch von Handys am Steuer ist ein Tabu. Darüber sind sich die Experten im Landkreis einig, auch wenn sie das Ergebnis der Studie anzweifeln, darunter der Pressesprecher der Polizeidirektion Limburg-Weilburg, Uwe Meier. „Wir können diese Zahl nicht bestätigen“, sagte er auf Anfrage der NNP.

Die Polizei beobachte jedoch mit Sorge, dass die zunehmende Digitalisierung in Autos durch eingebaute Handys, DVD-Player oder Fernseher sicherlich zu mehr Ablenkung vom Straßenverkehr führen könne.

Meier dementierte die Aussage, wonach Polizisten nach einem Unfall sofort das Handy überprüften. „Das dürfen wir gar nicht so einfach.“ Die Beamten bräuchten zunächst einen richterlichen Beschluss, um dann vom Provider die Verbindungsdaten erhalten zu können. Erst dadurch könne herausgefunden werden, ob der Unfall zeitgleich mit einem Telefonat oder einer Internetnutzung passiert sei.

Der unter anderem auf Verkehrsrecht spezialisierte Rechtsanwalt und Notar Michael Jung aus Limburg glaubt nicht, dass zehn Prozent aller Unfälle auf die Nutzung von Smartphones zurückzuführen sind. „Ich kenne keinen Fall mit diesem Hintergrund“, sagt der ADAC-Vertragsanwalt. Dass das Nutzen von Handys vom Straßenverkehr ablenkt, ist aber auch für den Juristen unstrittig. Das gelte allerdings auch für das erlaubte Telefonieren über Freisprecheinrichtungen. „Das man damit im Auto telefonieren darf, halte ich für unlogisch“, sagt Jung. „Ich kann jedem nur raten, sich unterwegs ausschließlich auf den immer dichter werdenden Verkehr zu konzentrieren.“

Andreas Krehwisch von der Limburger Fahrschule Kölb ist der gleichen Ansicht. Er meint, dass eine Freisprechanlage nichts nutze, weil der Fahrer trotzdem auf sein Handy schaue. Er rate seinen Fahrschülern natürlich davon ab, am Steuer zu telefonieren, im Internet zu surfen oder eine Nachricht zu schreiben. „An die Seite fahren und den Motor ausschalten, lautet mein eindringlicher Tipp“, so Krehwisch.

Autofahrer, die wir zu dem Thema befragten, wollten sich nicht äußern. Viele gaben aber zu, hin und wieder am Steuer zu telefonieren, schnell die neuesten Nachrichten zu verfolgen, eine WhatsApp zu schreiben oder den letzten Facebook-Eintrag eines Bekannten zu lesen.

Das kann teuer werden – wenn man erwischt wird. Die leichteste Strafe ist derzeit noch ein Bußgeld von 40 Euro, von Mai an sind 60 Euro fällig, und dazu kommt noch ein Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg. Ist der Verstoß mit einem Unfall mit Todesfolge verbunden, droht ein Strafprozess.

(sct)

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