Gesundheit

Kinderklinik im St. Vincenz-Krankenhaus: 4600 kleine Patienten in einem Jahr

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Seit genau einem Jahr gibt es die Kinderklinik im Limburger St. Vincenz-Krankenhaus. Mehr als 4600 Jungen und Mädchen sind dort bislang behandelt worden – und ab Herbst werden es am neuen Standort noch viel mehr.

Bei einem Kinder-Geburtstag im Hochsommer darf Eis nicht fehlen. Beim ersten Geburtstag einer Kinderklinik auch nicht . . . Die beiden Chefärzte Dr. Doris Fischer und Professor Alex Veldmann laden Patienten und Mitarbeiter heute zu einer kühlen Erfrischung ein.

Ob Geschäftsführung und Verwaltungsrat mit Sekt anstoßen, ist nicht bekannt. Die gute Entwicklung der neuen Abteilung wäre jedenfalls ein Anlass zum Feiern. Freilich nicht aus finanziellen Gründen. Den Verantwortlichen war klar, dass die Kinderklinik kein Profit-Center, aber für das Angebot und das Image des Schwerpunktkrankenhauses in der Region wichtig ist. Diese Rechnung ist bislang aufgegangen: Die 16 Betten waren fast immer belegt, die zehn Ärzte und knapp 20 Pflegekräfte hatten viel zu tun. Mehr als 600 Jungen und Mädchen sind im ersten Jahr stationär behandelt worden, über 4000 ambulant.

Die größten Gewinner sind freilich die jungen Patienten und ihre Eltern. Früher mussten sie bis zu 60 Kilometer fahren, um ihre Kinder in Notsituationen behandeln zu lassen.

„Wir sind sehr zufrieden“, sagten Dr. Doris Fischer, der Verwaltungsratsvorsitzende Erwin Reuhl und Verwaltungsratsmitglied Martin Richard unisono in einem Gespräch mit der NNP. Der langjährige Limburger Bürgermeister war in seiner Funktion als neuer Vorsitzender der Stiftung St. Vincenz dabei – aus gutem Grund, denn die Stiftung will eine Attraktion für die Ausstattung für den neuen Standort durch Spenden finanzieren.

Die Abteilung zieht voraussichtlich Mitte Oktober um, bleibt aber im St. Vincenz zumindest baulich ganz oben positioniert: Seit der Eröffnung in der siebten Etage des Altbaus, von Herbst an in der sechsten des Talbaus. 800 Quadratmeter stehen dort zur Verfügung. Die Zahl der Betten wird von derzeit 16 auf 30 fast verdoppelt. Für 2,5 Millionen Euro sollen dort eine Kindernotaufnahme, eine Früh- und Neugeborenenstation, die Kinderabteilung sowie Elternzimmer eingerichtet werden.

Diese Summe bringen die Chefs im 30-Millionen-Budget des Talbaus unter, ohne den ursprünglich ohne dieses Projekt festgelegten Kostenrahmen zu überschreiten. Für die Finanzierung nicht-medizinischer Ausstattung will die Stiftung St. Vincenz aktiv werden – und zunächst den größten Wunsch von Fischer und Feldmann erfüllen: Ein großes Meerwasseraquarium im Wartebereich.

Die Ärzte sehen darin nicht nur einen schönen Blickfang, sondern auch auch einen therapeutischen Ansatz. Der Anblick bunter Fische und Korallen soll die Kinder beruhigen, ablenken und anregen, erläutert Dr. Doris Fischer. Auch „Nemo“, der berühmte Clownfisch, solle durch das etwa drei Meter lange und ein Meter hohe Beckern schwimmen. Dafür wollen die Mediziner auf Fernseher in den Zimmern verzichten. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass selbst die Kleinen schon mit elektronischen Geräten ins Krankenhaus kommen. Da bedarf es keiner weiterer Unterhaltung auf dem Bildschirm“, sagt die Chefärztin.

Das Krankenhaus will die Installation der Technik übernehmen, die Stiftung das mit insgesamt rund 30 000 Euro veranschlagte Meerwasseraquarium bezahlen. „Für diesen Zweck bitten wir die Bevölkerung um Spenden“, sagt Martin Richard. Man setzte bewusst nicht auf wenige Großsponsoren, sondern auf viele kleine Förderer. Denkbar seien auch Patenschaften.

Die Arbeiten im Talbau, der am nächsten Dienstag eingeweiht wird, laufen derweilen auf Hochtouren. Die Kinderklinik zieht als letzte Abteilung ein. Danach wollen Professor Alex Veldmann und Dr. Doris Fischer das Spektrum erweitern und mehr Sonderleistungen anbieten. „Aufgrund der räumlichen und personellen Situation mussten wir uns bisher auf die Akut-Medizin konzentrieren“, sagt Doris Fischer.

„Wir können hier jeden pädiatrischen Notfall erstversorgen – vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen.“ Die Chefärzte wollen die Behandlung von Früh- oder kranken Neugeborenen verbessern. In der allgemeinpädiatrischen Versorgung kooperiert Limburg mit den Uni-Kliniken Gießen und Frankfurt. Durch die wohnortnahe Versorgung sei es möglich, eine enge Einbindung des familiären Umfeldes und der niedergelassenen Mediziner zu gewährleisten. Die besonderen Schwerpunkte der Pädiater sind die Behandlung von seltenen Stoffwechselerkrankungen, Kinderkardiologie und pädiatrischer Haemostaseologie (Blutgerinnung). Vor diesem Hintergrund können mehr Risikoschwangerschaften in Limburg entbunden und Frühchen ab einem Gewicht von 1500 Gramm stationär aufgenommen werden.

(hei)

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