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Kinderporno-Plattform Elysium: Angeklagter bestreitet pädophile Neigungen

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Von: Anken Bohnhorst

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Insgesamt werden vier Angeklagte im Elysium-Prozess vor dem Landgericht vorgeführt. Vor der Verhandlung kannten sich die Männer persönlich nicht.
Insgesamt werden vier Angeklagte im Elysium-Prozess vor dem Landgericht vorgeführt. Vor der Verhandlung kannten sich die Männer persönlich nicht. © Thomas Frey (dpa)

Ein Geständnis und zwei Teilgeständnisse gab es gestern am zweiten Tag des Kinderporno-Prozesses vor dem Landgericht. Unter dem Namen „Elysium“ wurden im Darknet jahrelang millionenfach Bilder und Videos sexuell missbrauchter Kinder ausgetauscht. Angeklagt sind vier Männer, darunter ein Familienvater aus Bad Camberg.

Eigentlich sei er einer der Guten. Eigentlich hatte der 40-jährige Familienvater aus Bad Camberg an der Kinderporno-Plattform Elysium ein „rein technisches“ Interesse. Das sagt zumindest der schmächtige, fahl wirkende Mann, der sich als einer von vier Angeklagten vor dem Limburger Landgericht verantworten muss. Seine Motivation sei gewesen, „Lücken im Darknet auszunutzen“, um die Kinderporno-Szene auszuspähen, zu stören und die gewonnenen Erkenntnisse schließlich der Polizei zu übergeben, betont er. Er habe Daten ermitteln wollen, um aufzuklären. Jahrelang.

Pädophile Neigungen habe er nicht. Dass er sich bei seinen Recherchearbeiten mit niemandem besprochen habe und sich keine Unterstützung der Polizei holte, könne er nur damit erklären, „dass er dämlich war“. Das ist die Version des Angeklagten. Durch einen Rollenspiel-Chat im Darknet sei er mit einem der anderen Hauptangeklagten und mit der Pädophilen-Szene in Berührung gekommen, schloss sich ihr an – und stieg schließlich auch in der Hierarchie des Kinderporno-Forums Elysium rasch auf. Hier sei er Moderator und Administrator der Benutzerbeiträge gewesen und habe auch selbst auf der Plattform Kinderpornos veröffentlichen müssen, „weil das erwartet worden sei“, räumt er in der Verhandlung ein.

Leider verreist

Dann aber kommen wieder seine Relativierungen: Er habe sich nur deshalb an diesen Postings beteiligt, weil er die Strukturen und Hintermänner detailliert erfassen wollte. Daher habe er auch den Server in den Firmenräumen seines Kfz-Betriebs zur Verfügung gestellt. Seine Familie sei in seine Handlungen zu keiner Zeit involviert gewesen. Den Datenbestand habe er der Polizei im Sommer 2017 anonym übergeben wollen, „nach meinem Urlaub“, sagt der Angeklagte. Daraus wurde jedoch nichts. Im Juni vergangenen Jahres schaltete das Bundeskriminalamt die Plattform im Darknet ab. Der 40-Jährige und drei weitere Männer wurden verhaftet. Bei Elysium konnten ein halbes Jahr lang Fotos und Videos schwersten sexuellen Kindesmissbrauchs getauscht werden.

Dass das Engagement des Angeklagten allein auf dessen Aufklärungswillen zurückzuführen ist, scheint allerdings weder Richter Marco Schneider, Vorsitzender der 1. großen Jugendkammer, noch Staatsanwältin Julia Bussweiler zu überzeugen. So hat der Beschuldigte etwa keine schlüssige Erklärung dafür, dass er nicht unmittelbar, nachdem er das Kinderporno-Forum auf seinem Server installiert hatte, zur Polizei ging. Auch was die Ermittlungsbehörde mit anonymisierten Daten hätte anfangen sollen, kann er nicht erklären.

In Erklärungsnot gerät auch der zweite Angeklagte an diesem Prozesstag. Der 57-jährige Mann aus dem baden-württembergischen Main-Tauber-Kreis räumt zwar ein, sich durch das kinderpornografische Elysium „querbeet durchgeklickt“ zu haben, äußert sich aber zu seinen persönlichen Vorlieben nicht. Er sei verheiratet und habe einen erwachsenen Sohn. Er sei „absolut nicht pädophil“, sondern ebenso wie der Mann aus Bad Camberg „nur an der technischen Seite“ des Forums interessiert gewesen. Er habe ausprobieren wollen, „ob bestimmte Programme funktionieren“. Daher sei der Computer mit kinderpornografischem Material fast immer „nebenbei gelaufen“. Als er im Chat gefragt worden sei, ob er administrative Aufgaben auf der Plattform übernehmen wolle, habe er „nicht Nein sagen können“. So sei er zum „Anstands-Wauwau“ im Elysium geworden.

„Blauäugig“ gewesen

Geständig ist an diesem Tag lediglich ein aus Stuttgart stammender 58 Jahre alter Angeklagter. Er räumt ein, dass „im Großen und Ganzen“ alle ihm zur Last gelegten Vorwürfe stimmen. Er bereue, was er getan habe und betont, „nie Realkontakte zu Kindern“ gehabt zu haben. Ihm sei zur Tatzeit nicht bewusst gewesen, welche Dimension Elysium hatte. Er sei „blauäugig“ gewesen, sehe eine bevorstehende Haftstrafe „als Chance für einen Neuanfang“.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag, 28. August, um 9 Uhr mit der weiteren Befragung des dritten Angeklagten fortgesetzt. Dann dürfte sich auch der vierte Beschuldigte, ein 62 Jahre alter Mann, äußern. Ihm wird neben der Verbreitung kinderpornografischer Beiträge im Darknet auch vorgeworfen, die Kinder eines Bekannten missbraucht zu haben.

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