Orthopädietechniker aus Limburg

Auf Kinglers Sohlen

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Frank Kingler betreut Sportler in und aus aller Welt. Der Orthopädietechniker aus Limburg wendet ein spezielles Verfahren der Laufanalyse an.

Bei Frank Kingler geben sich Spitzensportler die Klinke in die Hand. Der Orthopädietechniker betreute vor zwei Jahren bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi Sportler aus aller Welt, versorgte im vergangenen Jahr die Elite bei den Deutschen Leichathletik-Meisterschaften. „Ich versuche, jedem Sportler so gut es geht zu helfen“, sagt Kingler. Einer seiner bekanntesten Stammkunden sei der Marathonläufer Sören Kah aus Birlenbach. „Er ist derzeit leider verletzt, ihn habe ich aber die letzten Jahre intensiv betreut“, sagt Frank Kingler.

Auch Stabhochspringerin Silke Spiegelburg vom TSV Bayer 04 Leverkusen, die Diskuswerferinnen Nadine Müller vom SC DHfK Leipzig und Sabine Rumpf von der LSG Goldener Grund sowie der Diskuswerfer Marius Rosbach vom TV Elz zählen zu seiner Klientel. „Die U17-Nationalmannschaft der Fußballfrauen haben wir vor ihrem Trainingslager in den USA mit Kompressionsstrümpfen versorgt. Und auch die Profifußballer des SV Wehen Wiesbaden werden von mir und meinem Team betreut“, sagt Kingler. Sport-Kompressionsstrümpfe? Wozu denn das? Diese werden zur besseren Regeneration und Durchblutung der Beinmuskulatur meist nach einem Wettkampf oder Spiel eingesetzt. Wir erinnern uns: Mit solchen Strümpfen hatte zuletzt der portugisische Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo bei der EM für Aufsehen gesorgt.

Doch was ist Frank Kinglers Geheimnis, was macht ihn so anziehend für Spitzensportler aus ganz Deutschland und darüber hinaus? „Vor einigen Wochen habe ich in einem Fachmagazin einen Artikel gefunden, in dem es um die Laufanalyse geht. Bis jetzt ging man davon aus, dass man eine Fehlstellung des Fußes mit dem Schuh ausgleichen kann. Das ist aber falsch“, sagt Kingler. Er gleiche Fehlstellungen schon seit einigen Jahren mit Einlagen aus. „Ein Schuh, egal ob er außen oder innen eine Polsterung hat, kann die Fehlstellung niemals so gut ausgleichen wie eine Einlage. Ich wende diese Technik mittlerweile seit fünf Jahren an. Forscher bestätigen meine Vorgehensweise jetzt“, erzählt Kingler. Schließlich könne man nicht jede Einlage in jeden Schuh legen.

Frank Kingler weiß viel über sein Fach, probiert eine Menge Dinge selbst aus. „Ich bin Sportler, habe früher Handball gespielt, heute laufe ich Marathon. Wenn du die Dinge selbst ausprobierst, merkst du auch, wo vielleicht noch etwas verändert oder verbessert werden muss“, sagt er. „Immer wieder kommen Menschen zu mir, die über viele Jahre falsch betreut worden sind. Es ist ein schönes Gefühl, wenn sie nach einigen Wochen zurückkommen und keine Schmerzen mehr haben, weil sie die richtigen Einlagen für ihre Fehlstellung erhalten haben“, erzählt Kingler. Große Schmerzen haben oftmals kleine Ursachen. „Ich zeige Läufern, wie man die Arme richtig hält, oder wie man den Fuß abrollen sollte. Doch auch schon die Wahl der Socken kann enorm wichtig sein“, erklärt er.

Bei den Winterspielen in Sotschi 2014 war Frank Kingler einer von sechs deutschen Orthopädietechnikern, der zu den Olympischen Spielen fahren durften. „Es war eine besondere Ehre für mich, dass ich in der Poliklinik Sportler aus aller Welt betreuen durfte. Von Einlagen über Bandagen bis hin zu Prothesen haben wir alles vor Ort angefertigt“, erzählt Kingler von seiner aufregenden Zeit in Russland.

Die norwegische Snowboarderin Kjersti Buaas brach sich in der Qualifikation eine Rippe. Damit sie trotzdem noch einmal starten konnte, fertigte Kingler ihr eine Bandage an, die ihre Rippen stützte. „Es gibt viele Möglichkeiten den Sportlern zu helfen. Mit verschiedenen Hilfsmitteln können wir es ihnen trotz Verletzungen ermöglichen, an ihren Wettbewerben teilzunehmen“, sagt er.

Bei den in wenigen Wochen beginnenden Sommerspielen 2016 in Rio den Janeiro/Brasilien wird er allerdings nicht dabeisein. „Es gibt nur eine Klinik in Brasilien. Deshalb ist die Gruppe der Orthopädietechniker kleiner als die in Sotschi. Das war auch 2012 in London schon so“, sagt Frank Kingler. Für die Winterspiele in zwei Jahren im südkoreanischen Pyeongchang will er sich aber wieder bewerben.

Ein weiteres Projekt, das ihm sehr am Herzen liegt, ist gerade in der Planung: „Ich möchte gerne noch mehr für Kinder tun, damit Fehlstellungen schon im Kindesalter behandelt werden.“ Und auch einen jungen Sportler betreut er seit einiger Zeit: den 13 Jahre alten Cristiano Kaiser, aufstrebender Leichtathlet von der LG Dornburg.

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