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Evangelische Kirche in der Limburger Innenstadt

Humanitäre Gründe

Flüchtlinge in Limburg: Kirche gewährt iranischem Paar Asyl

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Die evangelische Kirchengemeinde Limburg gewährt einem aus dem Iran stammenden Ehepaar Kirchenasyl. Seit einigen Tagen befinden sich die beiden Christen in der evangelischen Kirche am Bahnhof.

Öffentlich geworden war das Kirchenasyl eher unfreiwillig bei einem Vortrag in der evangelischen Kirche. Ein Pfarrer hatte die Anwesenden darauf hingewiesen, sie sollten sich nicht wundern, wenn sie auf dem Weg zur Toilette auf zwei Personen treffen, die sich in der Kirche häuslich niedergelassen hätten. Geplant war diese Ansage nicht. Rund 50 Menschen waren anwesend.

Pfarrerin Katrin Adams bestätigte gegenüber dieser Zeitung die Aufnahme des iranischen Ehepaars und begründet dies mit „humanitären Gründen“.  Die Seelsorgerin ging da noch davon aus, dass das Verfahren der Asylbewerber noch nicht abgeschlossen sei, es aber Hinweise auf eine Ablehnung gebe. Tatsächlich sind die Asylanträge der beiden Ehepartner bereits vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge  als unzulässig abgelehnt und ihre Abschiebung nach Italien angeordnet worden. Dies teilte heute der Sprecher des Kreises, Jan Kieserg, auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Ehepaar aus dem Iran seit September im Kreis

Das von dem Paar daraufhin angerufene Verwaltungsgericht hat die Anordnung der Abschiebung  demnach Anfang Januar 2019 rechtskräftig bestätigt. Nach der sogenannten Dublin-Verordnung stand daher nun eine Überstellung der Iraner nach Italien durch die Zentrale Ausländerbehörde beim Regierungspräsidium Gießen an. Italien ist für die Bearbeitung des Asylbegehrens zuständig, weil die Eheleute dort erstmals innerhalb der EU registriert worden sind. Laut Kieserg sind die Eheleute dem Landkreis im September 2018 als Asylbewerber zugewiesen worden. Seitdem lebten sie in einer Gemeinschaftsunterkunft in Merenberg.

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Limburg: Kirche zahlt für iranische Familie den Lebensunterhalt 

Während des Kirchenasyls stellt die Kirche den Lebensunterhalt des Ehepaares  vollständig sicher, erläutert Kieserg, so dass die bisher nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erbrachten Leistungen eingestellt werden können. Nach Angaben von Pfarrerin Adams ist es das erste Kirchenasyl in der evangelischen Kirche am Limburger Bahnhof – allerdings nicht das erste in der Region. 2016 war der Fall eines aus Pakistan stammenden Mannes bekannt geworden, der aus Deutschland abgeschoben werden sollte und in einer katholischen Kirche im Südkreis  aufgenommen wurde.

2015 war ein weiterer Fall im Westerwald öffentlich geworden. 14 Monate lang hatte in Höhr-Grenzhausen eine fünfköpfige Familie aus Syrien Kirchenasyl gewährt bekommen, weil eine Abschiebung drohte, die aber schließlich nicht vollzogen wurde. Die Kreisverwaltung weist darauf hin, dass das Kirchenasyl kein eigenständiges Verfahren neben dem rechtsstaatlichen ist, es sich aber als „christlich-humanitäre Tradition etabliert“ hat. Es solle von den Kirchengemeinden nur in individuellen Einzelfällen bei begründbaren besonderen Härten  gewährt werden.

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