Die Präsides der Dekanate Christian Harms (rechts) und Peer Schmidt (links) enthüllen gemeinsam mit Engelbert Keul, Vorsitzender der Bezirksversammlung Limburg des Bistums, das Banner zum dritten Ökumenischen Kirchentag vor der Berger Kirche in Werschau.
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Die Präsides der Dekanate Christian Harms (rechts) und Peer Schmidt (links) enthüllen gemeinsam mit Engelbert Keul, Vorsitzender der Bezirksversammlung Limburg des Bistums, das Banner zum dritten Ökumenischen Kirchentag vor der Berger Kirche in Werschau.

Zwei Dekanate und das Bistum beteiligt

Kirchentag im Internet: Nachteil und Chance

  • vonTobias Ketter
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Gastgeber auch aus dem Raum Limburg bieten interaktive Programmpunkte. Gottesdienste sind auch im TV zu sehen.

Limburg -Gottesdienste in vollen Kirchen und Begegnungen mit Menschen verschiedener Konfessionen aus der ganzen Welt. So sollte der dritte Ökumenische Kirchentag in Frankfurt, der vom 13. bis 16. Mai stattfindet, eigentlich ablaufen. Doch die Corona-Pandemie hat diese Pläne durchkreuzt. Die Gastgeber setzen deshalb nun auf ein ganz anderes Konzept.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau sowie das Bistum Limburg organisieren derzeit gemeinsam mit dem "Team Frankfurt" viele Workshops und Podiumsdiskussionen. Diese Veranstaltungen können über das Internet interaktiv miterlebt werden. Darüber hinaus sind der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt und der Schlussgottesdienst live im Fernsehen zu sehen. "Eigentlich haben wir rund 200 000 Besucher in Frankfurt erwartet. Stattdessen wird der Ökumenische Kirchentag nun dezentral und digital stattfinden", sagt Christian Harms, Vorsitzender des Synodalvorstands des Dekants Runkel.

Phase

des Umbruchs

Am Samstagabend, 15. Mai, finden in Frankfurt und weit darüber hinaus Vorabendmessen und Abendmahlsgottesdienste statt. Außerdem planen die Organisatoren ein vielfältiges kulturelles Programm. Insgesamt rund 50 Veranstaltungen werden im Internet übertragen. Die verschiedenen Programmpunkte könne man am heimischen Computer, mit ein paar Freunden auf dem Balkon oder auch in Gruppen, Gemeinden, Verbänden, Werken und Institutionen miterleben. Dabei müsse natürlich auf die dann geltenden Corona-Regeln geachtet werden, so die gastgebenden Kirchen.

"Der dezentrale ökumenische Kirchentag ist Nachteil und Chance zugleich", sagt Peer Schmidt, Vorsitzender des Synodalvorstands des Dekanats Weilburg. Es bestehe nun die Gelegenheit, Leute zu erreichen, die normalerweise niemals auf die Idee kämen, einen Kirchentag zu besuchen. Ähnlich sieht das auch Dr. Georg Poell, Bezirksreferent des Katholischen Bezirksbüros Limburg. "Es ist weniger als erhofft, aber wir sollten die Chance nutzen", betont er.

Es sei gut, dass die Kirchen neue Wege in Zeiten der Corona-Pandemie gemeinsam gehen, sagt Harms. Die Konfessionen seien derzeit in einer Phase des Umbruchs. "Gerade deshalb ist ein Austausch untereinander wichtig", so Harms. Peer Schmidt ist der Meinung, dass die Bedürfnisse aller Menschen derzeit gleich seien, egal welcher Konfession sie angehören. "Wir wollen die Leute unterstützen und mitnehmen, anstatt sie zu verlieren", erklärt er.

Auch für Dispute

und Diskussionen da

Frankfurt sei laut den Gastgebern ein ganz spezieller Ort, um den dritten Ökumenischen Kirchtag auszurichten. "Die Stadt stellt die Konflikte der Gesellschaft besonders gut dar", sagt Harms. Die Mainmetropole ist für ihre vielen Banken und den Kampf um Macht sowie Geld bekannt. Auch solche Themen sollen während der viertägigen Veranstaltung angesprochen werden. "Der Kirchentag ist auch für Dispute und Diskussionen da. Genau deshalb ist er so wichtig", sagen die Vertreter des Katholischen Bezirksbüros Limburg und der evangelischen Dekanate des Landkreises übereinstimmend.

Bereits im Dezember des vergangenen Jahres wurde beschlossen, dass der ökumenische Kirchentag in digitaler und dezentraler Form ausgerichtet werden soll. "Die einzige Alternative wäre eine Absage gewesen, und das wollten wir absolut nicht", berichtet Poell. Eine Verschiebung sei nicht möglich gewesen.

Die Gastgeber bedauern, dass Zusammenkünfte auf dem "Markt der Möglichkeiten" und während des "Abends der Begegnung" wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können. "Bei diesen ursprünglich geplanten Programmpunkten hätten sicherlich einige Gruppierungen und Organisationen aus unserem Landkreis mitgewirkt", sagt Harms. Dennoch sind die Vertreter der Dekanate und des Katholischen Bezirksbüros froh, dass sie als Gastgeber ein Alternativprogramm anbieten können, welches die Menschen in der Corona-Pandemie näher zusammenführen soll.

Das Motto des dritten Ökumenischen Kirchentages lautet "Schaut hin". Der Aufruf stammt aus dem Markusevangelium. "Gerade in diesen schwierigen Zeiten tut hinschauen gut und ist wichtig. Man sollte die Menschen auffordern hinzuschauen anstatt wegzusehen", erläutert Christian Harms.

Gottesdienste zur Einstimmung

auf den Ökumenischen Kirchentag

Der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt, der vom 13. bis 16. Mai gefeiert wird, ist erst die dritte Veranstaltung dieser Art in Deutschland. Der erste Ökumenische Kirchentag wurde 2003 in Berlin veranstaltet. Das Motto lautete "Ihr sollt ein Segen sein". Es kamen über 200 000 Besucher. Der zweite Ökumenische Kirchentag fand 2010 unter dem Motto "Damit ihr Hoffnung habt" in München statt. Es gab mehr als 3000 Veranstaltungen an fast 600 verschiedenen Orten. Vor elf Jahren waren 125 000 Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt zu Gast.

Der dritte Ökumenische Kirchentag sollte eigentlich bereits 2019 abgehalten werden. Allerdings lag vor zwei Jahren keine Einladung eines katholischen Bistums oder einer evangelischen Landeskirche vor. Deshalb wurde die Veranstaltung auf das Jahr 2021 verschoben.

Im Mai diesen Jahres laden die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und das Bistum Limburg nun zum dritten Ökumenischen Kirchentag ein. Weitere Gastgeber sind die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Bistümer Mainz und Fulda sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hessen-Rheinhessen.

Am Sonntag, 7. Februar, sind alle Kirchengemeinden und Pfarreien in Deutschland dazu aufgerufen, einen Gottesdienst zur Einstimmung auf den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt zu feiern.

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