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Zauberer Massimo (links) schenkt dem künftigen Landrat Michael Köberle nach der richtigen Vorhersage des Wahlausganges symbolisch einen Zaubertrank. Im Hintergrund links der unterlegene Landratskandidat Jörg Sauer.

Landratswahl

Köberles Wahlsieg ist keine Zauberei

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Warum hat SPD-Kandidat Jörg Sauer die Landratswahl so deutlich verloren? Weil er in Bad Camberg, Hünfelden, Runkel und Villmar überraschend schwach abgeschnitten hat. Der neu gewählte Landrat Michael Köberle war nicht nur in den CDU-Hochburgen erfolgreich.

Sag mir, wo Du wohnst, und ich sag Dir, wo Du als Politiker die meisten Stimmen holst: Das gilt im Grunde bei fast jeder Wahl. In ihren jeweiligen Heimatgemeinden waren sowohl der mit knapp 58 Prozent zum neuen Landrat gewählte Michael Köberle(CDU) als auch der unterlegene SPD-Kandidat Jörg Sauer sehr erfolgreich.

  Hier holten die beiden Kandidaten ihr bestes Ergebnis: Kleiner Trost für Jörg Sauer: Er kann für sich in Anspruch nehmen, das mit Abstand beste Einzelergebnis geholt zu haben: 92 Prozent im Löhnberger Ortsteil Selters, wo Sauer nicht einmal wohnt (er kommt aus der Kerngemeinde), sich aber als früherer Bürgermeister offenbar viele Freunde gemacht hat. Die mit Abstand höchsten Stimmenanteile bekam Sauer in Löhnberg mit 84,4 Prozent. Der künftige Landrat Michael Köberle erzielte in seinem Limburger Heimat-Stadtteil Eschhofen das beste Ergebnis (knapp 83 Prozent) bei der Stichwahl am Sonntag.

  Hier bekamen die Kandidaten die wenigsten Stimmenanteile: Jörg Sauer schnitt mit 17,9 Prozent in Eschhofen am schlechtesten ab. Michael Köberle holte sein schlechtestes Ergebnis in Löhnberg (15,6 Prozent).

  In diesen Gemeinden hat die SPD eigentlich gar keine Chance: Der Westerwälder an sich ist konservativ und reagiert auf die politische Farbe Rot wie ein spanischer Stier: In den Westerwald-Gemeinden ist für die SPD fast gar nichts zu holen. Sein bestes Resultat erzielte Köberle in Dornburg, einer absoluten CDU-Hochburg, mit einem Gesamtergebnis von 71,3 Prozent; in Limburg betrug sein Stimmenanteil 65,5 Prozent.

  Die Oberlahn-Gemeinden sind für die SPD ein gutes Pflaster: Jörg Sauer setzte sich in den Gemeinden rund um Weilburg souverän durch – nicht nur, weil er aus der Region stammt, sondern weil die SPD dort traditionell deutlich stärker ist als in vielen Gemeinden im Altkreis Limburg. Am deutlichsten war Sauers Vorsprung in Löhnberg, klar siegte er in Weilburg, Merenberg und Weinbach mit jeweils mehr als 60 Prozent der Stimmen.

  Das waren die größten Überraschungen: Groß war der Jubel am Wahlabend bei der CDU im Limburger Kreishaus, als die Ergebnisse in Bad Camberg, Hünfelden, Runkel und Villmar bekannt wurden: Alles keine Hochburgen dieser Partei, und damit Kommunen, in denen Sauer deutlich besser hätte abschneiden müssen, um wenigstens eine kleine Sieg-Chance zu haben.

Im von einem SPD-Bürgermeister regierten Runkel hätte er zum Beispiel deutlich erfolgreicher sein müssen, doch knapp 62 Prozent der Runkeler Wähler sprachen sich für den CDU-Mann aus; nur im kleinen Eschenau bekam Sauer mehr Stimmen als Köberle.

Auch das Bad Camberger Ergebnis dürfte ihn schmerzen: Es reichte in der Kurstadt gerade einmal für knapp 37 Prozent. Das überrascht, weil in der Stadtverordnetenversammlung CDU (17 Stimmen) und SPD (15 Stimmen) fast gleichstark sind. In Villmar, eigentlich auch eher ein gutes Pflaster für die SPD, scheiterte Sauer, weil er sich in Kern-Villmar (mit den meisten Wahlberechtigten) nicht durchsetzen konnte. Auch die Wähler in Hünfelden hätten ihm gewogener sein müssen, um näher an Michael Köberle heranzurücken: Doch Sauer holte nur in Heringen mehr Stimmen als sein Kontrahent.

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