Selbsthilfe ist für Getrennte

So kommen Geschiedene unter Leute

Im Club der Geschiedenen, Getrenntlebenden und Verwitweten Limburg erfahren Menschen Gemeinschaft. Vorsitzender Eckhard Hermenau organisiert Reisen für sie alle. Untereinander verabreden sich die Singles zum Fahrradfahren oder Kegeln. Wer möchte, darf dann auch in Begleitung kommen.

Eine Burg haben sie schon besichtigt und eine Rheinfahrt gemacht, sie sind nach Weimar und Amsterdam gereist. Eckhard Hermenau ist der Vorsitzende des Clubs der Geschiedenen, Getrenntlebenden und Verwitweten Limburg. Ihm merkt man die Freude an, mit der er sich in dem Verein engagiert.

Begeistert erzählt er von seinen Filmen, die er begleitend zu den Fahrten gedreht hat. Mit seiner Drohne. „In 4k-Qualität“. Auch eine Internetseite hat er erstellt, um die er sich liebevoll kümmert. Seit sieben Jahren steht er bereits an der Spitze. Ein Jahr zuvor hatte er sich von seiner Frau getrennt.

100 Getrenntlebende, Geschiedene und Verwitwete im Alter von 45 bis 80 Jahren gehören dem Club an. 25 bis 70 von ihnen kommen jeweils, je nach Zeit und Lust, zu den Treffen. Die meisten von ihnen leben im Westerwald, in Idstein, Wiesbaden, Weilburg, der Limburger Kernstadt, Elz oder Diez. Die weiblichen Mitglieder sind leicht in der Überzahl. Im Verein finden sie neue Freunde. „Wir sind ein Runter-vom-Sofa-Verein“, sagt Hermenau. Zweimal im Monat unternehmen die Alleinlebenden etwas zusammen. Sie fahren Fahrrad oder kegeln. Im Winter besuchen sie Weihnachtsmärkte.

Während der allmonatlichen Treffen im Elzer Bürgerhaus herrscht eine fröhliche, ungezwungene Atmosphäre. Die Mitglieder bringen stets neue Ideen für zukünftige Unternehmungen mit ein. Sie sitzen beisammen und „quasseln“, wie Hermenau es nennt. Zwischendurch geht einer rum und sammelt die Anzahlungen für den nächsten Ausflug ein – nach Koblenz zum Beispiel.

Die meisten Aktivitäten sind für Mitglieder kostenlos. „Wir bespaßen die Leute nicht von morgens bis abends, aber wir haben ein Programm, und darauf freuen die sich.“ Seiner Ansicht nach ist Selbsthilfe für Geschiedene so wichtig, weil durch die Trennung von einem Lebenspartner das soziale Umfeld vieler Menschen zum Großteil verloren gehe. Wer etwas gegen die Einsamkeit tun wolle und befürchte, ein „Eigenbrötler“ zu werden, könne im Club der Geschiedenen neue Freunde finden, sagt er. Manche der Mitglieder sind seit der Gründung des Vereins dabei, seit 24 Jahren. Im Laufe der Zeit sind manche von ihnen ein Paar geworden oder haben abseits des Vereins einen neuen Partner gefunden. Doch halten sie ihm weiterhin die Treue.

Mit zunehmendem Alter der Mitglieder wandelte sich auch das Programm. „Wir konnten keine ausgedehnten Wanderungen mehr machen“, sagt Hermenau. Doch die Hofener Mühle besuchen sie trotzdem noch gerne. Wer nicht dorthin laufen möchte, kommt dann eben mit dem Auto oder dem E-Bike. Damals, erinnert sich Hermenau, als er sein flottes Rennrad gegen ein E-Bike getauscht habe, hätten sie ihn alle als einen „Warmduscher“ aufgezogen. Doch das sei ihm egal gewesen. Er kam den Berg auf seiner Heimstrecke von Hahnstätten nach Heringen wieder hoch, das war ihm wichtiger. Mittlerweile gibt es eine eigene E-Bike-Gruppe.

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