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Die Pfarrer Markus Stambke und Susanne Stock laden für Heiligabend auf den Limburger Marktplatz zum Autokino-Gottesdienst ein.

Kirche in Corona-Zeiten

Kreative Ideen für die Weihnachtsgottesdienste

  • vonRobin Klöppel
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Vom Autokino in Limburg bis zum Zirkuszelt in Dornburg. Die Anmeldungen starten

Limburg -Eine Schließung der Kirchen droht vor Weihnachten wohl in Hessen trotz Corona-Zeiten nicht. Trotzdem müssen aufgrund von Mindestabständen und damit niedrigerer erlaubter Zahl an Gläubigen in den Kirchen die Gemeinden anders feiern, als gewohnt. Manche von ihnen haben tolle Ideen entwickelt, so dass neue, spannende Formate an den Feiertagen stattfinden. Diese könnten möglicherweise sogar neue Interessenten für die Weihnachtsgottesdienste gewinnen, wie beispielsweise ein Autokino-Gottesdienst in Limburg auf dem Marktplatz, eine Christmette in Frickhofen im Zirkuszelt oder Online-Gottesdienste.

Der Sprecher des Bistums Limburg, Stephan Schnelle, sagt, dass den Gemeinden keine Vorgaben gemacht worden seien, außer die gültigen Corona-Regeln einzuhalten. Also müsse an Abstand, Hygiene und Höchstteilnehmerzahl von 100 gedacht werden. Zudem müsse dokumentiert werden, wer an den Gottesdiensten teilnehme. Die Gemeinden seien gebeten worden, bei allen Aktivitäten Gruppenbildungen zu vermeiden. In einigen Orten würden die Gottesdienste ins Freie verlegt, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren. Die Anmeldung startet bei fast allen katholischen Gemeinden am kommenden Montag.

Der katholische Bezirksdekan und Hadamarer Pfarrer, Andreas Fuchs, berichtet, dass auf ihn und seine Kollegen an den Feiertagen besondere Herausforderungen zukämen. "Bei mir fällt der Familienbesuch diesmal an Weihnachten aus", sagt Fuchs. Denn den auf die Feiertage folgenden Sonntag mit eingerechnet habe er an vier Tagen ab Heiligabend insgesamt zwölf Gottesdienste zu halten. Drei pro Tag sei auch die Höchstzahl, die er feiern dürfe.

Zahl der Messen

erhöht

Die Zahl der Gottesdienste in den einzelnen Pfarrorten sei, so Fuchs erhöht worden, damit jeder Interessierte eine Chance bekomme, an Weihnachten einen Platz zu bekommen. Von daher bittet Fuchs die Gläubigen, sich möglichst auf alle Feiertage zu verteilen und nicht unbedingt auf den besonders beliebten Heiligabend zu gehen.

Der katholische Pfarrer Steffen Henrich berichtet, dass bei ihm in Elz zwei statt einer Krippenfeier stattfinden und das auf dem Hirtenplatz statt drinnen, damit jeder Platz finde. Das Krippenspiel sollten diesmal Aktive des Theaters am Bach durchführen, die Abstände besser als Kinder einhalten könnten. In der Ferrutius-Gemeinde in Würges wird es, wie Gemeindereferentin Anne Schmitt erzählt, diesmal gar keine Krippenfeier geben. Stattdessen macht sie sich mit Erwachsenen wie Kindern von der Kirche aus auf einem Weg durchs Feld mit verschiedenen Stationen, die die aktuellen Entwicklungen einbeziehen. So müssen sich Maria und Josef vor Eintreten in die Herberge beispielsweise in eine Corona-Liste eintragen.

Bis zu 250 Autos

können kommen

Der evangelische Dekan Manfred Pollex des Dekanats Runkel ist begeistert, was sich einzelne Gemeinden für die Weihnachtstage haben einfallen lassen. Der Limburger Pfarrer Markus Stambke hatte beispielsweise zusammen mit seiner Staffeler Kollegin Susanne Stock eine Idee, die, wie er sagt, "verrückt und cool gleichzeitig ist und die einfach so angeflogen kam". Die beiden haben sich Gedanken gemacht, wie trotz Corona dem Sinn des Festes entsprechend möglichst viele Gläubige zusammenkommen können, ohne dass sie sich in Gefahr bringen und ohne aufs Singen verzichten zu müssen. Die Lösung ist ein Autokino, das auf dem Limburger Marktplatz mit bis zu 250 Autos stattfinden soll. 70 Auto-Anmeldungen lägen bereits vor.

"Wenn vorher absehbar ist, dass es zu viele werden, machen wir gerne an Heiligabend noch einen zweiten Autokino-Gottesdienst", sagt Stock. Zudem werde der Gottesdienst per Livestream übertragen. Stambke berichtet, dass dieser mit Großleinwand und Bühne 6000 Euro koste, aber die beiden Kirchengemeinden dadurch entlastet würden, dass durch Firmenspenden 3000 Euro abgedeckt seien und auch Dekanat und Landeskirche ihren Beitrag leisteten.

Pfarrer Johannes Jochemczyk erzählt, dass in Frickhofen an Heiligabend die Vespergottesdienste mit Krippenspiel in einem echten Zirkuszelt stattfinden. Mit dem Wiesbadener Zirkus Baldini sei eine Aktion zu den Ferienspielen geplant gewesen, sagt der Geistliche. Die sei ausgefallen, doch an den Zirkus habe man sich erinnert, als das Gespräch darauf gekommen sei, wie man genügend Platz für die Gottesdienstbesucher schaffen könne. Jochemczyk denkt, dass ein Gottesdienst in einer Zirkusmanege eine besondere Atmosphäre biete und ein neues Publikum in die Kirche holen könne.

Die evangelische Pfarrerin aus Seelbach, Barbara Häuser, veranstaltet Gottesdienste im Freien in Seelbach und Aumenau, denn in den Kirchen sei zu wenig Platz. Außerdem zeichnet sie mit vielen in ihrer Gemeinde Aktiven im Vorfeld der Feiertage einen Online-Gottesdienst auf, der ab Heiligabend abrufbar sein wird. Häuser hofft, dass Kinder oder Enkel den älteren Menschen helfen werden, den Online-Gottesdienst daheim anschauen zu können.

Martin Mohr, Diözesansekretär der Katholischen Arbeiterbewegung für den Bezirk Limburg, bittet alle Gemeinden, neben Online- auch Telefonanmeldungen für die Weihnachtsgottesdienste zu gestatten, weil man sonst gerade viele ältere Gemeindemitglieder ausschließe. Anmelden fürs Autokino an Heiligabend um 17 Uhr kann man sich unter (0 64 31) 84 80 und 63 95 oder per E-Mail an kirchengemeinde.limburg@ekhn.de. Für die Teilnahme in Frickhofen im Zirkuszelt an Heiligabend um 15 oder 17 Uhr ist das Pfarrbüro Frickhofen erreichbar unter (0 64 36) 9 10 61 oder E-Mail an ev.pfarramt.frickhofen@ekhn.de.

Die Gottesdienste

im Limburger Dom

Zu den Gottesdiensten an Weihnachten im Limburger Dom kann man sich im Pfarrbüro der Domgemeinde St. Georg ab dem 14. Dezember unter (0 64 31) 9 29 79 90 anmelden. n Heiligabend, am ersten und am zweiten Weihnachtsfeiertag werden Gottesdienste per Livestream auf dem Youtube- und Facebookkanal des Bistums übertragen. "Weihnachten findet statt, es fällt nicht aus", sagt Bischof Dr. Georg Bätzing. "Aber wir ahnen alle und werden es sehen, Weihnachten in diesem Jahr wird ganz anders werden als wir es kennen. Das gilt für die Feiern mit der Familie und für die Gottesdienste. Da ist viel Kreativität gefordert, dass viele auch durch den Gottesdienst zu Weihnachten gestärkt sind."

Folgende Gottesdienste sind geplant:

24. Dezember:

Dom: 14 und 15 Uhr: Kinderkrippenfeier

Dom: 17 Uhr Christmette mit Bischof Bätzing (Livestream)

Dom: 22 Uhr Christmette mit Dompfarrer Gereon Rehberg

25. Dezember:

Stadtkirche: 9 Uhr Hirtenmesse

Dom: 10 Uhr Pontifikalamt mit Bischof Bätzing (Livestream)

Dom: 17 Uhr Pontifikalvesper

26. Dezember:

Dom: 10 Uhr Pontifikalamt mit Weihbischof Dr. Thomas Löhr (Livestream)

Dom: 18.30 Uhr Abendmesse

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