Justizia
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Prozess gegen einen 24 Jahre alten Mann im Kreis Limburg.

Verhandlung vor dem Limburger Landgericht

Nach Messerattacke in die Psychiatrie

24-Jähriger hörte Stimmen, die ihm den Angriff befahlen

Limburg Weil ein 24-Jähriger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg während einer Drogenentzugsbehandlung in der Vitos-Klinik in Hadamar einen Sozialarbeiter angegriffen und verletzt hatte, hat die 5. Große Strafkammer am Limburger Landgericht unter dem Vorsitz von Richter Marco Schneider nun seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Der Aufenthalt dort kann ein bis drei Jahre dauern.

Der Angeklagte war im vergangenen November nach dem Konsum von Amphetaminen in die Vitos-Klinik eingeliefert worden. Dies war bereits sein elfter Aufenthalt in dieser Klinik. Am Morgen des 13. November 2019 betrat der junge Mann dann unangemeldet das Büro des Sozialarbeiters, verschloss die Tür, stürzte sich auf den überraschten Mann und verletzte diesen mit einem Messer, das er zuvor vom Frühstückstisch mitgenommen hatte. Als Grund für die Tat nannte der Mann im Prozess Stimmen, die ihm den Angriff befohlen hätten.

Nach dem Sachverständigengutachten von Dieter Jöckel leidet der Angeklagte seit seinem 15. Lebensjahr unter einer unspezifischen Schizophrenie. Diese Erkrankung wurde durch den Drogenkonsum verstärkt. Insbesondere die von dem 24-Jährigen geschilderten imperativen Stimmen, die zu dem Angriff auf den Sozialarbeiter geführt haben sollen, würden keinen Zweifel mehr an einer Schizophrenie lassen. Die Symptome der Krankheit hätten sich im November 2019 einerseits durch die Weigerung, seine Medikamente einzunehmen und andererseits durch den Drogenkonsum verschlimmert.

Krankenschwestern ins Gesicht geschlagen

Die Eltern des Angeklagten hatten dies erkannt und Hilfe in der Klinik gesucht. Dass der Patient sich dort derart aggressiv verhalten und eine Fremdgefährdung darstellen würde, habe man in der Klinik nicht gesehen.

Nach der Attacke auf den Sozialarbeiter wurde der Patient in eine andere Vitos-Klinik verlegt. Dort hatte niemand mit weiteren aggressiven Handlungen gegen Dritte gerechnet. Tatsächlich jedoch reagierte der Patient auch dort aggressiv: Zwei Krankenschwestern schlug er mit der Faust ins Gesicht, weil diese ihn angeblich verärgert hatten.

Auch wenn der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt bereits medikamentös eingestellt war, vertrat der Sachverständige die Meinung, dass die Schizophrenie Anlass für die Körperverletzung gewesen sei. Somit müsse - wie auch bei der Attacke - eine Schuldunfähigkeit angenommen werden.

Der Sachverständige machte klar, dass bei dem 24 Jahre alten Mann therapeutisch zunächst die Gefährlichkeit für erneute Angriffe auf Dritte ausgeschlossen werden müsse. Für diese Behandlung stellte er einen Zeitraum von einem bis drei Jahre in den Raum. Kerstin Kaminsky

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