Studie 

Komasäufer im Landkreis werden immer jünger

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In Hessen geht die Zahl der jugendlichen Komasäufer zurück, im Landkreis Limburg-Weilburg nimmt sie zu. Und die Alkoholleichen, die im Krankenhaus landen, werden nicht nur mehr, sondern auch jünger.

Kreis Limburg-Weilburg - Für die Mitarbeiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im Limburger Krankenhaus stellt sich zweimal im Jahr die K-Frage; in der Karneval- und in der Kirmessaison. Wie viele Jungen und Mädchen werden wohl diesmal als Alkoholleichen eingeliefert? „In der närrischen Zeit ist es immer schlimm“, sagte ZNA-Leiter Dr. Peter Sahmer gestern dieser Zeitung. „Wir sind auf alles vorbereitet.“

Er spricht aus leidvoller Erfahrung. Die Zahl der Jugendlichen, die wegen eines Vollrauschs im St. Vincenz versorgt werden mussten, nimmt kontinuierlich zu. Interessanterweise im Gegensatz zum Bundes- und Hessentrend. Woran das liegen könnte, kann freilich weder der Mediziner noch sonst jemand erklären.

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Die Fakten: Im vergangenen Jahr wurden in der Limburger Klinik 26 sogenannte Komasäufer zwischen 13 und 17 Jahren behandelt (zehn ambulant, 16 stationär). 2017 waren es 25 im Alter von 14 bis 17 Jahren (13 ambulant und 12 stationär), 2015 nur 17.

Um die 1,5 Promille

Im Vorjahr mussten auch zwei 13-jährige Buben mit einer Alkoholvergiftung stationär aufgenommen werden; außerdem drei Jungen und ein Mädchen im Alter von 14. Sie hatten in der Regel um die 1,5 Promille im Blut. Viele Erwachsene kommen damit noch einigermaßen klar, aber, so Sahmer, eine zierliche 14-Jährige, die zum ersten Mal eine Flasche Sekt getrunken hat, „wirft das um“.

Der Leiter der Notaufnahme berichtet von zwei weiteren anhaltenden Trends. Freunde würden nicht nur aus berechtigter Sorge oder vorsichtshalber den Notarzt rufen, sondern manchmal auch deshalb, um die Verantwortung abschieben und in Ruhe weiterfeiern zu können. Einige Betroffene und Angehörige ließen zudem ihren Frust am Personal ab und die meisten Eltern schieben am liebsten anderen die Schuld für das Verhalten ihres Kindes in die Schuhe. „Wir hören ständig, mein Sohn hat kaum etwas oder nichts getrunken, ihm ist etwas ins Glas geschüttet worden“, sagt Peter Sahmer.

Anstieg von 22,7 Prozent

Laut einer Studie der DAK sind in den beiden Krankenhäusern im Kreis (Limburg und Weilburg) sind 2017 insgesamt 27 Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren behandelt worden, im Jahr davor waren es 22. Das ist ein Anstieg von 22,7 Prozent. 

In Hessen verringerte sich die Quote um neun Prozent (von 1213 auf 1103). 2017 waren deutlich mehr Jungen als Mädchen betroffen (im Kreis 16 gegenüber elf), 2016 waren es jeweils elf.

Infobox: Kunst gegen Komasaufen: Schulen sollen Thema im Unterricht behandeln

„Kunst gegen Komasaufen“: Unter diesem Motto startet die DAK-Gesundheit jetzt ihre Kampagne „bunt statt blau“ 2019 zur Alkoholprävention für den Kreis Limburg-Weilburg. Im zehnten Jahr sucht die Krankenkasse die besten Plakate gegen das Rauschtrinken.

Alle Schulen im Landkreis sind eingeladen, das Thema Alkoholmissbrauch im Unterricht zu behandeln und ihre Schüler bis 31. März Plakate dagegen entwerfen zu lassen. (Abgabe beziehungsweise Einsendungen: DAK, Neumarkt 4, 65549 Limburg). Verbunden mit der Kampagne ist die „Aktion Glasklar“, die seit 14 Jahren Schüler, Lehrer und Eltern über Alkohol aufklärt. „Wichtige Gesundheitsthemen wie dieses sollten im Schulalltag diskutiert werden“, sagt Miriam Ilzhöfer, Leiterin der DAK-Gesundheit in Limburg. „Bei ,bunt statt blau‘ werden junge Künstler selbst zu glaubwürdigen Botschaftern gegen das Rauschtrinken. Das macht diese Kampagne so besonders.“

Seit 2010 haben bundesweit mehr als 95 000 junge Künstler bunte Plakate gegen das Komasaufen gestaltet, darunter auch viele aus dem Kreis Limburg-Weilburg. Die Kampagne wird von Politikern, Suchtexperten und Künstlern unterstützt. „Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, exzessives Trinken gehöre zum Feiern dazu. Die Aufklärung über die Gefahren eines riskanten Alkoholkonsums gelingt mit dem Wettbewerb sehr gut“, erklärt Ilzhöfer. „Mit ihren bunten Plakaten bekennen die jungen Künstler Farbe. So kommen Schüler und Lehrer bei dem schwierigen Thema Alkoholmissbrauch neu ins Gespräch.“

(pm)

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