Mit ihrem Zug durch Limburg setzten 150 Ostermarsch-Teilnehmer ein Zeichen für Frieden.
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Mit ihrem Zug durch Limburg setzten 150 Ostermarsch-Teilnehmer ein Zeichen für Frieden.

Auch Kritik am "Russland-Bashing"

"Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit"

  • vonRobin Klöppel
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150 Teilnehmer beim Ostermarsch in Limburg, Forderung nach Menschenrechten "weltweit" erhoben.

Limburg -An die 150 Personen haben sich Karsamstag am Ostermarsch in Limburg beteiligt, um bei einem Gang durch die Innenstadt vom Bahnhof bis zum Europaplatz zu einer friedenspolitischen Wende aufzurufen. Insgesamt 30 Organisationen und 50 Einzelpersonen aus der Region hatten dazu aufgerufen. Mitorganisatorin Marita Salm erklärte in ihrer Eingangsrede: "Wir wollen Frieden, Abrüstung und internationale Verständigung. In Coronazeiten brauchen wir Frieden erst recht."

Marita Salm sagte, dass die Organisatoren zunächst Zweifel gehabt hätten, ob der Ostermarsch in der aktuellen Coronalage überhaupt stattfinden solle. "Wir gehen verantwortungsvoll auf die Straße, akzeptieren aber auch, wenn diesmal einige nicht mitkommen", versicherte sie. Salm betonte, dass die Gruppe dieses Jahr außerhalb der eigenen Blase wieder nicht sichtbar gewesen wäre, wenn sie den Ostermarsch nach 2020 erneut nicht hätte stattfinden lassen. Gerade die Pandemie zeige, dass es wichtig sie, sich öffentlich für Frieden und internationale Völkerverständigung einzusetzen.

"Jeder Euro für

die Rüstung ist falsch"

Die Bündnis-Vertreterin erklärte, dass jeder Euro Investition in die Rüstung falsch sei. Besser investiert sei das Geld in der Corona-Bekämpfung. Impfstoffe müssten global produziert und verteilt werden. Es müsse, so Salm, sichergestellt werden, dass sich die Impfstoffe selbst das ärmste Land leisten könne. Sie sagte auch, dass eine Umfrage von Greenpeace zeige, dass 80 Prozent der Bevölkerung sämtliche Atomkraft aus Deutschland raushaben wolle.

Ihr Mann Harff-Dieter Salm, der für das Bündnis Courage gegen Rechts sprach, berichtete, dass der ehemalige Bundeswehr-General Harald Kujat auf die Frage, ob wir vor einem neuen Kalten Krieg stehen würden, geantwortet habe, dass wir an der Schwelle zu einem heißen krieg stehen würden. Salm: "Fast jede Woche gibt es neue Spannungsherde. Mal wird ein iranischer General ermordet, dann ein Atomphysiker, mal fliegt eine Drohne irgendwohin, mal bombardiert der israelische Ministerpräsident Netanjahu Ziele in Syrien, mal explodiert eine saudische Ölraffinerie, oder es marschiert die Türkei in Nordsyrien oder im Irak ein. Jedes dieser Ereignisse ist ein Funke der die große Explosion auslösen könnte."

Für den Bündnis-Vertreter ist Krieg vor allem die Durchsetzung ökonomischer und politischer Interessen mit anderen Mitteln. Harff-Dieter Salm fragte sich, warum für die Bundesregierung Alexej Nawalny ein Held sei und Julian Assange hingegen ein Verbrecher. Und warum sei Putin ein Mörder, Biden aber kein Folterknecht? Man könne russische Oligarchen genauso unappetitlich wie unsere finden. Doch das Russen-Bashing Deutschlands habe nichts mit Menschenrechten zu tun. Wenn schon Menschenrechte, dann weltweit und vor allem bei uns, in Moria und Minneapolis, in Dessau und Hanau.

Mehr diplomatische

Anstrengung

Simon Lissner sagte für "Wir sind mehr": "Deutschland und auch Europa müssen den Weg der Abrüstung und Deeskalation einschlagen." Es würden keine Kriegs- und Militäreinsätze gebraucht, sondern mehr diplomatische und politische Anstrengungen der Konfliktbewältigung.

Manfred Backhaus von der Deutschen Friedensgesellschaft erklärte, es sei höchste Zeit, etwas zu tun. Vor lauter Corona in der öffentlichen Debatte bekomme man kaum noch mit, dass es im vergangenen Jahr 21 registrierte Kriege weltweit und damit sechs mehr als 2019 gegeben habe, vor allem in Ländern der Sub-Sahara. Der Krieg in Syrien seit schon im elften Jahr. Die Zerstörung von Krankenhäusern, Schulen und Infrastruktur bleibe lange bestehen. Der Hunger und das Verhungern von Menschen würden zunehmen. Die Bundesregierung zahle zwar 1,7 Milliarden Euro in den Syrien-Hilfsfond ein, jedoch seien vorher lukrative Waffengeschäfte mit kriegsführenden Staaten getätigt worden. Sein Fazit: "Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitarbeiten."

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