Harald Kirchner (links) ist einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die die Essenstüten an Bedürftige ausgeben. Ein Betreten der engen Räumlichkeiten ist derzeit nicht möglich. Stattdessen gibt es fertig gepackte Beutel.
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Harald Kirchner (links) ist einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die die Essenstüten an Bedürftige ausgeben. Ein Betreten der engen Räumlichkeiten ist derzeit nicht möglich. Stattdessen gibt es fertig gepackte Beutel.

Soziale Einrichtung

"Lädchen" in Limburg ist wieder für seine Kunden da

  • vonRobin Klöppel
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Einrichtung der Obdachlosenhilfe war wegen Corona sechs Wochen geschlossen. Sonderwünsche können aber nicht berücksichtigt werden.

Limburg -Das Limburger "Lädchen" des Förderkreises Obdachlosenhilfe Limburg in der Gartenstraße (direkt gegenüber des Kreissozialamts) ist nach einer selbstgewählten sechswöchigen Corona-Pause wieder für Bedürftige da. Betroffene aus Limburg und Umgebung können sich nun wieder jede Woche dienstags ab 14 Uhr und freitags ab 15 Uhr kostenlos Lebensmittel abholen.

"Beschwert hat sich über die zwischenzeitliche Schließung niemand bei uns", sagt der Vorsitzende Georg Fritz. Denn die heimische Foodsharing-Initiative habe die Lücke überbrückt und in den vergangenen Wochen Lebensmittel weiter an die Stammkundschaft des "Lädchens" verteilt. Laut Fritz hätte dieses aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht zwingend schließen müssen, da die Lebensmittelversorgung ja vom Öffnungsverbot ausgenommen gewesen sei.

Einige der ehrenamtlichen Mitarbeiter hätten jedoch aufgrund der Corona-Gefahr eine Pause einlegen wollen. Mittlerweile sei aber der Beschluss gefasst worden, wieder zu öffnen. Das System wurde jedoch ein wenig verändert. Die 60 bis 70 Kunden pro Termin kämen vorerst nicht in das kleine "Lädchen", um sich dort ihre benötigten Lebensmittel selbst auszuwählen. Der kleine Raum sei unter den aktuellen Hygienevorschriften für mehrere Kunden gleichzeitig zu klein und bleibt deshalb geschlossen. Die Lebensmittel werden momentan von einem Tisch an der Grundstücksgrenze zur Straße verteilt. Die Kunden warten davor auf dem Bürgersteig mit dem vorgegebenen Abstand.

Vor der Ausgabe packen die ehrenamtlichen Helfer Tüten, die sie dann an die Bedürftigen ausgeben, erklärt Fritz. Derzeit könnten Sonderwünsche nicht berücksichtigt werden. Tüten während der Ausgabe umzupacken, gehe einfach nicht. Deshalb müssen die Kunden eben damit leben, dass das eine oder andere Produkt in der Tüte ist, das einem selbst nicht schmeckt. So war eine Frau mit dem Inhalt der Tüte nicht einverstanden und ging sauer ohne Lebensmittel wieder von dannen. "Da scheint die Not offenbar nicht so groß gewesen zu sein", meint Teamleiterin Mechthild Hess.

Georg Fritz sagt, dass wir in einem Land leben würden, wo eigentlich niemand verhungern sollte. Dennoch gebe es Armut in Deutschland, Menschen, die nach dem halben Monat kein Geld mehr hätten und froh seien, dann noch im Limburger "Lädchen" Lebensmittel zu bekommen.

Der Vorsitzende des Förderkreises Obdachlosenhilfe ist froh, dass auch in Corona-Zeiten die heimischen Supermärkte weiter genügend nicht mehr benötigte Lebensmittel spenden. Mechthild Hess betont, dass die meisten Lebensmittel noch lange nach Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums verwendet werden können. Natürlich sortieren die Ehrenamtlichen alles aus, was sie als nicht mehr für den Verzehr geeignet ansehen. Letztlich sei aber jeder selbst verantwortlich, Ware aus dem "Lädchen" vor dem Verzehr zu kontrollieren. Eine Haftung könne der Verein nicht übernehmen.

Körperlich

anstrengend

Die meisten Kunden sind aber dankbar für die Hilfe und so käme es für Mechthild Hess nie infrage, ihr Ehrenamt aufzugeben, solange sie den Dienst noch körperlich leisten kann. Am Tag vor der Essensausgabe hat sie am Nachmittag mit drei Kollegen noch vier Stunden gesessen, um die angekommene Ware in Tüten zu packen. Georg Fritz sagt, dass die Mitarbeiter trotz Corona weiterhin zu zweit im Lieferwagen die Ware bei den Geschäften abholen würden. Auch wenn sie dadurch nebeneinander im Wagen sitzen müssten. Denn alleine könne niemand die Lebensmittel abholen.

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage ist die Kundenzahl des "Lädchens" nach Fritz' Angaben geringer als sonst, und so blieb Dienstag einiges übrig. Weggeschmissen wird die Ware aber nicht. "Wir geben die Sachen ans Foodsharing weiter", erklärt Mechthild Hess. Wichtig sei, dass die Lebensmittel nicht verschwendet und weggeschmissen würden. Die Teamleiterin bezeichnet ihr Ehrenamt als körperlich sehr anstrengend. Sie spüre das Heben der schweren Kisten noch zwei Tage später, sagt sie. Aber die Kundenkontakte machten ihr so viel Freude, dass weitermache, solange sie könne. "Mir geht es gut und da wollte ich etwas für andere tun", berichtet sie über den Grund ihres Engagements. Man erfahre mit der Zeit viel über das Leben der Kunden, sagt sie.

Mit Mundschutz, Handschuhen und dem nötigen Abstand zur Kundschaft fühlt sie sich bei der Ausgabe nicht gefährdet. Ihre Kollegin Mechthild Schmitt sagt: "Der Kontakt mit Menschen macht mir Spaß. Da ich Zeit habe, kann ich damit etwas Sinnvolles tun." Sie war vorher im Treff "Oase" der ehemaligen Staffeler Flüchtlingsunterkunft aktiv.

Kontakt:

Wer neu auf die Kundenliste des "Lädchens" möchte oder im Team ehrenamtlich mitarbeiten will, erreicht Georg Fritz unter (0 64 33) 33 93.

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