Die Villmarer Landwirte Karl-Heinz Fluck und Christian Laux sowie dessen Tochter Lena, die selbst einmal Landwirtin werden möchte, kritisieren das Insektenschutzpaket des Bundes.
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Die Villmarer Landwirte Karl-Heinz Fluck und Christian Laux sowie dessen Tochter Lena, die selbst einmal Landwirtin werden möchte, kritisieren das Insektenschutzpaket des Bundes.

Kritik an Insektenschutzpaket

Landwirte: "Wir löffeln die Suppe alleine aus"

  • vonTobias Ketter
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Einige Bauern im Landkreis Limburg-Weilburg fürchten um ihre Existenz.

Limburg -Nach langem Ringen hat das Bundeskabinett vergangene Woche ein Insektenschutzpaket verabschiedet. Es besteht aus dem Insektenschutzgesetz des Bundesumweltministeriums und der Pflanzenschutzanwendungsverordnung für die das Bundeslandwirtschaftsministerium zuständig ist. Viele Landwirte kritisieren die neuen Regelungen. Einige Bauern im Landkreis Limburg-Weilburg fürchten nun sogar um ihre Existenz.

Um die Insekten zu schützen, wird nun unter anderem in Biotopen und Naturschutzgebieten der Einsatz von Herbiziden sowie Insektiziden verboten. In sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH-Gebieten) gilt das Verbot vorerst nur für Grünland und den Wald. Für Ackerflächen in diesen Regionen wurde eine Übergangszeit bis 2024 festgelegt. Der umstrittene Einsatz von Glyphosat wird erheblich eingeschränkt und in vier Jahren komplett untersagt, falls zu diesem Termin die EU-Zulassung nicht verlängert wird.

"Es fehlt die wissenschaftliche Expertise", sagt Marco Hepp, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Limburg-Weilburg, mit Blick auf das Gesetzespaket. Lediglich ein Rückgang der Insektenpopulation sei als Grundlage herangezogen worden. Selbst dieser werde aber von einigen Studien durchaus angezweifelt. In keinster Weise seien jedoch die Ursachen für einen möglichen Rückgang untersucht worden, um dann den wahren Gründen etwas entgegensetzen zu können.

Wert des Bodens

geht zurück

"Die Ursachen liegen aus Sicht derer, die mit der Natur zusammenarbeiten und die Zusammenhänge kennen und verstehen, in der Zerstörung der Natur und nicht in deren Nutzung", so Hepp. Durch den Flächenverbrauch, das Konsumverhalten sowie durch immer höhere Emissionen sei die gesamte Gesellschaft, und eben nicht nur die Bauern, für das Insektensterben mitverantwortlich. "Diese Ursachen wirklich zu bekämpfen, findet jedoch keine politischen Mehrheiten. Deshalb müssen wir Landwirte die Suppe alleine auslöffeln", sagt Hepp.

Durch die Anwendung einer Verordnung falle die Möglichkeit weg, Insektenschutz durch die Landwirtschaft zu vergüten. Etwas, was sowieso gesetzlich vorgeschrieben ist, könne nicht staatlich gefördert oder vergütet werden, erklärt der Vorsitzende der Kreisbauernverbandes. "Daher könnte in den Gebieten mit Anwendungsverboten sogar Ökolandbau unmöglich werden", erklärt Hepp weiter.

Das Insektenschutzpaket bedeute deutlich eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten und geringere Erträge ohne finanziellen Ausgleich für die Landwirte in den Schutzgebieten. "Aber nicht nur die Erträge sinken für die betroffenen Betriebe. Auch der Wert des Bodens der Bauern geht zurück", sagt Hepp. Da die Flächen nicht mehr kostendeckend zu bewirtschaften seien und auch als Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen nicht mehr herangezogen werden könnten, werde der Wert auf einen Bruchteil des Normalwertes abschmelzen.

"Die Landwirte werden also nicht nur in ihrer Ertragskraft beschnitten, sondern auch noch enteignet", befürchtet der Chef des Kreisbauernverbandes. Die neuen Gesetze seien ein weiteres Bürokratiemonster mit zweifelhaftem Nutzen für den Insektenschutz. "In diesem Punkt sind wir Landwirte uns sogar mit den Naturschützern einig", sagt Hepp.

Auch die Villmarer Bauern Karl-Heinz Fluck und Christian Laux stehen dem neuen Insektenschutzpaket kritisch gegenüber. "Einige Kulturen können aufgrund der Gesetze dann schlichtweg nicht mehr angebaut werden. Besonders davon betroffen ist der Raps", sagt Fluck. Auch beim Mais könne es zu Schwierigkeiten kommen. "Dadurch entstehen Problemen bei der Fruchtfolge", ergänzt Laux. Unter der Fruchtfolge wird die zeitliche Abfolge der auf einer landwirtschaftlichen Fläche angebauten Nutzpflanzenarten im Ablauf der Vegetationsperiode verstanden. Die Fruchtfolge soll die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig erneuern und erhalten. Sie gilt als wichtiger Bestandteil des modernen Agrarmanagements.

Planungssicherheit

fehlt

Rund 400 Hektar Fläche in Villmar, Niederbrechen, Runkel und Lindenholzhausen fallen laut der beiden Landwirte unter die neuen Verordnungen. Der Wert dieser Flächen werde stark sinken. "Es fühlt sich an wie eine Enteignung", sagen die beiden Villmarer. Laux sieht sogar die Existenz einiger Landwirte gefährdet. "Die Erträge gehen durch die Gesetze deutlich zurück und die Qualität leidet auch darunter", befürchtet er. Fluck sieht das ähnlich: "Die Erträge sind jetzt schon knapp und durch die neuen Regeln wird es dann wirklich eng für uns Landwirte", sagt der 60-Jährige.

Durch die vielen politischen Nachbesserungen und teilweise schwer nachvollziehbaren Gesetzesänderungen im Kampf für den Umweltschutz gebe es für die Bauern derzeit keine Planungssicherheit. "Wir wissen nicht wirklich, was als Nächstes passiert", so Laux. Außerdem klagen die beiden Villmarer über das Verhältnis zwischen den Landwirten und den Verbrauchern. Dieses sei momentan gestört. "Einige Leute verstehen die Haltung von uns. Viele andere stehen uns allerdings auch sehr kritisch gegenüber. Eine neutrale Einstellung gegenüber den Bauern gibt es kaum noch", erklärt Laux.

Auch seine zwölfjährige Tochter Lena hat das schon zu spüren bekommen. "In der Schule ist sie von anderen Kindern schikaniert worden, weil diese die Meinung vertreten, dass wir Bauern Tierquäler sind", sagt Christian Laux. Lena möchte selbst Landwirtin werden. Allerdings schaut sie mit großen Sorgen in die Zukunft. "Es gibt immer mehr zweifelhafte Auflagen und Überprüfungen, die uns das Leben erschweren. Wenn das so weiter geht, wird die landwirtschaftliche Arbeit sicher noch schwieriger", so die Zwölfjährige.

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