Vor dem Landgericht begann am Donnerstag der Prozess um einen versuchten Totschlag im "Musikpark".
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Vor dem Landgericht begann am Donnerstag der Prozess um einen versuchten Totschlag im "Musikpark".

Angeklagter sagt nichts zum Tatvorwurf

Lebensgefährliche Attacke in der Disco

Opfer und Rechtsmediziner äußern sich beim Prozessauftakt vor dem Limburger Landgericht.

Limburg -Für einen heute 29 Jahre alten Koch aus Wallmerod sollte es der Ausklang des langen Arbeitstags sein. Gegen Mitternacht traf er sich mit einem Freund in der Staffeler Discothek "Musikpark". Die Stimmung war entspannt, die jungen Männer tranken und unterhielten sich gut. Doch gegen 3 Uhr des 26. August 2018 kam es zu einem tumultartigen Handgemenge, bei dem der junge Mann vermutlich mit einer abgebrochenen Bierflasche lebensgefährlich verletzt wurde. Und nicht nur das. Bereits blutend und am Boden liegend soll der Geschädigte noch mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf traktiert worden sein.

Im am Donnerstag eröffneten Prozess vor der Schwurgerichtskammer am Limburger Landgericht unter Vorsitz von Andreas Janisch soll nun geklärt werden, ob ein jetzt 24-Jähriger aus Limburg die Tat begangen hat. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag tateinheitlich mit schwerer Körperverletzung vor.

Zu dem Tatvorwurf selbst wollte der Angeklagte gestern keine Stellung nehmen. Doch beschrieb er sich selbst als sozial engagiert, ausgeglichen und ohne Kontakt zu Drogen. Auch aus Alkohol mache er sich nicht viel.

"Der war einfach

nur auf Stress aus"

Der Geschädigte sagte aus, er haben kurz vor dem Gewaltausbruch telefonisch erfahren, dass er am nächsten Tag zeitig arbeiten muss. Als er sich von seinem Freund verabschieden wollte, sei er grundlos einem anderen Gast beschimpft und bedrängt worden. "Der war einfach nur auf Stress aus", beschrieb der 29-Jährige die fast drei Jahre zurückliegende Situation, die sich im Raucherbereich abgespielt hatte.

Kaum hatte er den Angreifer von sich geschoben, fühlte er einen Schlag auf den Hinterkopf und drehte sich um. Der Einzige in seiner unmittelbaren Nähe sei der Angeklagte gewesen. "Diese hasserfüllten Augen lassen mich bis heute nicht los", sagte der heute 29-Jährige mit Blick auf den Angeklagten. Ob der Mann eine Flasche in der Hand hielt, kann der Geschädigte aber nicht mit Bestimmtheit sagen. Doch kaum hatte er sich wieder abgewendet, kam der nächste Schlag schräg von hinten. "Ich habe was Nasses gespürt und ging in den Waschraum, wo ich im Spiegel das viele Blut entdeckte", erinnerte er sich beim Prozessauftakt.

In der Hoffnung, dass sein Freund ihn ins Krankenhaus begleiten würden, ging der Verletzte in den Raucherraum zurück. Dort brach er zusammen. Am Boden liegend sei er dann mehrfach getreten worden, bevor er sich aufrappeln und die Discothek verlassen konnte. Der Notarzt trakamf ihn noch bei Bewusstsein an, doch nur wenig später wurde er aufgrund des hohen Blutverlustes ohnmächtig und kam erst nach einer Notoperation im Limburger Krankenhaus wieder zu sich.

Gefäßverletzung

war lebensbedrohlich

Ein Rechtsmediziner, der den Patienten zwei Tage nach dem Vorfall begutachtet hatte, stellte vier wesentliche Wunden an Kopf und Hals fest. Da diese jedoch bereits vernäht waren, ließe sich nicht differenzieren, welche von Schnitten und welche von stumpfer Gewalt herrühren.

Lebensbedrohlich sei die Gefäßverletzung der Schlüsselbeinarterie und einer begleitenden Vene gewesen, so der Rechtsmediziner. Binnen weniger Stunden hätte der junge Mann verbluten können.

Eine unvollständige kreisrunde Verletzung im Durchmesser von etwa fünf Zentimetern neben der Augenbraue ließe auf einen Flaschenboden schießen, sagte der Rechtsmediziner. Möglicherweise sei bei dieser Attacke das Glas zerbrochen, so dass der Angreifer nun eine scharfe Waffe verwendete. Eine glattrandige, etwa sieben Zentimeter lange, längs verlaufende Verletzung am Hals und eine weitere, etwa sechs Zentimeter lange Verletzung oberhalb des rechten Schlüsselbeins legten diese Vermutung nah. Die Wunde am Kinn könne aber laut dem Experten auch von einer Schuhspitze verursacht sein.

Der Prozess wird fortgesetzt. Kerstin Kaminsky

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