Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) vor der neu gestalteten Fassade an den Bahngleisen am ICE-Bahnhof, auf dem auch der Limburger Dom zu sehen ist.
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Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) vor der neu gestalteten Fassade an den Bahngleisen am ICE-Bahnhof, auf dem auch der Limburger Dom zu sehen ist.

Wahlkampf in Limburg

"Leitender Angestellter der Limburg GmbH"

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Was Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) als vorrangige Ziele für die Stadt sieht.

Limburg -Im vergangenen Jahr erfüllte sich Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) einen Kindheitstraum. Er fuhr mit seiner Frau in den Hunsrück, nach Rheinböllen, um dort etwas abzuholen, was er im Internet gekauft hatte - eine 34 Jahre alte Stereoanlage.

Nicht irgendeine Anlage mit Plattenspieler, CD-Player, Kassettendeck, Verstärker, Tuner und Boxen, sondern ein Traum von Braun - einem Hersteller, der bis 1990 auch hochwertige Unterhaltungselektronik gebaut hat.

Nun besitzt Hahn eine Stereoanlage, die im Jahr 1986 - da war er 15 Jahre alt - so teuer war, dass man dafür auch ein Auto hätte kaufen können. Für einen mittlerweile erschwinglichen Preis erwarb er die qualitativ hochwertige Anlage im besonderen Design und hört zum Beispiel die Musik von Bruce Springsteen ("Nicht nur die alten Sachen, auch die neuen Alben gefallen sehr gut").

"Schöne Erinnerung

an meinen Vater"

Erste Berührungen mit der Kommunalpolitik hatte Hahn schon sehr früh. "Mein Vater hat mich mit der Kommunalpolitik infiziert", sagt er. "Als Kind hat er mich oft mit ins Rathaus genommen. Er war Vorsitzender der SPD-Fraktion und auch ehrenamtlicher Stadtrat." Viel zu früh verlor Hahn seinen Vater - im Alter von nur 60 Jahren. "An dem Tag, an dem mein Vater überraschend starb, hatte ich kurz vorher noch mit ihm gesprochen", erzählt er. "Ich war damals 27 Jahre alt, Rechtsreferendar und hatte gerade bei der Staatsanwaltschaft angefangen. Er sagte mir, es gehe ihm nicht so gut, aber er wolle trotzdem, wie jeden Tag, einen Spaziergang in die Stadt machen. In der Barfüßer Straße in der Altstadt ist er zusammengebrochen. Er hatte einen Herzinfarkt und ist kurz darauf im Krankenhaus gestorben."

Auf Hahns Schreibtisch im Stadthaus zeigt er ein Foto seines Vaters, und auch ein braunes Ledersofa in seinem Büro hat etwas mit ihm zu tun. "Das ist ein Erbstück meines Vaters", sagt Hahn. "Er hat Antiquitäten gesammelt. Das ist eine schöne Erinnerung an meinen Vater. Er hat oft auf diesem Sofa gesessen und gelesen. Jetzt sitze ich auch manchmal dort und lese Akten und Schriftstücke."

Das Gespräch für dieses Porträt findet zwar in Hahns Büro statt, wo er aus seinen Fenstern sowohl den Dom als auch die Lubentius-Basilika in Dietkirchen sehen kann, aber der Fototermin ist auf seinen Wunsch hin im ICE-Gebiet. "Wir wollen und müssen Arbeitsplätze direkt in Limburg anbieten", sagt der Bürgermeister und betont: "Dafür siedeln wir mit Augenmaß Firmen an. Wer in Limburg Arbeit findet, muss nicht mit dem Auto weite Wege auf der Autobahn zu seinem Arbeitsplatz zurücklegen; auch das schont die Umwelt. Während meiner Amtszeit sind in Limburg 2000 zusätzliche, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden. Im ICE-Gebiet haben sich inzwischen viele IT-Dienstleister angesiedelt. Auch die Wasserstofftankstelle dort zeigt, dass Limburg auf Innovationen setzt."

Sehr viele Grundstücke seien im ICE-Gebiet übrigens nicht mehr frei. "Wir müssen neue Flächen für hochwertige Gewerbeansiedlungen finden, auch, um bereits ansässigen Firmen, die wachsen wollen, ein Angebot machen zu können, denn sonst verlassen sie den Standort Limburg."

Hahn sagt dies auch, weil er um die Widerstände beim Thema Landverbrauch weiß. Neue Gewerbeflächen in Limburg auszuweisen, ist nicht gerade populär, weil dies vor allem die Stadtteile betrifft, die besonders verkehrsgünstig liegen - und deshalb schon viele Gewerbeflächen haben, manch einer sagt zu viele.

Bezahlbarer

Wohnraum

Aber auch die Schaffung neuer Wohngebiete sorgt für Konfliktstoff, vor allem, wenn es sich um ein 25 Hektar großes Areal am südlichen Stadtrand von Limburg handelt. Die Haltung des Bürgermeisters ist klar: "Wir brauchen in Limburg bezahlbaren Wohnraum, das ist eine wichtige Zukunftsfrage für die Stadt", sagt er.

"Die Preise explodieren zwar vor allem in den Ballungsräumen, aber auch in Limburg besteht eine große Nachfrage. Bis zum Jahr 2040 benötigen wir allein in Limburg 1800 zusätzliche Wohnungen. Ein Drittel dieses Bedarfs können wir durch die Erweiterung Blumenrods, die Bauabschnitte V und VI, abdecken. Es geht darum, dort bis zum Jahr 2040 ansprechenden Wohnraum zu schaffen und keine Mietskasernen." Um das sicherzustellen, sei ein städtebaulicher Wettbewerb veranstaltet worden "mit einem sehr guten Entwurf, der gewonnen hat", sagt Hahn und betont: "In der Jury saßen übrigens Vertreter aller Fraktionen, und es gab nur eine Enthaltung." Ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung der Grünen, die - anders als CDU, SPD und FDP - dem Bauvorhaben in Blumenrod sehr skeptisch gegenüberstehen.

Um die Lebensqualität in Limburg zu steigern, will Hahn, sollte er wiedergewählt werden, den öffentlichen Grünraum in Limburg weiter aufwerten. "Irgendwann werden wir die Corona-Pandemie zum Glück überstanden haben und dann wird der öffentliche Raum noch wichtiger sein als vor der Pandemie, denn nicht jeder Bürger hat einen eigenen Garten", sagt er. Auf dem Greifenberg müsse für ein attraktiveres Umfeld gesorgt werden, natürlich müsse die Stadt den Schafsberg weiter im Blick haben "und ihn attraktiver gestalten, und das gilt auch für das Lahnufer".

Angesprochen auf seine Tätigkeit als Bürgermeister sagt er: "Ich sehe mich nicht als klassischer Politiker, sondern als leitender Angestellter der Limburg GmbH. Ich leite als Bürgermeister eine Verwaltung mit 330 Mitarbeitern. Das verlangt einem viel ab. Auch die Stadt nach außen zu vertreten, ist eine sehr zeitaufwendige Aufgabe, die mir aber große Freude bereitet."

Weil er seit der Pandemie weniger Termine abends und am Wochenende hat, kann er derzeit seine Familie öfters sehen. "Meine Frau, die in Elz an der Grundschule unterrichtet, meine 16-jährige Tochter und mein zwölfjähriger Sohn geben mir viel Kraft", sagt Hahn. "Weil private Treffen im Moment nur sehr eingeschränkt möglich sind, spielen wir wieder häufiger Spiele wie ,Uno', ,Mensch ärgere Dich nicht' oder ,Monopoly'. Mein Sohn kommt da ganz nach mir und ärgert sich schon mal lautstark, wenn er verliert."

Podiumsdiskussion mit allen

vier Kandidaten

In einer digitalen Podiumsdiskussion dieser Zeitung, die am Donnerstag, 18. Februar, 19 Uhr, im Internet live gezeigt wird, kommen Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD), der von einer unabhängigen Wählerinitiative unterstützt wird, der von der CDU unterstützte Einzelkandidat Stefan Laux (CDU), Maximilian Acht (FDP) und Birgit Geis (Grüne) ins Gespräch.

Die vier Hauptthemen an diesem Abend sind "Verkehr", "Sicherheit", "Landverbrauch" (für Wohngebiete und Gewerbeflächen) und die "Zukunft des Neumarkts". Die von NNP-Redaktionsleiter Sebastian Semrau und Limburg-Redakteur Stefan Dickmann moderierte Veranstaltung soll rund zwei Stunden dauern und ist im Internet unter der Adresse fnp.de/eventvideo zu sehen.

Über eine Chat-Funktion kann jeder interessierte Bürger den Kandidaten während der Veranstaltung schriftlich eigene Fragen stellen. Übrigens: Das Video von dieser Veranstaltung ist nach deren Ende im Internet weiterhin abrufbar.

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