Ein klares Bekenntnis zur Segnung homosexueller Paare: Die Facebook-Seite des Bistums mit der Botschaft "Liebe ist keine Sünde."
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Ein klares Bekenntnis zur Segnung homosexueller Paare: Die Facebook-Seite des Bistums mit der Botschaft "Liebe ist keine Sünde."

Das Bistum Limburg bezieht Stellung gegen das Diktum aus Rom

"Liebe ist keine Sünde"

Ein klares Statement für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Limburg -Ein Bischof, der sagt, Kirche müsse ihre Sexualmoral neu überdenken, ein Dom, der in Regenbogenfarben erstrahlt - zumindest auf der Facebook-Seite des Bistums -, Priester, die offen erklären, dass sie lieber homosexuelle oder geschiedene Paare segnen als Biogas-Anlagen. Und dazu die Botschaft: Love is no sin (Liebe ist keine Sünde). Das Bistum Limburg bezieht ganz klar Stellung gegen die Note "Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts". Denn der Vatikan lässt keinen Zweifel: Die Kirche habe keine Vollmacht, homosexuelle Paar zu segnen, heißt es aus Rom.

Das könne aber nicht so bleiben, heißt es in der Stellungnahme der Diözesanversammlung des Bistums: "Wir brauchen den Mut zu Veränderungen, die dazu führen, dass die christliche Botschaft wieder Relevanz bekommt für Menschen der heutigen Zeit." Die Vertreterinnen und Vertreter der Katholiken in der Diözese danken ganz ausdrücklich allen Seelsorgern, "die erklären, weiterhin gleichgeschlechtlichen Paaren den erbetenen Segen nicht zu verweigern". Und davon gibt es offenbar einige.

"Es stinkt

zum Himmel"

Einer von ihnen ist Frank Schindling, Pfarrer in Wiesbaden und Mitglied des Priesterrats im Bistum. Die Facebook-Seite der Pfarrei St. Blasius, wo er einst als Kaplan im Auftrag Gottes unterwegs war, gibt ihm Raum - unter dem Hashtag "LoveIsNoSin" und der Blasiuskapelle im Regenbogen (dem Symbol der Lesben und Schwulen) schreibt er, dass es zum Himmel stinke, wenn er einer Biogas-Anlage den kirchlichen Segen spenden dürfe, einem gleichgeschlechtlichen Paar aber nicht. Und er fragt, was er den Liebenden sagen solle: "Dass ihre Liebe nicht nach dem der Glaubenskongregation in Rom offensichtlich vorliegenden Heilsplan Gottes ist?" Seine Kirche sei anders, schreibt Frank Schindling: "Nämlich derart, dass Menschen, die lieben, auch Gottes Segen in einer Feier geschenkt werden darf", egal, ob homosexuellen Paaren oder wiederverheirateten Geschiedenen. Und zum Schluss kommt wieder eine Allegorie: Die vom Kuhstall, den man von innen ausmisten müsse. "Ich hoffe, die deutschen Bischöfe und (wir) alle in dieser Kirche geben eine deutliche Antwort." Bis gestern Abend hatte dieser Beitrag 838 Likes, wurde 326 mal geteilt und bekam jede Menge wohlwollende Kommentare.

Homosexuelle

in der Mitte sehen

Wenn auch noch nicht so viele, wie die Erntedank-Predigt von Regens Dr. Christof May, dem Leiter des Limburger Priesterseminars, der am 4. Oktober 2020, erklärt hatte, dass er wiederverheiratete Geschiedene und gleichgeschlechtliche Paare "nicht im Wohnzimmer segnen" wolle. "Ich möchte sie in der Mitte sehen." Die katholische Kirche gebe zahlreichen Menschen das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Betroffene würden "verbal verprügelt, weggeschickt", sagte Christof May. Die Predigt ging viral. Rund 277 000 Klicks hat die Facebook-Seite der Pfarrei St. Blasius gezählt. "Dieser große Zuspruch hat uns überrascht", sagt Michael Schönberger, der Diakon der Pfarrei St. Blasiusberg. 277 000 Klicks seien für so eine kleine Pfarrei schon ganz gut, ansonsten seien es bei einem Video vielleicht mal 3000.

Gestern hat Christof May wieder eindrücklich und klar davon gesprochen, welche Folgen Diskriminierung und Zynismus in der Kirche haben - für die Kirche und für die Gläubigen, die keinen Platz mehr in ihr finden. "Mit jedem Gottsucher tritt Gott aus der Kirche aus." Und wieder teilt die Pfarrei St. Blasius die Predigt auf ihrer Facebook-Seite.

Mut brauche es dazu nicht, sagt Michael Schönberger. "Wir bemühen uns um Offenheit." Und: "Wir wollen mit den Menschen auf dem Weg sein." Auf dem Weg in eine Kirche, "die den Glauben für die Menschen lebendig und relevant halten möchte, damit er ihnen hilft, durchs Leben zu gehen". Und zwar für alle Menschen. Natürlich gebe es auch in seiner Gemeinde Gläubige, die auf die offizielle Lehre der Kirche verweisen, natürlich gebe es auch mal Diskussionen über das Thema und den Umgang mit Homosexuellen, "aber die können wir gut aushalten". Er jedenfalls sei froh und stolz, dass das Bistum auf seiner Facebook-Seite so klar Stellung beziehe. "Und ich bin froh und stolz, in so einem offenen Bistum zu leben."

Die Diskussion

ist nicht beendet

Stephan Schnelle, der Sprecher des Bistums, hört das gerne. Und erinnert daran, dass Bischof Georg Bätzing immer wieder eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral und eine neue Bewertung von gleichgeschlechtlicher Liebe angemahnt habe. "Anders als Rom es meint, ist die Diskussion darüber noch nicht beendet", sagt Stephan Schnelle. Bischof Bätzing hat es in einer Stellungnahme zur Verlautbarung aus Rom so formuliert: "In Deutschland und in anderen Teilen der Weltkirche gibt es seit längerem Diskussionen, in welcher Weise diese Lehre und Lehrentwicklung allgemein mit tragfähigen Argumenten vorangebracht werden kann - auf der Basis grundlegender Wahrheiten des Glaubens und der Moral, der fortschreitenden theologischen Reflexion und ebenso in Offenheit für neuere Ergebnisse der Humanwissenschaften und der Lebenssituationen heutiger Menschen. Auf Fragen dieser Art gibt es keine einfachen Antworten."

Zumindest auf der Facebook-Seite der Gemeinde St. Blasius gibt es einfache Antworten und klare Ansagen. Und viel Lob für Christof Mays Predigten und die offenen Worte von Frank Schindling. Ein Gemeindemitglied schreibt unter seinen Post: "Wenn alle Priester so wären wie Du, hätte die katholische Kirche kein Problem." Sabine Rauch

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