Der Lohn der ganzen Mühen: Tobias Stoll hat mit seinem Fahrrad von Limburg aus das Nordkap erreicht. Da darf das Erinnerungsbild natürlich nicht fehlen.
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Der Lohn der ganzen Mühen: Tobias Stoll hat mit seinem Fahrrad von Limburg aus das Nordkap erreicht. Da darf das Erinnerungsbild natürlich nicht fehlen.

Ein echtes Abenteuer

Limburg: Allein mit dem Rad das Nordkap erreicht

  • VonRobin Klöppel
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Tobias Stoll hat einiges erlebt. Mit dem Rad ging es bis ans Nordkap und ist nun auf dem Rückweg

Limburg/Elz – 3195 Kilometer sind es von Limburg bis an den nördlichsten vom Festland aus auf dem Straßenweg erreichbaren Punkt Europas, das ins Nordpolarmeer hereinragende Nordkap in Norwegen. Der in Elz aufgewachsene und mittlerweile in Limburg lebende Softwareentwickler Tobias Stoll hat sein großes Ziel erreicht. Er hat das Nordkap völlig auf sich alleine gestellt von seiner Heimat aus mit dem Fahrrad erreicht.

Erstaunlich, denn die ersten vier Monate des Jahres konnte der 33-Jährige als Folge einer Lungenembolie sportlich überhaupt nichts machen. Stoll ist Mitglied der Triathlon-Equipe Elz und zählt auch zu einem losen Haufen Fahrradverrückter im Taunus, den sogenannten "Kettenhunden". Bei Wettkämpfen tritt er aber nicht an. Trotzdem hält der Wahl-Limburger sich für relativ sportlich, denn er hat kein Auto und bewältigt folglich alle Strecken mit dem Rad. Mehrmals die Woche geht er auch laufen. Und zwei bis drei Mal die Woche auf Radtour.

So hat er im vergangenen Jahr schon einige Fernfahrten erfolgreich hinter sich gebracht, beispielsweise 460 Kilometer von Limburg nach Hamburg alleine und 420 Kilometer von Feldberg zu Feldberg in der Gruppe. 2019 hat er schon einmal eine extrem weite Tour gemacht. Als Mitarbeiter der Fraport fuhr er mit dem Rad am Frankfurter Flughafen los, um von dort über Erfurt, Leipzig, Dresden, Elbsandsteingebirge, Prag, Passau, Donau und Lech hoch über den Bodensee den Rhein entlang wieder in Frankfurt zu enden. 2020 musste er aufgrund von Corona eine geplante Fahrt nach Norwegen absagen.

Mit dem Rad ans Nordkap: Geplant war die Ostsee

Dieses Jahr hat Tobias Stoll aber genug Zeit, weil er bei der Fraport aufgehört hat. Ursprünglich sollte es 8000 Kilometer an der Ostsee entlang gehen. Doch 750 Kilometer fielen weg, da Russland derzeit nicht mit dem Rad passierbar sei. Also suchte der Limburger sich das Nordkap als neues Ziel, um die Kilometer auf anderem Wege zu machen. "Ich war noch nie dort, wollte es auch nicht unbedingt sehen", sagt Stoll. Doch es habe definitiv einen symbolischen Wert, es aus eigener Kraft zu erreichen. Und darum habe ihn dieses Ziel sehr gereizt.

Nach seiner Embolie habe er langsam aber stetig seine Leistung wieder erhöhen können. Eine Woche vor der Abfahrt zum Nordkap sei er mit seinen Freunden der "Kettenhunde" noch einmal 300 Kilometer die Mosel rauf und runter gefahren. "Ich habe mir einen groben Plan gestellt, wo ich entlangfahren möchte, aber mir war bewusst, dass ich wahrscheinlich einige Streckenänderungen noch während der Fahrt vornehmen werde", berichtet Stoll.

Was die Ausrüstung angehe, habe er ja bereits Erfahrung von 2019 sowie kleinen Ausflügen. Er versuche, nur das Minimum mitzunehmen. Das bedeute, er habe immer nur Essen und Wasser für maximal einen Tag dabei. Das heiße, er müsse regelmäßig Supermärkte oder Tankstellen anfahren, um sich zu verpflegen. "Und manchmal hat man nachts ein mulmiges Gefühl, wenn man alleine irgendwo schläft. Doch das habe ich überall und mache ich nicht von Ländern abhängig", so der Extremsportler. Kontakt zu Einheimischen hat er aber auch. Er nutzt die Internetplattform "Warmshowers" zum gegenseitigen Unterstützen von Radfahrern und wurde beispielsweise in der estnischen Hauptstadt Tallinn und im finnischen Oulu von einem Mitglied aufgenommen.

Tour ans Nordkap „ein echtes Abenteuer“

Es gebe viele Radfahrer, die in Richtung Nordkap unterwegs seien, häufig seien sie deutschsprachig. "Die meisten sind eben nur schwerer bepackt und langsamer unterwegs", erzählt Stoll. Bis jetzt hat er an einem Tag maximal 274 Radkilometer geschafft, möchte aber auch noch mal einen hinlegen, auf dem er auf über 300 kommt.

Tobias Stoll sagt, die Tour sei für ihn ein Ausnahmezustand, ein echtes Abenteuer. Schon in Berlin hatte er die erste Radpanne, doch da habe er sich einfach neue Räder gekauft. Wenn er unterwegs Probleme habe, frage er einfach seine Kumpels von der Rennrad-Whatsapp-Gruppe, was er tun solle. "Gestern ist mein Schuh kaputtgegangen und ich weiß noch immer nicht richtig, was ich tun soll", erzählt er. Denn der schließe nicht mehr richtig. Möglicherweise werde er einfach versuchen, mit ihm weiterzufahren.

Der Fernfahrer erzählt: "Der komplette nördliche Teil Norwegens ist an Schönheit nicht zu übertreffen. In Polen habe ich Massen von Störchen und sogar einen Elch gesehen, obwohl ich gar nicht wusste, dass es die auch dort gibt." In Litauen habe ihn der "Hügel der Kreuze" (katholischer Wallfahrtsort) fasziniert.

Tobias Stoll lässt sich Zeit für den Rückweg

Los ging es am 4. Juli in Dietkirchen an der Brücke, weil dort ein kleines Freiwasser-Schwimmevent des Triathlon-Vereins geplant war. Zurück sein möchte er am 20. oder 21. August. Stoll setzt sich da aber nicht unter Druck, denn er hat sich für die Tour sowieso zwei Monate freigehalten.

Und wie fühlt er sich aktuell? „Ich habe die eine oder andere wunde Stelle, fühle mich nach zwei Wochen mit niedrigen Temperaturen nur im Freien etwas ausgekühlt und habe wahrscheinlich zehn Kilo verloren. Aber mein Wohlbefinden ist nach wie vor da.“ Der Moment des Nordkap-Erreichens hat ihn sowieso für alle Mühen belohnt. Die eindrückliche Küstenlandschaft und die vielen Rentiere haben ihn fasziniert. Zwar musste er durch „einen äußerst kalten und feuchten Tunnel“ fahren. Doch dann sah er die Sonne im Norden auf dem Meer. Ein absoluter Traum, und das bei vier bis sieben Grad. Auf was er sich noch freut? „Auf noch mehr unfassbar schönes Norwegen, noch mehr Natur und Begegnungen, und natürlich am Schluss noch auf Freunde und Familie, wenn ich wieder zurück bin.“ (Robin Klöppel)

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