Von ihrer Kirche am Limburger Bahnhof ist die neue Pfarrerin Susanne Stock in wenigen Metern mitten unter den Menschen.
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Von ihrer Kirche am Limburger Bahnhof ist die neue Pfarrerin Susanne Stock in wenigen Metern mitten unter den Menschen.

Gottesdienst auf dem Neumarkt geplant

Limburg als alte und neue Heimat

  • VonRobin Klöppel
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Susanne Stock wird als Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde eingeführt.

Limburg -Susanne Stock wird Sonntag, 4. Juli, um 14 Uhr auf dem Neumarkt als neue Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Limburg eingeführt. Das ganz bewusst dort, denn die Gemeinde möchte künftig wieder mehr unter den Menschen präsent sein. Nur bei sehr schlechtem Wetter wird in die katholische Kirche St. Hildegard ausgewichen - diese bietet mehr Platz als Stocks Stammkirche am Limburger Bahnhof und sie wolle "die gute Ökumene in Limburg" weiter pflegen.

Susanne Richter, wie sie bis zu ihrer Heirat hieß, wuchs die ersten Lebensjahre in Niederbrechen auf und wohnte dann ab dem vierten Schuljahr in Limburg, das die Wahl-Linterin heute als ihre Heimat bezeichnet. Die mittlerweile 47-Jährige machte das Abitur an der Tilemannschule. "Im Abijahr fiel die Entscheidung, Theologie zu studieren", sagt sie. Susanne Stock stammt, wie sie verrät, aus einem "ökumenischen Volkskirchenhaushalt". Das heißt, die Richters waren nicht jede Woche in der Kirche, jedoch zumindest an Ostern und Weihnachten. "Und daheim wurde auch gebetet", erzählt die Pfarrerin.

Menschen annehmen,

wie sie sind

Sie hatte damals schon einen guten Kontakt zur evangelischen Kirche, begann, sich ehrenamtlich zu engagieren. Auch wenn ihr Vater wie fast jeder in Niederbrechen katholisch war, war Susanne Stock sich schon früh ihres evangelisch seins bewusst, wie sie sagt. Denn die Thesen Martin Luthers begeisterten sie. "Mir geht es darum, Menschen anzunehmen, wie sie sind.", Bei den Protestanten gefalle ihr der direkte Kontakt zu Gott.

Theologie hat sie in Mainz und Frankfurt studiert. Sich dann plötzlich wissenschaftlich mit dem Glauben auseinandersetzen zu müssen, war für Susanne Stock eine Herausforderung. Doch trotzdem wusste sie immer, dass genau dieses Studium das Richtige und Pfarrerin ihr Traumberuf sei. Ihr Vikariat machte sie in Rüsselsheim. Dann war sie fünf Jahre Pfarrerin in Höhr-Grenzhausen und vor ihrem Wechsel in die Kernstadt sechs Jahre in Staffel.

Was ihren Beruf zu Susanne Stocks Traumberuf macht? "Ich kann mein Interesse an Texten und dem Schreiben mit der Nähe mit Menschen verbinden. Und ich habe im Gegensatz zu vielen anderen Berufen mit Menschen aller Altersschichten zu tun, begleite sie von der Geburt bis ans Sterbebett."

Was ihr an ihrer Heimatgemeinde Limburg so gefällt? Sie kann dort in der Jugendarbeit durch die Jugendfreizeitstätte einiges bewegen und in der zentral am Bahnhof liegenden Kirche vielen Menschen Unterstützung bieten, ob diese nun evangelisch sind oder nicht. So ist sie auch für Obdachlose und Flüchtlinge da. Sie ist in der Gemeinde für die Südstadt und Lindenholzhausen zuständig, unter anderem für Blumenrod und die dortige Kindertagesstätte, wo der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei 90 Prozent liege.

Neue Formate

etablieren

Stock, die verheiratet ist und drei Kinder hat, möchte nah an den jungen Familien sein. Denn oft träten junge Menschen beim Schritt ins Berufsleben aus der Kirche aus, um die Kirchensteuer zu sparen. Ein weiterer Ansatz, die Gemeinde lebendig zu erhalten, ist, alle neu in die Kernstadt ziehenden Protestanten persönlich aufzusuchen, um Kontakte herzustellen.

Und Stock möchte auch neue kirchliche Formate etablieren, um neues Publikum zu gewinnen, Eine Sache, die bereits letztes Jahr an Heiligabend verwirklicht wurde, war der Autokino-Gottesdienst auf dem Marktplatz, für den sie und ihr Kollege Markus Stambke positive Resonanz bekamen. Unter anderem kann sich Stock einen Taufgottesdienst an der Lahn vorstellen. Und sie will den Charakter der Jugendfreizeitstätte Limburg als einen für alle Jugendlichen offenen Treffpunkt erhalten. Konfirmandenunterricht, Jugendfreizeiten, Fahrten zum Kirchentag oder nach Auschwitz sollen bei jungen Menschen die Leidenschaft zum Glauben entfachen. Stock sagt, wer etwas von ihr wolle, könne sie während ihrer Dienstzeit jederzeit in ihrem Büro in der Kirche ansprechen. Sie und ihre Kollegen machen aber auch jeden Samstag vor der Kirche die Aktion "Meet us", wo die drei in der Gemeinde tätigen Pfarrer - auch Karin Adams und Markus Stambke - auf der Straße mit den Bürgern locker ins Gespräch kommen.

Dass Stock von Staffel nach Limburg wechselte, hatte auch damit zu tun, dass sie von einer halben wieder auf eine volle Stelle aufstocken wollte. Aber es waren auch die Liebe zu ihrer Heimatgemeinde, der Standort der Kirche mitten in der Stadt sowie die Arbeit in einem großen Team, die sie zum Wechsel veranlassten. Susanne Stock hat ihre Tätigkeit bereits am 1. März begonnen. Dass sie erst jetzt offiziell eingeführt wird, ist der Pandemie geschuldet.

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