Diese neue, nicht zu übersehende Werbetafel an der Limburger Straße in Offheim regt viele Bürger auf. Zur Errichtung der Werbetafel auf einem Privatgrundstück, die die Stadt Limburg genehmigt hat, musste vorher ein alter Baum weichen.
+
Diese neue, nicht zu übersehende Werbetafel an der Limburger Straße in Offheim regt viele Bürger auf. Zur Errichtung der Werbetafel auf einem Privatgrundstück, die die Stadt Limburg genehmigt hat, musste vorher ein alter Baum weichen.

Limburg: Alter Baum weicht neuer Werbetafel

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
    schließen

Stadt musste Baugenehmigung erteilen - Ortsbeirat nicht eingebunden - Bürger beschweren sich

Offheim -Eine neue Werbetafel direkt an der Limburger Straße, der Hauptverkehrsachse mitten durch Offheim, irritiert derzeit viele Bürger. Wo noch bis vor Kurzem ein alter Baum in Höhe der Einmündung zur Schaumburger Straße stand, ist nun auf einem Fundament eine sehr große Werbetafel errichtet worden, auf der Unternehmen "dezent werben" sollen.

Er sei schon mehrfach von Bürgern negativ auf diese neue Werbetafel angesprochen worden, teilt der Offheimer Ortsvorsteher Arne Piecha (CDU) auf Anfrage mit. "Das ist kein Augenschmaus", sagt er, "es sieht hässlich aus." Und das dafür sogar ein Baum habe weichen müssen, sei schon "eine harte Sache". Der Ortsbeirat Offheim sei in den Vorgang leider gar nicht eingebunden gewesen, wolle darüber aber nach der Sommerpause noch einmal sprechen, damit er künftig wenigstens über solche Vorgänge informiert werde.

"Ungeeignet für dörflichen Charakter"

Auch die Reaktion der Grünen in Offheim ist eindeutig: "Wir halten das Werbetransparent für hässlich und ungeeignet in einem Stadtteil mit überwiegend dörflichem Charakter", teilt auf Anfrage Ortsbeiratsmitglied Josef Erbach (Grüne) mit. "Die Resonanz aus der Bevölkerung ist negativ, jedenfalls bei den Menschen, die sich bei den Offheimer Grünen gemeldet haben." Auch die Grünen wollen im Ortsbeirat die Angelegenheit besprechen. "Insbesondere wollen wir die Begründung für die Genehmigung erfahren", erklärt Erbach. An der Stelle, an der jetzt die "dezente" Reklametafel stehe, habe nicht nur ein markanter, sondern sogar ein "ortsbildprägender" Baum gestanden. "Die Grünen werden nachfragen, ob die Fällung genehmigungspflichtig war und genehmigt wurde." Gerade an den Hauptverkehrsstraßen seien Bäume als Schadstoffsammler wichtig. Außerdem sei der Baum schön anzusehen gewesen im Gegensatz zu dem jetzigen Bauwerk mit der Werbetafel.

Gerichtsverfahren wegen Altkleidern

Der Stadt Limburg ist der Vorgang bekannt, wie Stadtsprecher Johannes Laubach mitteilt. Es liege eine Baugenehmigung vor, und auch das Ordnungsamt sei in den Vorgang eingebunden gewesen, weil sich in unmittelbarer Nähe eine Fußgängerampel befindet. Die Stadt habe die Erlaubnis für die Baugenehmigung erteilen müssen. Es gebe vom Unternehmen noch drei weitere genehmigte Standorte in der Stadt mit ähnlichen Werbetafeln.

Grundsätzlich könne eine Kommune Gestaltungssatzungen verschiedenster Art erlassen, erklärt Laubach weiter, in denen geregelt werden könne, wo und in welcher Größenordnung zum Beispiel auch solche Werbetafeln errichtet werden dürfen oder eben nicht. Eine auf solche Werbeanlagen abgestimmte Satzung gebe es in Limburg noch nicht, aber die Stadt Offenbach habe zum Beispiel so etwas umgesetzt.

Die Stadt verfügt jedoch über eine Gestaltungssatzung mit Blick auf Altkleidercontainer, von denen bereits seit dem Jahr 2014 keine weiteren mehr genehmigt werden. Allerdings müssen dafür formale Kriterien eingehalten werden. Das musste im Mai vergangenen Jahres von den Stadtverordneten nachgeholt werden.

Denn der Magistrat hatte eine solche Begrenzung schon im Jahr 2014 beschlossen, was dazu geführt hat, das seitdem keine weiteren Genehmigungen für die Aufstellung dieser Container von der Stadt erteilt werden.

Der formale Beschluss durch die Stadtverordneten im Frühjahr 2020 war eine Reaktion auf einen aktuellen Rechtsstreit zwischen der Stadt und einem Privatunternehmen, das mit der Verwertung von Altkleidern sein Geld verdient, vor dem Verwaltungsgericht in Wiesbaden. Das Unternehmen wollte bereits im Jahr 2017 insgesamt 25 weitere Altkleidercontainer in Limburg aufstellen. Die Stadt lehnte das ab, das Unternehmen legte Widerspruch ein und reichte Klage ein. Die Stadt argumentierte, noch mehr Standorte zur Entsorgung von Altkleidern in Limburg seien weder erforderlich noch gewollt.

Dieses Verfahren ist noch immer nicht beendet. Das Gericht habe das Verfahren aus formalen Gründen eingestellt, ohne eine Entscheidung zu treffen, teilt Stadtsprecher Laubach mit. Inzwischen gebe es in gleicher Angelegenheit aber ein neues Verfahren, das noch nicht beendet sei. Die Stadt gehe davon aus, dass nun eine rechtskonforme Satzung vorliegt, so dass keine neuen Altkleidercontainer genehmigt werden müssten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare