+
Der neue Vorsitzende des City-Rings Limburg spricht über Sorgen und Ideen für die Innenstadt. Vor allem das drohende Dieselfahrverbot macht ihm große Angst. 

Das große Interview

Große Sorge beim Einzelhandel in Limburg: "Dieselfahrverbot wäre dramatisch"

  • schließen

Der neue Vorsitzende des City-Rings Limburg spricht über Sorgen und Ideen für die Innenstadt. Vor allem das drohende Dieselfahrverbot macht ihm große Angst. 

Limburg - Seit dem 1. Januar ist Horst O. Hoppe neuer Vorsitzender des Einzelhandelsverbands City-Ring. Er betreibt als Geschäftsführer das Bekleidungsgeschäft FC-FACTORY-Clothing GmbH am Neumarkt. Mit Stefan Dickmann sprach er über neue Ideen, die geplante Erweiterung des FOC in Montabaur und verkaufsoffene Sonntage.

Wie lief das Weihnachtsgeschäft für die Einzelhändler in Limburg?

Es hat spät angefangen. Diese Entwicklung beobachten wir schon seit mehreren Jahren. Früher haben die Kunden Ende November angefangen, Geschenke einzukaufen. Jetzt geht es erst Anfang bis Mitte Dezember richtig los. Das Umsatzvolumen ist schon vor fünf bis zehn Jahren durch den Online-Handel, wie Amazon, Zalando und Co, deutlich gesunken. Wir haben im Moment die Talsohle erreicht.

City-Ring Limburg: Vorsitzender über eigene Onlineplattform und andere Ideen

Gibt es Ideen, eine eigene Verkaufsplattform im Internet zu schaffen?

Der City-Ring wird sich mit dieser Frage im Laufe des kommenden Frühjahrs intensiv beschäftigen. Wir werden mit zwei erfolgreichen Plattformbetreibern Gespräche führen, die unseren Mitgliedern dann vor Ort ihre Konzepte vorstellen werden. Es ist klar, dass die meisten Limburger Einzelhändler keine eigene Online-Plattform aufbauen können, aber es könnte sinnvoll sein, sich einer bestehenden anzuschließen. 

Natürlich ist das auch mit Kosten für jeden Einzelhändler verbunden, also mit Gebühren an den Betreiber. Hier wird ein EDI-Kassensystem benötigt, wo man jederzeit erkennen kann, welche Ware im Laden noch verfügbar ist.

Der neue Vorsitzende des City Rings, Horst O. Hoppe, arbeitet als Geschäfts- führer im Bekleidungsgeschäft Factory am Neumarkt in Limburg.

Was haben Sie sich als neuer Vorsitzender des City-Rings sonst noch vorgenommen?

Wir überlegen, wie wir mit dem dritten von vier verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr, im Oktober, umgehen. Wir mussten feststellen, dass der Nutzfahrzeugsalon aufgrund eines speziellen Angebots nicht mehr so erfolgreich läuft. Anders beim "Tag der Landwirtschaft", hier konnten wir hingegen erkennen, dass er besonders von jungen Familien angenommen worden ist, was wir uns als Einzelhändler ja wünschen. Aus diesem Grund werden wir für die fehlende Veranstaltung nach einer Lösung suchen.

Vorsitzender des City-Rings Limburg: Große Konkurrenz in Montabaur

Sind Sie zufrieden mit der neuen Regelung der Landesregierung zu den verkaufsoffenen Sonntagen?

Nein, absolut nicht. Es ist schade, dass es bei einem geforderten Sonderanlass bleibt. Der zuständige Minister war offenkundig nicht bereit, sich mit den Kirchen und den Gewerkschaften anzulegen, die schon mit mehreren Klagen verkaufsoffene Sonntage verhindert haben, auch in Limburg. 

Unsere Mitarbeiter im Einzelhandel haben überhaupt kein Problem mit vier Sonntagen im Jahr, an denen sie sogar gerne arbeiten. Wir wollen die verkaufsoffenen Sonntage auch nicht ausweiten, mit vier pro Jahr sind wir sehr zufrieden. Sie sind sehr wichtig für den Einzelhandel. Wir müssen uns gegenüber anderen Städten und dem dortigen Handel abheben und positiv präsentieren. 

Die beste Lösung hierfür wäre, das Gesetz geht von den Ländern zurück zum Bund. Hier gelten dann für alle einheitliche Öffnungszeiten . . . von Nord bis Süd und von West bis Ost.

Das FOC in Montabaur will seine Verkaufsfläche verdoppeln. Wie wollen Sie darauf reagieren?

Das ist eine sehr große Konkurrenz für uns, zumal Limburg nah dran liegt. Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, ob die Erweiterung genehmigt wird. Der City-Ring und die IHK lassen bereits prüfen, ob sich eine Klage lohnt.

City-Ring Limburg: Vorsitzender spricht über FOC-Erweiterung

Sollte auch die Stadt Limburg gegen die FOC- Erweiterung klagen?

Ich gehe davon aus, dass die Stadt klagen wird, wenn auch andere Kommunen sich dem anschließen. Denn betroffen sind auch Koblenz, Andernach, Neuwied, Mülheim-Kärlich, Hachenburg und Westerburg. Vor der Eröffnung des FOC war vom Gericht festgelegt worden, maximal 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche seien verträglich für die umliegenden Kommunen. Künftig soll es doppelt so viel sein.

Angeblich ist ein Teil der in FOC angebotenen Waren speziell für FOC hergestellt, also nicht ausschließlich nicht verkaufte Waren.

Ja, das stimmt. Ein Geschäft in einem FOC möchte die komplette Bandbreite eines Produkts anbieten, also in allen verfügbaren Größen. Das funktioniert natürlich nicht nur mit Altware, die nicht verkauft werden konnte. Ein großer Teil der Neuware für FOC wird extra hergestellt, aber in minderer Qualität, die entsprechend günstiger angeboten werden kann.

Kommen wir zum Neumarkt in Limburg: Was nützt dem Einzelhandel mehr, ein Platz mit Platanen oder mit anderen Bäumen?

Bäume sind wichtig. Der Neumarkt sollte im Sommer beschattet sein. Nur so wie die Platanen jetzt alle zwei Jahre beschnitten werden, ist das nicht gewährleistet. Ein neugestalteter Neumarkt hätte 30 bis 40 Jahre Bestand. Deshalb halte ich bei einer Investition von um die vier Millionen Euro die Anpflanzung neuer Bäume, die schnell wachsen und eine Krone bilden, für sinnvoller.

Vorsitzender des City-Rings Limburg: Kurzparkplätze für City-Ring wichtig

Wie gefällt Ihnen der vorgelegte Entwurf von Dutt & Kist zum Neumarkt?

Also, der ganz große Wurf ist das nicht. Uns Einzelhändlern ist es wichtig, dass die Aufenthaltsqualität auf dem Neumarkt deutlich gesteigert wird, und zwar nicht nur in den Sommermonaten. Das geht meiner Meinung nach nur mit mehr Gastronomie. Was spricht gegen einen Naschmarkt" auf dem Neumarkt als dauerhafte Einrichtung, mit Ständen, an denen Essen und Trinken angeboten wird? Das wäre vor allem für Touristen das ganze Jahr über ein tolles Angebot. Gegebenenfalls müssten dann bestimmte Veranstaltungen woanders stattfinden.

Die von den Stadtverordneten eingeleitete Verkehrswende soll mittelfristig dazu führen, dass Straßenparkplätze in Limburg zusehends wegfallen. Was halten sie davon?

Aus Sicht des City-Rings müssen alle Kurzparkplätze an der Straße erhalten bleiben. Für uns ist wichtig: Bevor diese Parkplätze wegfallen, müssen erst einmal neue geschaffen werden! Zum Beispiel könnten das City-Parkhaus und das Parkhaus ZOB ohne Probleme mit zwei weiteren Etagen aufgestockt werden.

City-Ring Limburg: Abwanderung von Kunden durch Dieselfahrverbot

Welche Auswirkungen hätten Dieselfahrverbote für den Einzelhandel?

Das wäre dramatisch! Wir leben nun einmal von den Kunden aus dem Umland. Viele davon fahren einen Diesel, und ohne Auto nach Limburg zu kommen, ist schwierig bei dem heutigen dürftigen ÖPNV-Angebot. Sollten Dieselfahrverbote kommen, dürften viele der Betroffenen in anderen Städten einkaufen. 

Was wir uns als City-Ring aber sehr gut vorstellen können als ein zusätzliches Angebot, ist die Schaffung von Parkplätzen am Stadtrand mit einem Shuttleservice mit kleinen Elektrobussen. Das wird zum Beispiel in den Niederlanden bereits sehr erfolgreich praktiziert. Aber dort hat jeder die Wahl: Mit dem Auto direkt in die Stadt fahren oder den Wagen kostenlos am Stadtrand stehenlassen und kostengünstig mit dem Bus in die Stadt fahren. Das könnte ich mir mittelfristig auch für Limburg vorstellen.

Von Stefan Dickmann

Jahresrückblick 2020 vom Bürgermeister von Limburg Dr. Marius Hahn. Auf dem Plan stehen: Dieselfahrverbot, neue Wohnungen und Rathausneugestaltung.

Gefahr für Fußgänger in Limburg: Verkehrsinsel an Schiede-Kreuzung ist zu klein

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare