Vor dem Landgericht in Limburg ist ein 21-Jähriger wegen versuchtem Mord angeklagt.
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Vor dem Landgericht in Limburg ist ein 21-Jähriger wegen versuchtem Mord angeklagt.

Versuchter Mord?

Attacke an Fastnacht: Angeklagter gesteht vier Messerstiche

Der Anwalt verliest die Erklärung zu den Vorfällen bei der Fastnacht in Weilmünster beim Prozessauftakt vor dem Landgericht.

  • Bei einer Fastnachtsveranstaltung 2020 wurde ein Jugendlicher aus Weilmünster mit einem Messer lebensgefährlich verletzt.
  • Im Rettungswagen wurde der 16-Jährige von dem Messerstecher angegriffen.
  • Seit der Attacke an Fastnacht leidet der Jugendliche unter Panik - auch sein Sozialleben geht „total den Berg runter“.

Limburg - Es sollte ein fröhlicher Abend in der alten Sporthalle von Weilmünster sein, doch für einen Jugendlichen aus Kubach endete der Fasnachtssonntag 2020 dramatisch. Von einem 21-jährigen Weinbacher wurde er hinterrücks mit einem Springmesser viermal in Rücken, Schulter und Oberarm gestochen und dabei lebensgefährlich verletzt.

Versuchter Mord und Körperverletzung bei Fastnacht 2020 in Weilmünster

Für diese Tat muss sich der junge Mann nun vor dem Limburger Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf versuchten heimtückischen Mord und Körperverletzung. "Mit den Messerstichen hat der Angeklagte den Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen", so Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt bei Verlesung der Anklage.

Selbst wollte sich der 21-jährige Deutsche weder zur Sache noch zu seinen persönlichen Verhältnissen äußern. Stattdessen ließ er durch seinen Verteidiger Olaf Wolff eine Erklärung verlesen. Danach war der Angeklagte am 23. Februar zusammen mit einem Freund und einer Bekannten in Weilmünster. Über den Tag und Abend hatte er einiges an Alkohol konsumiert und erstmals auch Kokain geschnupft.

Irgendwann während der Feier hätte seine Bekannte ihm gesagt, dass sie gerade von dem 16-Jährigen beleidigt und verletzt worden sei. Angeblich hätte der Jugendliche sie als "Schlampe" beschimpft. Daraufhin kam es zu einer Schubserei, bei der sie gefallen sei und sich Hände und Knie aufschürfte. "Das hat mich wütend gemacht und ich wollte dem Kerl einen Denkzettel verpassen", hieß es in der Erklärung.

Messerstiche verletzten Jugendlichen in Weilmünster: Attacke am Rettungswagen

Im Rettungswagen des Sanitätsdienstes ließ sich die junge Frau versorgen und verließ dann das Fest. Ihr Kontrahent hatte bei dem Gerangel einen Treffer ins Gesicht abbekommen und nahm ebenfalls Hilfe in Anspruch. Während er noch auf der Stufe des RTW stand und sich bei der Ersthelferin bedankte, traf ihn völlig unvorbereitet der erste von vier Messerstichen. Nur aus dem Augenwinkel habe er eine dunkle Gestalt wahrgenommen, dann stürzte er in das Innere des Fahrzeugs. "Ich habe eine Behinderung. Ich kann nicht aufrecht stehen und verliere sofort das Gleichgewicht, wenn ich gestoßen werden", erklärte er.

Auch die Sanitäterin sah, dass eine vermummte Person auf den Jugendlichen einstach. "Ich kann mir einfach nicht erklären, wie so etwas im Schutzraum eines Rettungswagens passieren kann", sagte sie. In der Erklärung des Angeklagte hieß es, dass er diesen Tatort gewählt habe, damit der Jugendliche prompt behandelt werden könne. Dass die Klinge so tief eindringt und eine derart schwere Verletzung verursachen würde, habe er aber nicht beabsichtigt.

Dazu äußerte sich einer der behandelnden Ärzte von der Uniklinik Gießen: "Ein etwa drei bis vier Zentimeter tiefer Einstich direkt neben der Wirbelsäule hatte eine Arterie im Zwischenrippenraum getroffen." Die dadurch verursachte innere Blutung hätte schlimmstenfalls zum Tode führen können.

Nach Attacke bei Fastnacht in Weilmünster auf Jugendlichen: Angstzustände & Panik

Nachdem die verletzte Arterie chirurgisch behandelt worden ist, blieb der Patient noch einige Tage im Krankenhaus. Anschließend musste er für zwei Wochen mit einem speziellen Gerät die Lunge trainieren. "Seit der Attacke kann ich in der Dunkelheit nicht mehr das Haus verlassen und gerate in Panik, sobald sich mir jemand von hinten nähert", berichtete der Jugendliche. Er habe oft noch Schmerzen im Rücken und am Oberarm, und befinde sich immer noch in psychotherapeutischer Behandlung. Bedingt durch das Leid hätte er den Realschulabschluss nicht geschafft und sein Sozialleben sei "total den Berg runter". Eine Entschuldigung oder einen Brief des Täters habe er bis heute nicht bekommen. Der Prozess wird am 10. September um 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt. (Von Kerstin Kaminsky)

Aufgrund der Corona-Krise wurden dieses Jahr schon einige Fastnachtsveranstaltungen abgesagt. Auch in und um Limburg beschäftigen sich Vereine mit den Absagen.

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