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Limburg: "Bahnhofsplatz braucht besseres Image"

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Von: Stefan Dickmann

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Während der er Sozialraumanalyse des Bahnhofsplatzes gab es auch einen Aktionstag. An beschatteten Bierzeltgarnituren luden Studenten der Hochschule Rhein Main die Passanten zum Malen und zum Pflanzen und Verteilen von Primeln in Blumentöpfen ein.
Während der er Sozialraumanalyse des Bahnhofsplatzes gab es auch einen Aktionstag. An beschatteten Bierzeltgarnituren luden Studenten der Hochschule Rhein Main die Passanten zum Malen und zum Pflanzen und Verteilen von Primeln in Blumentöpfen ein. © Thorsten Kunz

Die Erkenntnisse einer "Sozialraumanalyse" teilen nicht alle Stadtverordneten

Limburg -Im Herbst werden in Limburg alle wissen, ob sich weiterhin zu viele Menschen auf dem Bahnhofsplatz unsicher fühlen. Denn dann werden die Ergebnisse einer neuen Sicherheitsstudie, eine repräsentative Haushaltsbefragung, veröffentlicht, und es wird klar werden, ob die seit dem Jahr 2018 zusätzliche Polizeipräsenz auf dem Platz durch regelmäßige Kontrollen, die inzwischen auch sichtbare Bundespolizei am Bahnhof und die verstärkte Verfügbarkeit von Mitarbeitern des Ordnungsamts tatsächlich etwas Positives beim subjektiven Sicherheitsgefühl bewirkt haben. Denn die Studie hatte deutlich gemacht, dass sich die verunsicherten Menschen mehr Polizeipräsenz wünschen.

Folgt man der kürzlich mit Hilfe von Studenten erstellten "Sozialraumanalyse" der Hochschule Rhein-Main ist mehr Polizeipräsenz jedenfalls nicht die Lösung. "Je mehr Polizei, um so unsicherer fühlen sich die Leute", sagte Professor Dr. Michael May von der Hochschule am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss. Es seien vor allem Einzelereignisse wie der Mord in der Weiersteinstraße in der Nähe des Bahnhofs oder die Lkw-Attacke auf der Schiede, beides geschehen im Oktober 2019, die einen Einfluss auf die subjektive Sicherheit hätten. Die Delikte auf dem Bahnhofsplatz seien zuletzt gesunken, aber das Unsicherheitsgefühl gestiegen. "Der Bahnhofsplatz braucht ein besseres Image", sagte er.

Dazu muss man jedoch anmerken, dass die beiden genannten Ereignisse zwei Jahre nach der repräsentativen Erhebung unter Limburger Haushalten stattfanden, die im Frühjahr 2018 veröffentlicht wurde mit dem Tenor, der Bahnhofsplatz werde von vielen Befragten als "Angstraum" wahrgenommen. Schon damals gab es das Argument, die Kriminalitätsrate in Limburg sei doch gar nicht hoch. Aber die zu diesem Zeitpunkt bereits aktive Sondereinheit BAO Bahnhof der Polizei vertrieb seitdem die Dealer vom Bahnhofsplatz, über die nicht offen geredet wurde, die aber jeder sehen konnte, der hinschaute. Und niemand geht gern an einem Dealer vorbei, auch wenn der gar nicht vorhat, einen zu bedrohen oder zu berauben.

Die Erkenntnis von Professor May, die Kriminalitätsrate sinke nicht durch mehr Polizeipräsenz, ist trotzdem nicht falsch, denn die Dealer lösen sich ja nicht in Luft auf. Sie verkaufen ihre Drogen nur woanders, in Parkhäusern oder am Lahnufer.

Streitschlichter zwischen Gruppen

May empfahl im Ausschuss andere Maßnahmen, damit sich Menschen auf dem Bahnhofsplatz sicherer fühlen: Kooperationen mit ansässigen Geschäften zum Beispiel, in die Leute hingehen könnten, wenn sie sich unsicher fühlen, oder auch Streitschlichter vor Ort, die aufgrund ihrer Aufschrift erkennbar seien. Wenn es auf dem Bahnhofsplatz in Limburg mal Stress gebe, dann geschehe dies vor allem zwischen den Gruppen, die sich dort regelmäßig aufhalten, ob es nun Obdachlose seien oder Menschen mit Migrationshintergrund, aber es gebe keine Konflikte mit Passanten. Aber auch hier gilt: Niemand fühlt sich sicherer, nur weil er an einer Auseinandersetzung, nicht beteiligt ist.

Der Professor sprach sich auch für Notrufsäulen aus, wie es bereits eine auf dem Bahnhofsplatz und vier weitere in der Innenstadt gibt. Auch diese würden das subjektive Sicherheitsempfinden deutlich verbessern.

Dass Polizeipräsenz angeblich gar nichts bringt, irritierte den einen oder anderen Stadtverordneten dann doch. Er selbst fühle sich deutlich sicherer, wenn er einen Polizisten in der Öffentlichkeit sehe, sagte der Stadtverordnete Jens Fluck (SPD). Auch der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, Richard Eisenbach (CDU), widersprach: Er teile nicht die Auffassung, dass die Polizeipräsenz zurückgehen sollte. "Der Platz soll am Ende des Tages für alle nutzbar sein", sagte er.

Größere Mülleimer werden aufgestellt

Das sieht Professor May genauso. Er warb jedoch dafür, die Aufenthaltsqualität des Platzes für andere Gruppen zu verbessern. Wenn es dort zum Beispiel Angebote für Familien gäbe wie Angeln für Kinder im Brunnen, dann würden mehr Leute auf dem Platz verweilen, die dort sonst so nicht anzutreffen seien. Aber auch das Aufstellen von Liegen auf Grünflächen könne schon helfen, das Sicherheitsgefühl zu verbessern. So werde jemand, der sich auf eine der Rasenflächen am Bahnhofsplatz hingelegt habe, bedrohlicher wahrgenommen, als wenn er auf einer Holzliege ruht.

Im Übrigen sei es ein Irrglaube, dass es vor allem Obdachlose seien, die sich am Brunnen niederlassen. Das seien auch Menschen, die eine Wohnung haben, aber sich häufig auf dem Bahnhofsplatz aufhalten, den sie als ihr "Wohnzimmer" betrachten.

Die Menschen, die den Platz nutzen, seien zudem bereit, dafür auch etwas zu tun, zum Beispiel unter Anleitung eigene Sitzbänke zu bauen. "Wenn sie die Leute einbeziehen, dann machen sie das nicht kaputt", sagte er.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Rompf bat um einen zweiten Beratungsgang mit der Bitte an den Magistrat, eine Bewertung der Sozialraum-Analyse vorzulegen und welche der Vorschläge sinnvollerweise umzusetzen seien. Der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) sagte dies zu. Außerdem sei geplant, größere Mülleimer auf dem Bahnhofsplatz aufzustellen.

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