Limburg: Bischof suspendiert kritischen Priester - nun sucht er einen Job
+
Der Bischof in Limburg hat einen beliebten Priester suspendiert: Sascha Jung, der auch Kaplan am Dom zu Limburg war.

Bundesweiter Skandal

Wegen kritischen Äußerungen: Bischof in Limburg suspendiert Priester, nun ist er auf Job-Suche

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
    schließen
  • Barbara Schmidt
    schließen

In Limburg hat der Bischof einen beliebten und kritischen Priester suspendiert. Sascha Jung war Kaplan. Nun ist er auf Jobsuche.

  • Beliebter Priester kritisiert Zölibat
  • Bistum Limburg reagiert schroff
  • Katholiken empört

Limburg/Flörsheim - Sascha Jung gehört zu den bundesweit bekanntesten Priestern im Bistum Limburg. Aber nicht mehr lange! Bischof Georg Bätzing hat ihn jetzt erst einmal suspendiert - auf eigenen Wunsch.

Limburg: Der Priester Sascha Jung sorgte in der Vergangenheit öfter für Aufsehen

Der ehemalige Kaplan am Dom macht immer wieder Schlagzeilen. In seinem Abschiedsgottesdienst in Limburg erregte er 2013 durch seine deutliche Kritik am damaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Aufsehen. Vor drei Jahren sorgten seine Reden im Karneval für einen Skandal. Katholiken empörten sich über seine sexuellen Anspielungen und beschwerten sich beim neuen Bischof über ihn. Jung, der auch in der närrischen Hochburg Mainz begeisterte, sagte alle Auftritte ab und kehrte nicht mehr in die Bütt zurück.

Und im vergangenen Frühjahr bat der gebürtige Westerwälder, seit 2014 sehr beliebter Pfarrer in Flörsheim und Hochheim, um eine Auszeit und sagte auch, warum. Er müsse nachdenken, ob er Priester bleiben wolle. Sascha Jung hat sich lange Zeit gelassen für eine Entscheidung über seine Zukunft. Die Zweifel am Zölibat sollen nur ein Grund für seine Bitte gewesen sein, ihn von der Weihegewalt zu entbinden.

Stephan Schnelle, Sprecher des Bistums Limburg, bestätigte gegenüber dieser Zeitung die Suspendierung. "Es handelt sich um keine Sanktion", betonte Schnelle. Jung, der seit März als Pfarrer beurlaubt war, sei nun für unbestimmte Zeit vom Weiheamt entbunden. Priesterliche Dienste dürfe er nicht mehr leisten, also nicht in der Seelsorge wirken oder Sakramente spenden.

Kein Priester mehr in Limburg: Verschiedene Gründe - nicht nur Zölibat

Der nächste Schritt aus dem Priesteramt wäre die Laisierung. Darum müsste Jung erneut bitten. Entschieden werde dies allerdings nicht in Limburg, sondern in Rom, sagt Schnelle.

"Bis dahin ist Sascha Jung Priester des Bistums", erläutert der Bistumssprecher. Der 43-Jährige erhalte auch weiter Geld von der Diözese, aber natürlich nicht die vollen Bezüge.

Mit dem Beginn der Fastenzeit Anfang März 2019 hatte Jung seinen Verzicht auf die Pfarrei St. Gallus in Flörsheim erklärt. Grund dafür seien nach Jungs Angaben "unter anderem Zweifel am Zölibat" gewesen, rief Schnelle in Erinnerung.

Sascha Jung selbst wollte seine Zweifel nie auf diesen Punkt, die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester, verkürzt haben. Auch die hohe Arbeitsbelastung der Pfarrer heute, die weniger Zeit für die Seelsorge lässt, als es die allermeisten Priester sich wünschen, war nur ein Mosaikstein. Die Nutzung von Kirche als Machtapparat, wie sie Jung unter Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hautnah zu spüren bekam, aber auch das Ausmaß des Missbrauchs, der in dieser Kirche geschehen konnte, hat ihn wie viele andere erschüttert und grundsätzlich zweifeln lassen, ob er seinen Glauben an der für ihn richtigen Stelle lebt.

Auf der anderen Seite war da die Freude an diesem Beruf und seiner Vielfalt, der Einsatz von vielen Jahren des Studiums und der Vorbereitung sowie nicht zuletzt der Gedanke, dass der Priestermangel die Kirche doch schon so sehr drückt.

Noch vor kurzem, sagen Menschen, die näher dran waren, sah es so aus, als würde Jung am Ende seines Nachdenkens doch zu dem Schluss kommen, seinen Dienst in der Kirche wieder aufzunehmen. Das wird nun nicht geschehen.

Limburg: Sascha Jung machte ein Praktikum in der ZDF-Kirchenredaktion

Der 43-Jährige, der seit seinem Abschied aus Flörsheim in Wiesbaden wohnt, will sich nun neu orientieren und eine andere berufliche Grundlage für das weitere Leben suchen. Er hatte die vergangenen Monate unter anderem für ein Praktikum in der Kirchenredaktion des ZDF genutzt. Jung ist zudem ausgebildeter Bankkaufmann und Organist.

Auf die Fastnachtsbühne in Flörsheim will das Vorstandsmitglied des dortigen Carneval Vereins, anders als noch im März von FCV-Chef Hansi Greb angekündigt, nicht mehr zurückkehren. Das hat Jung schon vor einiger Zeit bestätigt, nicht zuletzt aus Rücksicht auf seinen Nachfolger im Pfarramt. Friedhelm Meudt, seit 1. Oktober in Flörsheim im Dienst und bis zur vergangenen Kampagne einer der besten Büttenredner im Raum Limburg, wird an seiner neuen Wirkungsstätte auch diese Aufgabe übernehmen.

Bistum Limburg: Auf Suspendierung folgt Laisierung

Der Suspendierung Jungs durch den Bischof folgt nun ein kirchenrechtliches Verfahren zur Laisierung, an dessen Ende eine Entbindung vom Weiheversprechen und den damit verbundenen Rechten und Pflichten steht. Erst mit erfolgter Laisierung steht dann auch einer kirchlichen Eheschließung nichts mehr im Weg.

Dass ihm der verpflichtende Verzicht auf eine Frau und Kinder, den die römisch-katholische Kirche (anders als die Ostkirche) bislang noch all ihren Priestern abverlangt, hart angekommen ist, hatte Sascha Jung unter anderem in der ZDF-Dokumentation "Zwischen Bütt und Beichtstuhl" (2018) anklingen lassen.

Sascha Jung selbst will sich zu den genauen Gründen für seine Entscheidung und zu seinen Zukunftsplänen nicht äußern. Es gehe ihm gut, sagen Menschen, die mit ihm verbunden sind.

Von Joachim Heidersdorf und Barbara Schmidt

Der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, ist neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare