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Limburg: Bootstour für ukrainische Flüchtlinge

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Gute Stimmung herrschte an Bord der "Wappen von Limburg".
Gute Stimmung herrschte an Bord der "Wappen von Limburg". © Katerina Dolke

Kirchliche Organisationen laden zur Lahnfahrt ein, die auf großen Zuspruch stößt

Limburg -Der Mensch lebt nicht vom Brot allein - dieses biblische Wort war das Motiv, für ukrainische Geflüchtete sowie ihre Gastfamilien und Helfer eine Fahrt auf dem Passagierschiff "Wappen von Limburg" anzubieten. Finanzielle, logistische und personelle Unterstützung kam vom Evangelischen Dekanat an der Lahn, dem Bistum Limburg sowie vom Willkommenskreis Diez; auch Caritas und Diakonie waren mit an Bord.

Die Organisatoren, Bezirksreferentin Maria Horsel, der Öffentlichkeitsbeauftragte Peter Wagner sowie die Pfarrer Christian Dolke und Joachim Naurath, waren überwältigt von der Zahl an Anmeldungen. 160 Gäste konnten schließlich an Bord begrüßt werden, darunter weitere Ehrenamtlichen, zum Beispiel für die Kinderbetreuung.

Sich kennenlernen und vernetzen

Die Idee zu dieser Fahrt hatte Christian Dolke, seit Anfang des Jahres Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Staffel und durch Kontakte zum Willkommenskreis Diez bereits tief im Thema. "Diese Menschen sind jetzt hier, bringen zum Teil traumatische Erfahrungen mit - wir müssen etwas tun, damit sie sich hier zeitnah treffen und vernetzen können", hatte Dolke vier Wochen zuvor bei einem ersten Arbeitstreffen zu diesem Projekt gesagt. Mit dem katholischen Bezirk Limburg, der Caritas und dem Diakonischen Werk Rhein-Lahn waren auch schnell die richtigen Partner gefunden. Fünf Euro sollte die dreistündige Fahrt für Erwachsene kosten, Kinder unter 14 waren frei. Einladungsflyer wurden gestaltet und verteilt, anfangs in der Hoffnung, die erforderlichen 120 Teilnehmer zusammen zu bekommen. Doch die Idee kam so gut an, dass bereits Tage vor der Fahrt an die 500 Anmeldungen vorlagen und daher spontan entschieden wurde, auch noch eine zweite und dritte Fahrt zu organisieren.

Problemlos konnte auch eine Rollstuhlfahrerin an Bord genommen werden, und von einem Säugling, der während der Fahrt noch gestillt werden musste, bis hin zu rüstigen Rentnern war jedes Alter an Bord vertreten.

Die Route führte erst an Limburg vorbei nach Dietkirchen. Stets zweisprachige Ansagen des Teams erläuterten die Bauwerke und Städte, berichteten aber auch über die Lahn selbst und die Errichtung der Schleusen im 18. Jahrhundert, um damals den Schiffsverkehr zu ermöglichen.

Für viele Gäste war es die erste Schleusenfahrt. Etwas unheimlich war es allerdings für manche, als das Schiff immer tiefer sank. Und auf der Rückfahrt beeindruckend, mit welcher Kraft die Wassermassen einige Meter vor dem Bugfenster durch die geöffneten Schütze in die Schleusen hineinschossen.

Kinderschminken und eine Tombola

Damit für die Kleinen die Fahrt nicht zu lang wurde, war eine Kinderbetreuung organisiert mit Tombola und Kinderschminken; auch Eis wurde zwischendurch ausgeteilt. Vertreter der Caritas und der Diakonie saßen in einer ruhigeren Ecke des Schiffes, bereit, Menschen bei mancherlei sozialen Fragen zu beraten oder Kontaktadressen zu vermitteln.

Fast Bar-Atmosphäre verbreitete Kantor Harald Opitz auf seinem E-Piano; dezent im Hintergrund waren Swing, Jazz und andere Stile zu hören. Im zwanglosen Gespräch kamen sich dabei die Ausflügler näher. Wie meistens, schlossen die Kinder am schnellsten Freundschaft; aber auch die Erwachsenen tauschten sich aus über Freud und Leid und gaben sich Hilfestellung.

Neben dem Genießen der Landschaft und dem Ausspannen von dem erlebten Schrecken und den Sorgen für die Zukunft sollte die Fahrt einfach Freude vermitteln - Freude am Leben, verbunden mit der Gewissheit, ein Recht darauf zu haben, glücklich zu sein.

Die Andacht von Pfarrer Dolke griff diese Stimmung auf; beim Fürbittgebet, von verschiedenen Sprechern vorgelesen, herrschte aufmerksame Stille auf dem Schiff - die Menschen in der Ukraine standen im Mittelpunkt dieser Worte.

Nach dem Vaterunser, auf Deutsch verlesen, baten ukrainische Frauen spontan um das Mikro, um in den beiden Sprachen ihres Landes, Ukrainisch und Russisch, jeweils das eindrückliche Gebet Jesu zu sprechen.

Nachdem das Schiff angelegt hatte, stimmten einige Frauen die Nationalhymne an; der alle verbindende Wunsch wurde hier sichtbar, wieder in die Heimat zurückzukehren, wenn Freiheit und Frieden wiederhergestellt sind.

Noch Stunden nach der Fahrt tauschten sich die Frauen in den sozialen Netzwerken begeistert aus, überboten sich in Dankbarkeit für das herzliche Willkommen und die überwältigende Gastfreundschaft. Auch Details wie Buttons gestalten, Bilder malen und Bonbons zur Motivation haben sie angerührt.

Für die Organisatoren der Fahrt ist klar: Es wird eine Wiederholung geben- auch, weil die oben genannten Unterstützer weiterhin Mittel dafür zur Verfügung stellen werden, und weil das Glück und die Freude in den Augen der Gemeinschaft keinen unberührt gelassen hat.

Per Flyer wurde auf zwei weitere Angebote für die ukrainischen Flüchtlinge aufmerksam gemacht: Am Donnerstag, 19. Mai, von 15 bis 17 Uhr im Begegnungs-Café Steeden in den Räumen der Zionsgemeinde, Steedener Hauptstraße 47. Und von Mittwoch, 1. Juni an, wird um 15 Uhr regelmäßig das "Café Kavyarna" als Treffpunkt für ukrainische Familien in den Gemeinderäumen der evangelischen Kirche Limburg am Bahnhof angeboten. Das Café Kavyarna wird dann jeden letzten Montag im Monat geöffnet sein.

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