Stefan Laux beim Paddeln auf der Lahn, die er als Naherholungsgebiet attraktiver machen möchte.
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Stefan Laux beim Paddeln auf der Lahn, die er als Naherholungsgebiet attraktiver machen möchte.

Stefan Laux

Außergewöhnlicher Bürgermeister-Wahlkampf in Limburg: Kandidat geht neue Wege

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
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Stefan Laux, Bürgermeisterkandidat für Limburg, setzt auf persönliche Kontakte, aber auch auf originelle Ideen und Videos.

Limburg – Was macht ein Bürgermeister? „Er macht Burger“, sagt Anton. Der gerade drei Jahre alt gewordene Bub ist einer der „Stars“ in einem Video, das schon mehr als 11.000 Zuschauer begeistert hat. Gemeinsam mit Emma, Lotta, Tim, Emil und Johannes denkt er über Aufgaben und Möglichkeiten des Stadtoberhaupts nach. Die Jungen und Mädchen wünschen sich vom „Bestimmer von Limburg“ neben diversen Spielgeräten unter anderem, dass es weniger Streit gibt und im Winter mehr schneit. Und Anton, dass ihm die Nase nicht mehr juckt... Herrlich.

Stefan Laux führt außergewöhnlichen Bürgermeister-Wahlkampf in Limburg

Eine subtile Werbung für und von Bürgermeisterkandidat Stefan Laux, der in dem Video nicht auftaucht. Er ließ die Aufnahmen mit Kindern von Freunden und Nachbarn nach dem Vorbild der Fernsehsendung „Dingsda“ produzieren. Wie im TV wird aufgrund des Erfolgs und der hohen Einschaltquoten aktuell die zweite Folge gedreht.

„Kinder an die Macht“, sagt Laux mit einem Augenzwinkern. Der 51-Jährige geht im Wahlkampf völlig neue Wege, um im nächsten Jahr in Limburg an die „Macht“ zu kommen.

Ob der Schulleiter ein guter Bürgermeister wäre, weiß keiner. Aber dass er originelle Ideen hat und diese auch umsetzt, wie bei der Bekanntgabe seiner Bewerbung Ende Februar angekündigt, demonstriert er in diesem außergewöhnlichen Wahlkampf. Seine Botschaft: „Wir machen es besser als jetzt - und ganz anders.“

Tim (l.), Anton und Emil überlegen: Was macht ein Bürgermeister?

Bürgermeister-Wahlkampf in Limburg: Keine klassischen Formate

Dabei erlebte Laux bereits nach drei Wochen, dass ein Teil seines Slogans zu optimistisch ist: In Corona-Zeiten ist halt nicht alles machbar. Der Lockdown bremste ihn in seinem Vorwärtsdrang. Die in der Altstadt als Begegnungsstätte und Ideenwerkstatt eingerichtete „machbar“ musste er schließen – und sein Konzept schnell ändern. Stefan Laux gewinnt selbst dieser Situation etwas Positives ab. „Es ist vieles machbar, was man vorher nicht gewusst oder für unmöglich gehalten hat“, sagt er.

Die klassischen Wahlkampfformate, wie Versammlungen in Bürgerhäusern, hatte der von der CDU unterstützte Bewerber ohnehin nicht auf dem Schirm. Der gebürtige Limburger setzt auf möglichst viele persönliche Kontakte mit den Bürgern, um sich als sympathischer Ansprechpartner zu präsentieren. Außerdem auf überraschende Aktionen und die sozialen Medien; dabei speziell auf sehr professionelle Videos.

Das erste verbreitete er am Vatertag. In allen Stadtteilen stellte Laux „Bollerwagen“ mit eisgekühlten Getränken zur Selbstbedienung auf. Jede Flasche alkoholfreies Bier und Radler mit Visitenkarte und Flaschenöffner bestückt. Am Muttertag hatte er Blumen verschenkt.

Bürgermeister-Wahlkampf in Limburg: Zupackend und kreativ

Weitere Filme zeigen ihn beim Paddeln auf der Lahn, die Laux als Stadtpark und Naherholunggebiet attraktiver gestalten möchte, und als tatkräftigen Mann beim Pflastern an der Schutzhütte in Ahlbach. „Es kommen noch mehr“, sagt der Familienvater. In dieser Woche startet außerdem seine Podcast-Serie.

Auf seiner Sommertour informierte sich der Bürgermeisterkandidat über die aktuellen Probleme und Anliegen in Limburg, Ahlbach, Dietkirchen, Eschhofen, Lindenholzhausen, Linter, Offheim und Staffel. Er erkundete, wie fahrradfreundlich die Stadt ist und schaute sich nach dem Motto "von anderen lernen" Projekte in der Umgebung an; zum Beispiel in Wallmerod, wie Ortskerne belebt werden können.

Natürlich äußert Laux sich auch zur Stadtpolitik, unter anderem zu den Platanen, zur Luftmessstation und zur Umweltspur an der Schiede. Für die nächsten Wochen kündigt er verschiedene überraschende Initiativen an.

Wahlkampf in Limburg: „Das mache ich selbst“

Pluspunkte sammelt er jedoch nicht zuletzt mit seinem Handeln. Etwa in Ahlbach, wo ihn Bürger beim Rundgang auf die unvollendete Schutzhütte angesprochen hatten. Laux vereinbarte spontan Arbeitseinsätze und organisierte (und spendierte) alte Basaltsteine. An mehreren Samstagen schuftete der handwerklich begabte Schulleiter gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins „Wir für Ahlbach“ von morgens bis abends. Seit Kurzem erstrahlt die Hütte in neuem Glanz. Außerdem installierten die Helfer in der Nähe eine Aussichtsplattform mit Blick auf den See und pflasterten den Weg dorthin. „Das hat mir viel Spaß gemacht“, sagt Laux.

Wer ihm zusieht und zuhört, der spürt, wie viel Freude ihm seine Einfälle und das Umsetzen bereiten - und umso mehr, wenn er andere damit erfreuen kann. So wie mit seiner Kartenserie. Die Motive illustrieren die Limburger Uznamen: Limboarjer Segger, Lindenhollesser Krugelsche, Linderer Fresch, Staffeler Watz, Eschhiwer Schäss, Offemer Bär, Dickerjijer Hulz und Ollwoacher Kewer. Dazu ein paar Info und immer die Hinweise „Wir sind. . .“ und „schön hier“.

Die Frage nach seinem Wahlkampfmanager und dem kreativen Kopf der Kampagne beantwortet Laux schmunzelnd: „Das mache ich selbst“; mit meiner Frau Ute und unterstützt von einem kleinen Team.

Bürgermeister-Wahlkampf in Limburg: Stefan Laux will an jeder Haustür anklopfen

Freitagabends und samstags klopft Stefan Laux an den Haustüren an; er will an allen 15.000 bis 16.000 gewesen sein. Der ehemalige Schreinerlehrling hat einen langen Besenstiel zum „Infoboten“ umfunktioniert, den er den Bürgern aus zwei Meter Abstand mit Broschüre und Karte entgegen streckt. Ein paar nette Worte und weiter geht‘s.

Ein Mammutprogramm, das auf die Wochenenden beschränkt bleiben muss. „Ich bin ja nach wie vor zu 100 Prozent und mit großer Leidenschaft Schulleiter“, betont er. Trotzdem würde Stefan Laux Anton und Co. später gerne aus Erfahrung erzählen, was ein Bürgermeister tatsächlich macht. (Joachim Heidersdorf)

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