Dicht gedrängt stehen auf diesem Archivfoto die Besucher des Christkindlmarkts auf dem Neumarkt zusammen. So wird es in diesem Jahr auf keinen Fall sein. Wenn der Weihnachtsmarkt trotz Corona stattfinden kann, werden die Buden weiträumig in der Innenstadt verteilt.
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Dicht gedrängt stehen auf diesem Archivfoto die Besucher des Christkindlmarkts auf dem Neumarkt zusammen. So wird es in diesem Jahr auf keinen Fall sein. Wenn der Weihnachtsmarkt trotz Corona stattfinden kann, werden die Buden weiträumig in der Innenstadt verteilt.

„Ich habe richtig Angst“

Christkindlmarkt: In Limburg wird wegen Corona alles anders – Schausteller verzweifelt

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Am Donnerstagnachmittag (01.10.2020) wird über das neue Konzept des Christkindlmarkts gesprochen. Eines ist jedoch klar: Wegen Corona wird alles anders.

  • Aufgrund der Corona-Krise wird sich der Christkindlmarkt in Limburg stark verändern.
  • Statt gemütlicher Nähe heißt es: Glühwein to go.
  • Die wirtschaftliche Lage bei Schaustellern ist angespannt und dramatisch.

Limburg – Die Unsicherheit bei den Schaustellern ist groß, die Verzweiflung nach monatelangem Stillstand ohne eigene Einnahmen als Folge der Corona-Krise noch größer. Eine entscheidende Rolle für die weitere Existenz auch der heimischen Branche spielen Weihnachtsmärkte. Nur, können sie dieses Jahr in Limburg stattfinden, und wenn ja wie? Darüber wird am Donnerstagnachmittag (01.10.2020) im Stadthaus auf der Dietkircher Höhe in Limburg gesprochen.

Die Schausteller werden dann dem Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU) und Vertretern des Kreisgesundheitsamts ihr Hygiene-Konzept vorstellen. Aber auch wenn es dafür grünes Licht gibt: Keiner weiß, wie sich die Corona-Pandemie im Herbst und Winter entwickeln wird, ob nur alkoholfreier Glühwein ausgeschenkt werden darf, und was das Land Hessen vom 1. November an erlauben und vor allem nicht erlauben wird.

Christkindlmarkt in Limburg: Das steht bereits fest

Zumindest das steht bereits fest: Die Beschicker des Limburger Christkindlmarkts, der dieses Jahr einen neuen Namen tragen wird, wollen im Idealfall bereits Mitte November starten und bis Ende Januar in der gesamten Innenstadt verteilt ihre Buden aufstellen. Das teilte gestern auf Anfrage der Sprecher der Schausteller, Andreas von Fischke, mit.

Die meisten Buden sollen weiterhin auf dem Neumarkt zu finden sein (wenn auch deutlich weniger als bislang), aber eben nicht mehr in einer engen Gasse. „Wir brauchen Platz, Platz, Platz“, sagt von Fischke. „Wir wollen die Buden so aufstellen, dass es einen Rundgang durch die Innenstadt gibt. Aber klar ist: Die bisherige Atmosphäre mit Menschen, die dicht zusammenstehen, wird es in diesem Jahr nicht geben.“ Auch der Europaplatz soll genutzt werden sowie der Platz vor leerstehenden Geschäften wie in der Grabenstraße, sofern die Eigentümer zustimmen.

Glühwein to go und Desinfektionsmittel: Christkindlmarkt in Limburg völlig anders

Zum Hygienekonzept in Limburg gehören natürlich eine Plexiglasscheibe an den Verkaufsständen, davor Spender mit Desinfektionsmittel, Abstandshalter auf dem Boden, zum Beispiel durch rote Teppiche, und ein klares System des „Bestellen und Bummeln“, frei nach dem Motto: Glühwein to go.

„Die derzeitige Situation ist ganz schlimm für uns“, sagt von Fischke. „Mit Beginn der Pandemie im März dachten wir noch, es geht für uns Schausteller nach Pfingsten weiter. Dann hieß es, bis August werde nichts passieren. Da dachten wir noch, das können wir noch verschmerzen. Aber dann sollten wir bis Ende Oktober abwarten.“

Die wirtschaftliche Situation für viele seiner Kollegen sei dramatisch, vor allem, wenn sie in der jüngeren Vergangenheit in neue Fahrzeuge oder Verkaufsstände investiert hätten, nun aber die dringend benötigten Einnahmen fehlen, weil es derzeit keine Volksfeste mehr gebe. „Ich habe richtig Angst“, sagt von Fischke. „Ich mache das seit 35 Jahren. Ich stehe vor dem Ruin. Was soll ich meiner Tochter übergeben, die das Geschäft fortführen würde?“

Christkindlmarkt in der Corona-Krise: „Vielleicht haben wir in Limburg Glück“

Die Beschicker des Christkindlmarkts hofften nun, dass es stark keine steigenden Infektionszahlen im Landkreis gibt und der Weihnachtsmarkt mit allen erforderlichen Einschränkungen stattfinden kann. „Vielleicht haben wir in Limburg Glück“, sagt von Fischke. „Aber es kann sein, dass die genehmigten Pläne, je nach Verlauf der Pandemie, nicht umgesetzt werden können, oder dass wir anfangen können, und nach einer Woche ist schon wieder Schluss, wenn es zu viele Infizierte gibt.“

Schon Mitte Juli gab es einen Krisengipfel in der Stadtverwaltung Limburg, um den Schaustellern und Beschickern eine wirtschaftliche Perspektive zu geben. Die Stadt war bereit, einzelne Ständen schon vom Sommer an zu genehmigen - zwei Plätze auf dem Europlatz und zwei bis drei Plätze auf dem Neumarkt (außer samstags, wenn Wochenmarkt ist).

Doch dieses Angebot sei bislang nicht in Anspruch genommen worden, teilt der Erste Stadtrat Stanke auf eine Anfrage des CDU-Stadtverordneten Stefan Wagner mit. Die Verwaltung habe auch vorgeschlagen, private Stellplätze anzufragen, zum Beispiel vor größeren Supermärkten. Das Haupthindernis sei das Wetter gewesen, erklärt von Fischke. Der August sei zu heiß gewesen, um die klassische Ware zu verkaufen.

Christkindlmarkt in Limburg: Wie geht es weiter?

Auch die Stadt weiß noch nicht, wie es vom 1. November an weitergehen soll mit Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten. Denn die bisher geltende Verordnung sei bis zum 31. Oktober befristet. „Ob und gegebenenfalls welche Veränderungen für die Zeit danach wirksam werden könnten, ist bislang nicht absehbar“, schreibt Stanke in seiner Antwort. Nur eines stehe derzeit fest: „Ein Christkindlmarkt in der bislang gewohnten Form ist unter den derzeit gegebenen Voraussetzungen nicht möglich.“ (Von Stefan Dickmann)

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