Ute Jungmann-Hauff (links) und Carmen von Fischke setzen sich für gleiche Verwirklichungschancen von Frauen und Männern ein.
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Ute Jungmann-Hauff (links) und Carmen von Fischke setzen sich für gleiche Verwirklichungschancen von Frauen und Männern ein.

Geschlechtergleichstellung

Limburg: Corona fördert Ungleichheiten zutage

Frauenbeauftragte von Stadt und Kreis fürchten eine "Rolle rückwärts" und schlagen Alarm.

Limburg - "Die Corona-Krise mit all ihren Nachwirkungen darf uns Frauen in der Geschlechtergleichstellung nicht um Jahrzehnte zurückwerfen", sagt Ute Jungmann-Hauff. Sie ist die Frauenbeauftragte des Landkreises Limburg-Weilburg. Zusammen mit Carmen von Fischke, ihrer Amtskollegin bei der Stadt Limburg, spricht sie über systemrelevante Berufe, Homeoffice und Kinderbetreuung.

Auch wenn in Schulen und Kitas nun weitgehend wieder ein Normalzustand herrsche, sei es für viele Frauen nach wie vor nicht leicht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die letzten Monate hätten überdeutlich gezeigt, dass Frauen mit bezahlter und unbezahlter Arbeit ein System am Laufen halten, das sie selbst benachteiligt. "Das darf nicht so bleiben", fordern die beiden Frauenbeauftragten und sehen mit Besorgnis, dass die Pandemie vielfach zu einer "Rolle rückwärts" in Sachen traditionelle Arbeitsverteilung in den Familien geführt habe.

Sorgen machen sich Jungmann-Hauff und von Fischke auch um all jene Frauen, die aufgrund der Corona-Maßnahmen ihren Mini-Job in Handel und Gastgewerbe unverschuldet verloren haben. "Da wird es von heute auf morgen sehr eng in der Haushaltskasse." Aus Daten der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar gehe hervor, dass mehr als Zweidrittel aller geringfügig Beschäftigten weiblich sind. Viele von ihnen haben die Altersgrenze von 65 Jahren bereits überschritten. Zwei von drei Frauen mit einem Mini-Job verfügen über kein sonstiges Einkommen.

Die meisten Mütter arbeiten in Teilzeit

Immer wieder würden Klientinnen in den Beratungsgesprächen auch von befristeten Verträgen berichten, die während des Lockdowns ausgelaufen sind und nicht mehr verlängert wurden, weil viele Geschäfte, Hotels und Lokale noch längst nicht wieder ausgelastet sind und schwarze Zahlen schreiben. "Corona hält uns vor Augen, dass wir künftig noch deutlich bessere Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen brauchen", sagt Jungmann-Hauff. Dazu gehöre auch ein Schulsystem, das Müttern garantiert, existenzsichernd arbeiten zu können. Tatsächlich seien 79 Prozent der Mütter mit Kindern unter 14 Jahren in Teilzeit.

Viele von ihnen gehören jenen systemrelevanten Berufen an, die in der Hochzeit der Krise besondere Beachtung und Wertschätzung erfuhren. "Applaus ist aber längst keine angemessene Anerkennung für Menschen, die sich zusätzlichen Infektionsgefahren aussetzen. Und eine einmalige Prämie ebenfalls nicht", bemängelt Jungmann-Hauf. Verkäuferinnen, Altenpflegerinnen, Krankenschwestern und Erzieherinnen bräuchten alle dauerhaft einen gerechten Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

Alleinerziehende: Lage besonders prekär

Mit einer gewissen Genugtuung registrierten die beiden, wie schnell und unkompliziert Stadt- und Kreisverwaltung das mobile Arbeiten aufgrund der Corona-Abstandregeln organisiert und eingeführt hatten. Gefährdete Personen und Eltern, die sich um Kinder zu kümmern hatten, konnten prompt ins Homeoffice umziehen. "Zwar sind seit Juni wieder alle an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, doch liegen der Kreisverwaltung derzeit mehr als 100 Anträge auf das mobile Arbeiten vor." Dabei soll es nur mindestens zwei Tage pro Woche Präsenzpflicht geben.

"Die Corona-Krise ist noch längst nicht passé und sie sollte von den Geschlechtern gemeinsam gemeistert werden. Doch alles was das Häusliche betrifft, wird zumeist auf den Schultern der Frauen ausgetragen", resümieren die Frauenbeauftragten. Besonders prekär sei die Lage für Alleinerziehende. So hätten die vergangenen Monate überdeutlich gezeigt, wie notwendig öffentliche Kinderbetreuungs- und Pflegeangebot für Arbeitnehmerinnen sind. "Wenn nämlich alle erwerbstätigen Frauen in den systemrelevanten Berufen zu Hause bleiben müssten, würde unser soziales System zusammenbrechen."

Das Frauenbüro setzt sich für bessere Rahmenbedingungen ein

Das Frauenbüro als Sonderdienst im Landkreis Limburg-Weilburg entstand Mitte der 1980-Jahre durch den politischen Druck der Frauenbewegungen. Ute Jungmann-Hauf arbeitet dort seit 1993. Im Innenbereich kümmern sie sich um die Förderung und Umsetzung der Gleichberechtigung und Gleichstellung von Männern und Frauen. Sie setzt sich zudem für Bildungsangebote und bessere Rahmenbedingungen ein, um Frauen ins Erwerbsleben zu integrieren. Darüber hinaus berät sie Frauen, die von Gewalt betroffen sind.

Das Frauenbüro des Landkreises Limburg-Weilburg ist erreichbar unter Telefon (0 64 31) 26 91 69.

Kerstin Kaminsky

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