Auch in Corona-Zeiten immer einsatzbereit: Frank Beringer (links) und Christof Lämmle sowie viele weitere Polizisten im Landkreis. foto: privat
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Auch in Corona-Zeiten immer einsatzbereit: Frank Beringer (links) und Christof Lämmle sowie viele weitere Polizisten im Landkreis. foto: privat

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Wie die Corona-Krise die Polizeiarbeit verändert 

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
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Von lauten Jugendgruppen, nächtlichen Männerbesuchen und Friseuren im Hinterhof: So verändert die Corona-Pandemie die Arbeit der Beamten.

  • Die Polizei hat Hände voll zu tun in Zeiten des Coronavirus*
  • Die Arbeit der Beamten hat sich auch in Limburg stark verändert
  • Beleidigungen und Angriffe nehmen zu

Limburg - "Da stehen zehn Jugendliche zusammen und hören laute Musik", meldet ein Anrufer. Der nächste berichtet von mehreren Familien mit Kindern auf einem geschlossenen Spielplatz. Ein anderer macht auf eine Feier von zahlreichen Personen in der Nachbarwohnung aufmerksam. Drei von vielen Klagen, die im Laufe des Tages bei der Polizei in Limburg eingehen.

Limburg: In Zeiten von Corona hat die Polizei so viele Hinweisgeber wie nie zuvor

"Corona hat unseren Alltag stark verändert", sagt Dienstgruppenleiter Frank Beringer. Der 55-Jährige fährt zurzeit gemeinsam mit Christof Lämmle Streife. Die beiden erfahrenen Polizisten stehen in unserer Serie stellvertretend für 75 Kollegen im Schichtdienst, die rund um die Uhr die Sicherheit der Bürger im Landkreis gewährleisten. Als "Helden" fühlen sie sich nicht. "Wir erledigen nur weiter unsere Aufgaben", sagt Lämmle. Das freilich seit Anfang März unter deutlich erschwerten Bedingungen.

Die Beamten haben seit Wochen so viele Hinweisgeber wie nie zuvor. Meist geht es um Menschenansammlungen und das Missachten des Mindestabstands, seit Montag auch um Verstöße gegen die Maskenpflicht*. "Viele Menschen nehmen die Anordnungen sehr ernst und ärgern sich offensichtlich, wenn andere leichtfertig damit umgehen", sagt Beringer. Vor allem die Aufmerksamkeit der Nachbarn sei größer geworden.

Coronavirus in Limburg: Manche nehmen die Corona-Maßnahmen zu ernst und rufen die Polizei

Manche besorgte Bürger nehmen die Maßgaben freilich auch zu ernst. Kürzlich rief nachts ein Mann an und beschwerte sich, dass seine Mieterin unerlaubten männlichen Besuch habe. Die Ordnungshüter überzeugten sich davon, dass alles seine Ordnung hatte. Begegnungen zu zweit sind schließlich okay - auch nachts, so lange es nicht in Ruhestörung ausartet. Der Mieter sah es anders und beschimpfte die aus seiner Sicht untätigen Polizisten.

Oft müssen beziehungsweise können die Beamten auch gar nicht eingreifen. "Bis wir da sind, haben die Gruppen sich nicht selten schon aufgelöst", erläutert Lämmle.

Limburg in der Corona-Krise: Bußgeld- und Ordnungswidrigkeitsverfahren keine Seltenheit mehr

In der ersten Corona-Phase beschränkten die Beamten sich auf kommunikative Problemlösung, sprich freundliche Ansprache. Da gab es in Hessen freilich auch noch keine andere Möglichkeit. Neuerdings leiten auch die Limburger Polizisten vermehrt Bußgeld- und Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. "Nur, wenn es nicht anders geht", sagt Polizeichef Frank Göbel. "Die meisten sind einsichtig, doch manchmal muss es halt wehtun". Besonders uneinsichtig sei die Klientel am Bahnhofsplatz in Limburg, ergänzt Hauptkommissar Beringer.

Der Publikumsverkehr auf der Dienststelle im Offheimer Weg hat nach seinen Angaben spürbar nachgelassen. "Wir versuchen, die Zahl der Besucher so gering wie möglich zu halten, weisen aber keinen ab", sagt der 55-Jährige. Auf dem Tisch der Wache ist zum Schutz beider Seiten eine Plastikwand installiert worden.

Coronavirus in Limburg: Beamte verzichten auf Schutzkleidung

Denn Anzeigen werden weiter aufgegeben und ermittelt werden muss nach wie vor. Doch die Schwerpunkte haben sich durch Corona verlagert. Auf den Straßen ist seit sechs Wochen weniger los, die Zahl der Unfälle entsprechend zurückgegangen. Einbrecher finden kaum noch leerstehende Häuser, und insgesamt scheinen sich einige Kriminelle selbst Ausgangssperren verhängt zu haben.

Wenn die Polizisten raus müssen, ist es in der Regel eilig und häufig brenzlig. "Da bleibt dann keine Zeit, die Schutzkleidung anzuziehen, und keine Chance, den Mindestabstand einzuhalten", erklärt Chistof Lämmle. Handschuhe sind ohnehin Standard, die neue Schutzausrüstung (Brille, Maske, Überziehanzug und -schuhe) bleibt meistens im Auto. Sähe vielleicht auch ein bisschen blöd aus, wenn die Einsätzkräfte vermummt und aus der Distanz handeln würden. "Die Leute müssen uns erkennen und verstehen können", meint der 54-Jährige. Wegen dieser Maxime riskieren Polizisten ihre Gesundheit.

Alltag der Polizei in Corona-Zeiten in Limburg: Beleidigungen sind sie gewohnt, tätliche Angriffe nehmen zu

Beleidigungen sind sie gewohnt, tätliche Angriffe nehmen zu. Vor Kurzem auch bei einem Corona-Einsatz in der Weiersteinstraße in Limburg, wo ein Friseur in einem Hinterhof mehreren Männern die Haare geschnitten hatte. Gerade in dieser Zunft gebe es relativ viele Hinweise auf Verstöße. "Mit Wuschelkopf rein und frisch frisiert raus: Da helfen dann auch keine Ausreden", sagt Lämmle.

Applaus, wie andere Berufsgruppen, bekommen die Polizisten auch nicht in Corona-Zeiten. Niemand klatscht, wenn sie eingreifen. Muss auch nicht sein. Aber mehr Respekt und Anerkennung und hier und da auch mal ein Lob und Dankeschön für ihre Arbeit hätten sie verdient.

Joachim Heidersdorf

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Ein Unbekannter attackiert in Limburg ein 17-jähriges Mädchen. Ihre Reaktion verhindert Schlimmeres, die Polizei sucht nun händeringend nach dem Täter.

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